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Das Jenke-Experiment: Reporter scheitert am Thema Massentierhaltung

"Das Jenke-Experiment" : RTL-Reporter scheitert am Thema Massentierhaltung

Alkohol, Drogen, Organspende, Bodybuilding und Schwangerschaft: RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff hat im Fernsehen schon vieles ausprobiert. Nun beschäftigte er sich mit der Massentierhaltung und scheiterte. Seine Reportage ließ viele Fragen offen.

RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff ist für seine Reportagen zu umstrittenen Themen bekannt. In Selbsttests bewies er zum Beispiel wie schädlich der Kosum von Alkohol und Drogen für den menschlichen Körper ist. Sich einem Thema wie der Massentierhaltung auf diese Weise zu nähern, ist zugegebenermaßen schwierig. Aus diesem Grund verließ sich der TV-Mann dieses Mal vor allem auf die Expertise verschiedener Experten, um seinen Zuschauern die moderne Viehzucht zu erklären.

Das war keine gute Idee. Seine Reportage war zwar darum bemüht, den Zuschauern einen Überblick zu verschaffen, doch blieb sie aufgrund der Vielzahl der gewählten Schauplätze nur oberflächlich. Am Ende der Sendung hatte man als Zuschauer zwar verstanden, dass es große Misstände gibt. Leider hatte man aber nicht das Gefühl, viel Neues erfahren zu haben.

Schon der Auftakt des neuesten TV-Experiments gestaltete sich problematisch. Der RTL-Reporter mischte sich unter Demonstranten, die in Berlin gegen Massentierhaltung demonstrierten. Eine martialische Stimme aus dem Off verkündete, dass jeder Deutsche in seinem Leben 1000 Tiere verspeisen würde. "Alleine 60 Kilo Fleisch verzehrt jeder von uns im Jahr", führte der Sprecher weiter aus. Die Sendung war noch keine zwei Minuten alt und als Zuschauer hatte man schon ein schlechtes Gewissen. Keine gute Voraussetzung für ein Format, das den Anspruch hat, informieren zu wollen.

Die Kamera schwenkt auf einen Demonstranten, einen Bio-Bauern, der seit Jahren kein Fleisch mehr zu sich nimmt und Jenke von Wilmsdorff erklärt, dass das ganze System krankt. Ein aufgeregter Passant schaltet sich ein, ebenfalls ein Bauer: "Mich regt das halt alles auf", sagt er. "Was sollen wir denn anderes machen? Wir haben keine andere Wahl!" Er meinte damit die moderne Viehzucht, die weniger mit Landwirtschaft zu tun hat, als mit industrieller Massenproduktion von Fleisch. Als Zuschauer wusste man spätestens in diesem Moment, wo die Reise hingeht.

So wirkte es folgerichtig, dass Jenke sich in der übernächsten Szene mit Untergrund-Filmer Jan Peifer zusammentat — einem "Robin Hood" des Tierschutzes, der in Nacht- und Nebelaktionen in Mastbetriebe einsteigt und die unerträglichen Zustände filmt. Keine Frage, Peifers Arbeit ist wichtig, doch wäre es wünschenswert gewesen, dass auch die andere Seite des Systems einmal zu Wort kommt.

Jenke stochert im Dunkeln

Es ist nicht so, dass das RTL-Team es nicht versucht hätte. Doch haben die Reporter ernsthaft erwartet, von Mitarbeitern des sogenannten "Schweinehochhauses", einem mehrstöckigen Gebäude in dem 600 Muttertiere und über 10.000 Ferkel eingepfercht sein sollen, Antworten zu bekommen — zudem noch in Begleitung des Tierschützers, der ihren Betrieb angeschwärzt hat?

So stocherte das RTL-Team bei diesem durchaus interessanten Thema die meiste Zeit im Dunkeln. Man erfuhr zu so gut wie allen Aspekten der Massentierhaltung irgendetwas. In die Tiefe ging es nie.

So wurde zum Beispiel deutlich, dass in der Geflügelzucht massenweise Antibiotika zum Einsatz kommen und dass im Jahr 45 Millionen Hühner nur für die Mülltonne produziert werden. Doch die Frage nach massentauglichen Alternativen blieb unbeantwortet. Auch dass viele Milchbauern in Deutschland von der Insolvenz bedroht sind, wurde dem Zuschauer erläutert und dass das unter anderem irgendetwas mit dem Marktdruck von den Discountern zu tun hat. Wie der Milchpreis aber tatsächlich zu Stande kommt, blieb offen.

Und weil es bei "Das Jenke-Experiment" ja dann doch irgendwie um einen Selbsttest gehen sollte, kettete man den TV-Reporter eben in einem weißen Overall in einem Ferkeltransporter fest. Nachdem man betont hatte, wie schwierig es gewesen sei, überhaupt ein Unternehmen zu finden, dass bereit war, Jenke mitfahren zu lassen, ging es auf große Fahrt.

Um der Absurdität der ganzen Aktion die Krone aufzusetzen, ließ man den Reporter dann auch noch gestehen, dass er wisse, dass er in einem Vorzeigetransporter unterwegs sei.

Spätestens an dieser Stelle musste sich der Zuschauer dann die entscheidene Frage stellen: Was genau wollte uns Jenke mit diesem Experiment eigentlich zeigen?