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Willich: Der Kollege mit der kalten Schnauze

Willich : Der Kollege mit der kalten Schnauze

Heute wirbt der Tierschutzbund um Verständnis für Büro-Hunde. In vielen Unternehmen gehört ein Vierbeiner zur Belegschaft.

Seit Leo und Linus täglich ins Büro gehen, hat sich das Arbeitsklima bei der Sicherheitsfirma "AH Security Services" verbessert. Davon ist Geschäftsführerin Dorit Kotsiwos felsenfest überzeugt. "Wir lachen viel mehr", sagt die 53-Jährige. "Die beiden haben einen deutlich positiven Einfluss." Dabei sind die beiden gerade mal fünf Monate alt - und Dackel. Hunde am Arbeitsplatz, das wird in vielen Unternehmen eher skeptisch bis ablehnend bewertet. Auch deshalb wirbt der Deutsche Tierschutzbund heute mit dem 7. Aktionstag "Kollege Hund" um Verständnis für vierbeinige "Mitarbeiter". Bundesweit beteiligen sich mehr als 1000 Firmen, darunter auch das Willicher Sicherheitsunternehmen. Dorit Kotsiwos: "Die Kollegen möchten auf unsere Hunde nicht mehr verzichten."

Ähnliche Erfahrungen hat auch Ramona Stirnat gemacht. Die Pflegedienstleiterin im Ratinger Alten- und Pflegeheim an der Rosenstraße ist über den Aktionstag erst auf den Hund gekommen. "Daisy", eine vier Monate alter Cockapoo, darf nun über die Station toben - Heimbewohner und Besucher sind bisher begeistert. "Wir haben sogar demente Patienten, die durch Daisy wieder angefangen haben, sich mitzuteilen", sagt Stirnat. Das habe auch die anfangs kritisch eingestellte Geschäftsführung überzeugt.

Sicher sei ein Hund am Arbeitsplatz nicht für jedes Unternehmen geeignet, schränkt auch Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund ein. Produktionsstätten seien im Gegensatz zu Büros eher ungeeignet, dazu müsse es Rückzugsräume für die Hunde geben. Auch als Tierbesitzer seien Faktoren zu beachten. "Der Hund sollte stubenrein sein, nicht kläffen und gehorchen", sagt Tünte. Mit Kollegen sei vorab zu klären, ob Allergien oder Ängste vorliegen. Nicht jeder mag mit einem großen Hund konfrontiert werden. Und natürlich gibt es kein Anrecht darauf, den eigenen Vierbeiner ins Büro mitzubringen. Tünte: "Das entscheidet der Chef."

So war es auch bei "Balou" und seiner Besitzerin Andrea Frericks von der H. von Gimborn GmbH in Emmerich. Seit Herbst 2013 bringt die Marketing-Assistentin den fünfjährigen Labrador zweimal die Woche mit ins Büro. Voraussetzung war, dass das Tier entwurmt und geimpft ist, dazu gut erzogen und sozial verträglich. Zudem mussten die Kollegen zustimmen. "Eine Kollegin hat Angst vor großen Hunden. Sie sagte unter der Bedingung zu, dass Balou nicht in ihr Büro geht", erzählt Frericks. Insgesamt habe sich seither die Arbeitsatmosphäre positiv entwickelt, vor allem im Zwischenmenschlichen, man spreche einfach mehr miteinander. Aber die 37-Jährige stellt auch Effekte in Bezug auf Stressabbau fest. Da Balou ein ruhiger Hund sei, gingen Kollegen zu ihm, wenn sie besonders gestresst seien. "Dann streicheln sie ihn und berichten hinterher, dass es ihnen wieder besser geht."

Dieser Zusammenhang, sagt Marius Tünte, sei sogar in US-Studien belegt. Einen Hund zu streicheln, senke demnach messbar den Blutdruck und reduziere den Stress. "Von einem Hund im Büro können also Mensch und Tier gleichermaßen profitieren", sagt Tünte. "Schließlich schaffen sich viele Menschen nur aus dem Grund keinen Hund an, weil sie nicht die Zeit haben, sich auch um ihn zu kümmern." Im Büro verteilt sich das Aufpassen dagegen oft auch auf die Kollegen - und das gerne. Und wie sieht's der Chef? Frericks: "Wenn er uns trifft, begrüßt er erst Balou und dann mich. Das sagt doch alles."

(RP)