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Deutscher Satellit stürzt zur Erde

Deutscher Satellit stürzt zur Erde

Der deutsche Satellit Rosat könnte im Herbst auf die Erde fallen. Im besten Fall verglüht er beim Eintritt in die Atmosphäre – wenn nicht, könnte er erheblichen Schaden anrichten. Deutschland müsste dafür haften. Es wurde sogar über einen Abschuss des Satelliten nachgedacht.

Köln/OberPfaffenhofen Er befindet sich derzeit rund 500 Kilometer von der Erde entfernt – allerdings im Sinkflug. Der stillgelegte deutsche Forschungssatellit "Rosat" fliegt ohne Steuerung durchs All und droht im Herbst dieses Jahres auf die Erde zu stürzen. Laut Medienberichten könnte der tonnenschwere Flugkörper dabei erheblichen Schaden anrichten, für den Deutschland dann aufkommen müsste. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln wird der Satellit zwischen Oktober und Dezember in die Erdatmosphäre eintreten.

Wissenschaftler in Oberpfaffenhofen verfolgen den Flug des 2,2 Tonnen schweren Satelliten per Radar und versuchen, die Flugbahn zu berechnen. Steuern können sie ihn nicht mehr – er wurde bereits 1999 außer Dienst genommen. Die Kommunikationschefin des DLR, Sabine Göge, bestätigte, dass deshalb sogar über einen Abschuss des Satelliten diskutiert worden sei. Das Risiko, dabei andere Satelliten zu beschädigen, sei aber größer als die von "Rosat" ausgehende Gefahr. "Im besten und günstigsten Falle" werde der Satellit in der Erdatmosphäre komplett verglühen. Selbst wenn nicht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er ins Meer oder auf unbewohntes Gebiet stürzt.

Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" liegen der Bundesregierung Analysen vor, denen zufolge ein Absturz des Satelliten immense Auswirkungen haben könnte – wenn er auf eine Stadt fällt. Einer internationalen Vereinbarung zufolge hafte Deutschland für alle Schäden, die weltweit entstehen könnten.

"Rosat" war 1990 von Florida aus ins All geschossen worden, um nach neuen Quellen von Röntgenstrahlung zu suchen. Fast zwei Jahrzehnte kreiste er in 580 Kilometern Höhe um den blauen Planeten. Dabei machte er nicht nur das erste Röntgenbild des Mondes, sondern entdeckte auch Zehntausende neue Quellen von Röntgenlicht – allesamt bis dato unbekannte Himmelskörper. "Das sind unglaubliche Bilder, das war eine wissenschaftliche Sensation", sagte DLR-Sprecher Andreas Schütz unserer Zeitung.

Teile von Raketen und alte Satelliten, die in Richtung Erde stürzen, sind kein neues Problem. "Jährlich treten Tonnen von Weltraumschrott in die Atmosphäre ein", sagte Schütz. Dieser stamme vorwiegend aus der Anfangszeit der Raumfahrt. Mittlerweile werde schon beim Bau der Geräte alles getan, um dies zu verhindern.

Der Großteil des galaktischen Mülls verglühe beim Absturz Richtung Erde. Menschen seien bislang seines Wissens nicht zu Schaden gekommen, so Schütz. "Einer Legende zufolge wurde jedoch einmal eine Kuh auf Kuba von Teilen der Nutzlastverkleidung einer amerikanischen Rakete getötet."

Wann genau "Rosat" in die Atmosphäre eintrete, hängt nach Angaben des DLR von der Sonnenaktivität ab und sei daher noch nicht zu sagen. Kurz vor dem Eintritt werde es aber möglich sein, Zeitpunkt und Ort genauer einzugrenzen, sagte Schütz. In Kürze soll eine Website freigeschaltet werden, auf der stets die genaue Position des Flugkörpers angezeigt wird. Die Wissenschaftler sehen keinen Grund zur Panik: Die Wahrscheinlichkeit, dass Rosat komplett verglühe, sei sehr hoch, betonte Sabine Göge.

(RP)