Großfahndung läuft 20-Jähriger erschießt Eltern und raubt dann Zyankali

Ulm (rpo). Ein 20-Jähriger hat am Montagmorgen zuerst seine Eltern und die Großmutter erschossen und dann das Chemielabor der Universität in Ulm überfallen. Dort soll der junge Mann Zyankali geraubt haben, teilte die Polizei mit. Die Ermittler schlossen nicht aus, dass sich der 20-Jährige mit dem Gift töten will. Eine Großfahndung läuft.

 Die Polizei hat eine Fahndung eingeleitet.

Die Polizei hat eine Fahndung eingeleitet.

Foto: ddp, ddp

Das Familiendrama in der 13 000-Einwohner-Stadt Erbach ereignete sich in den frühen Morgenstunden an zwei verschiedenen Orten. Der 20-Jährige soll zunächst die 57-jährige Mutter und den 64-jährige Vater im gemeinsamen Wohnhaus getötet haben. Die 92-jährige Großmutter lebte in einer Seniorenwohnanlage und wurde dort erschossen. Die Bürger der Stadt zeigten sich entsetzt über die Tat. Die Familie habe ein ruhiges Leben geführt und sei nie aufgefallen, sagte eine Nachbarin der getöteten Eltern.

Der Überfall auf die Universität fand laut Polizei in der Abteilung anorganische Chemie statt, dem früheren Studienort des 20-Jährigen. Den Ermittlungen zufolge bedrohte er dort gegen 9.18 Uhr eine Mitarbeiterin mit einer Schusswaffe. Er erzwang so die Herausgabe von 20 bis 50 Gramm Zyankali, mit denen er flüchtete. Die Polizei riegelte das Areal weiträumig ab, konnte den Mann aber bis zum Abend nicht ausfindig machen. Der Täter sei zu Fuß geflohen und es sei nicht auszuschließen, dass er sich noch in dem Gebäude befinde, sagte ein Polizeisprecher. Zur Fahndung wurden auch Scharfschützen und Hubschrauber eingesetzt.

Der 20-Jährige soll psychisch auffällig sein und sich bereits mehrmals in Behandlung befunden haben. Polizeilich trat er aber bislang nicht in Erscheinung. Er hatte früher Chemie an der Universität Ulm studiert, musste das Studium aber abbrechen. Sein Abschiedsbrief wurde im Auto des Vaters auf dem Universitätsparkplatz gefunden. Darin bekannte er sich zu der Bluttat und kündigte an, sich selbst das Leben zu nehmen.

Zum Motiv konnten die Ermittler zunächst keine Angaben machen. Zu den zeitlichen Abläufe erhoffen sie sich durch die Obduktion der Leichen Details. Auf die Großmutter wurde nach Polizeiangaben mindestens vier Mal geschossen. An beiden Tatorten wurden die Schüsse von Zeugen gehört.

Bei der getöteten Mutter handelte es sich um eine Koreanerin, die als Medizindozentin an der Universität tätig gewesen sein soll. Der Vater war Deutscher. Die Polizei bat die Öffentlichkeit um Hinweise auf den Verbleib des Täters. Für den Fall, dass er lebend entdeckt wird, wurden die Bürger davor gewarnt, sich ihm zu nähern.

(afp)
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