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Wuhan: Ausgangssperre aufgehoben - Zehntausende verlassen Stadt

Exodus aus Wuhan : Zehntausende verlassen einstiges Corona-Epizentrum

Die Ausgangssperre ist aufgehoben, die Läden öffnen wieder. Nach mehr als 70 Tagen Isolation feiern die elf Millionen Einwohner Wuhans, dass sie sich endlich wieder freier bewegen können. Viele versuchen, die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen.

Die zweieinhalb Monate lang von der Außenwelt abgeriegelte Millionenstadt Wuhan ist wieder geöffnet. Innerhalb weniger Stunden nach Aufhebung der Ausgangssperre und des Reiseverbots verließen am Mittwochmorgen rund 65 000 Menschen die Metropole allein per Flugzeug oder Zug, wie örtliche Medien berichteten. Tausende weitere reisten in Autos oder Bussen über die wieder geöffneten Autobahnen ab.

Wuhan war komplett abgeschottet worden, nachdem sich dort das neuartige Coronavirus im Januar dramatisch ausgebreitet hatte. Erstmals seitdem durften die Einwohner und jene, die dort seither festsaßen, wieder ohne Sondergenehmigung aus der Stadt hinaus. Es gibt aber weiterhin strenge Auflagen wie etwa die Kontrolle über eine verpflichtende Smartphone-App, die die Bewegungen der Chinesen und deren Gesundheit nachverfolgt. Außerdem müssen jene, die nun von Wuhan an ihre Arbeits- oder Heimatorte reisen, dort wieder 14 Tage in Quarantäne.

Wegen des chinesischen Neujahrsfests waren viele Menschen zu Besuch bei Angehörigen in Wuhan, als die Stadt abgeriegelt wurde, und konnten dann nicht mehr hinaus.

Mit einer Lichtershow an beiden Ufern des Jangtsekiang feierten die Bewohner in der Nacht zum Mittwoch das Ende ihrer Isolation. Hochhäuser und Brücken wurden mit Bildern von Ärzten und Pflegern beleuchtet, die sich um Patienten kümmerten. „Heldenhafte Stadt“, war auf einem der Bilder zu lesen, ein Titel, den der chinesische Präsident Xi Jinping Wuhan verliehen hatte. Am Ufer schwenkten Bürger chinesische Flaggen und riefen „Wuhan, los geht's“. Einige sagen die chinesische Nationalhymne.

„Ich bin seit 70 Tagen nicht mehr draußen gewesen“, sagte der sichtlich bewegte Tong Zhengkun, als er sich von einer Brücke aus die Show anschaute. Weil in seinem Wohnblock jemand an Covid-19 erkrankte, hätten dort noch strengere Regeln gegolten als generell in Wuhan. Sein Haus sei komplett abgeriegelt worden. Sogar Lebensmittel hätten ihm geliefert werden müssen. „So lange drinnen zu sein, hat mich wahnsinnig gemacht.“

Der Verkehr floss innerhalb kurzer Zeit beinahe wie früher über die wieder geöffneten Brücken und durch Tunnel. Zwischen Mitternacht und sieben Uhr morgens passierten fast 1000 Fahrzeuge eine Mautstelle am Stadtrand, wie der örtliche Polizeichef sagte.

Die strenge Abschottung der Stadt, in der mehr als 3300 Covid-19-Patienten gestorben waren, wurde in den vergangenen Wochen schrittweise gelockert und nun aufgehoben, weil dort die Ausbreitung von Sars-CoV-2 nach offizieller Darstellung unter Kontrolle ist. Am Mittwoch wurde keine Neuinfektion aus Wuhan gemeldet. Anderswo in China gab es seit Dienstag 62 Neuinfektionen, 59 davon bei Personen, die aus dem Ausland eingereist waren, sowie zwei Todesfälle, wie die Nationale Gesundheitskommission mitteilte.

In Wuhan war nur erlaubt, zum Einkaufen oder für andere notwendige Erledigungen aus dem Haus zu gehen - und in Fällen wie dem von Tong Zhengkun nicht einmal das. Die Stadt zu verlassen, war nur mit Sondergenehmigung möglich, inklusive ärztlichem Attest und genauen Gründen für die Reise.

Die komplette Abriegelung Wuhans und anderer Millionenstädte in der umliegenden Provinz Hubei wurde Ende Januar noch von vielen im Ausland als extrem drastischer Schritt wahrgenommen. Doch er zeigte Wirkung, auch wenn es einige Zweifel daran gibt, wie akkurat die offizielle Zählung der Infizierten in China ist. Je mehr sich das Virus weltweit ausbreitete, desto mehr andere Städte und Länder weltweit zogen mit ähnlich restriktiven Maßnahmen nach. Im Rest von Hubei wurden die meisten Beschränkungen vor rund drei Wochen aufgehoben.

Das kommunistische Parteiorgan „Renmin Ribao“ warnte in einem Meinungsbeitrag davor, zu früh zu feiern. „Die Leute haben sich auf diesen Tag gefreut und es ist richtig, sich zu freuen. Dieser Tag stellt aber nicht unseren endgültigen Sieg dar.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sieht es nach der Aufhebung der Ausgangssperre in Wuhan aus

(ala/dpa)