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Wie TV-Sender in Corona-Zeiten arbeiten

Bloß nicht schminken lassen : Wie TV-Sender in Corona-Zeiten arbeiten

Auch in den TV-Sendern in Deutschland herrscht wegen der Corona-Krise derzeit Ausnahmezustand. Wie arbeiten die Fernsehredaktionen und welche Regeln müssen die Moderatoren beachten?

Schminken vor der Sendung ist für TV-Moderatoren ein gewohntes Ritual. Doch zurzeit läuft einiges anders - klar: wegen des Coronavirus. Sie müssen zum Teil selbst zu Pinsel und Puder greifen. Was derzeit in den TV-Studios sonst noch anders ist, ergab eine dpa-Umfrage:

  • Schminke: Beim Norddeutschen Rundfunk sollen sich Moderatoren und Gäste selber schminken - die Maskenbildner halten zwei Meter Sicherheitsabstand. Auf persönlichen Wunsch geht es auch so: Die Maskenbildner tragen beim Schminken Einmal-Handschuhe und Atemschutzmasken, Gespräche und Telefonate sind währenddessen tabu. „Für alle Moderatoren und Sprecher werden eigene Utensilien bereitgehalten“, heißt es. Beim ZDF schminken sich die Moderatorinnen und Moderatoren unter Anleitung der Maske selbst. Bei Chefmoderator der RTL-Nachrichtensendung „RTL aktuell“, Peter Kloeppel, läuft es so ab: „Die Maskenbildnerinnen tragen Mundschutz und Handschuhe, ich selber kann das verständlicherweise nicht, wenn mir das Gesicht gepudert wird. Alles in der Maske wird regelmäßig desinfiziert.“ Bei Sat.1 gibt es diese Regelung auch derzeit.
  • Wasserglas und Studioräume: RTL-Moderator Kloeppel, der zurzeit nicht mehr mit der Bahn, sondern mit dem Auto zur Arbeit fährt, muss hierauf verzichten: „Das übliche Glas Wasser unterm Moderationstisch ist leider dem Virus zum Opfer gefallen.“ Möbel und technische Geräte werden im Studio desinfiziert. „Das Personal im Studio wurde natürlich reduziert, die wenigen verbliebenen Kollegen vor Ort (Operator, Ton, Aufnahmeleiter) tragen Masken.“ Bei Sat.1 sind die Kameraeinstellungen angepasst, um den Sicherheitsabstand zu wahren. „Persönliche Begrüßungen fallen weg, und die Aufnahmeleiter werden quasi zu Türstehern, die streng darauf achten, dass niemand ins Studio kommt, der nicht dringend dort gebraucht wird.“
  • Mikros: Beim ZDF legen sich die Moderatoren zuvor desinfizierte Ansteckmikrofone selbst an. Auch bei Sat.1 ist das so. Moderator Daniel Boschmann („Frühstücksfernsehen“) sagt: „Im Studio verkabeln (Mikro/In-Ear) wir uns jetzt unter dem strengen Blick des Ton-Kollegen höchstselbst.“
  • Kleidung: Bei Sat.1 bereiten Styling-Experten die Outfits vor, halten aber Abstand. Moderator Matthias Killing („Frühstücksfernsehen“) betont: „Klamotten werden hingehängt und nach dem Tragen direkt gewaschen.“ Bei RTL-Moderator Kloeppel hat sich nichts geändert - er bringt die Anzüge mit.
  • Trennwände und Teams: Ausgedünnte Redaktionsstrukturen, getrennte Teams, Homeoffice - wie in vielen anderen Medienhäusern ist das momentan auch bei den TV-Sendern so. Der Erste Chefredakteur „ARD-aktuell“, Marcus Bornheim, sagt: „Unsere Homepage, unsere Social-Kanäle und unsere Themenplanung kann man gut im mobilen Arbeiten machen. Schwierig ist das klassisch lineare Fernsehen. Dafür braucht man immer eine Mannschaft im Newsroom und eine Sprecherin und Sprecher vor der Kamera.“ Bei den „Tagesthemen“ laufe es so ab: „Viele Redakteursaufgaben werden zu Hause erledigt, zwei Chefs vom Dienst sind zur Sendeabwicklung hier und die Moderatorinnen und Moderatoren halten sich getrennt von der Redaktion auf.“ Beim ZDF wurden für die Arbeit der Studio-Besetzung Plexiglas-Trennwände installiert, Arbeitsplätze werden bei Schichtwechsel desinfiziert.

(mja/dpa)