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Wie in Kanada: Protest-Konvois gegen Corona-Auflagen nähern sich Paris

Nach kanadischem Vorbild : Protest-Konvois gegen Corona-Auflagen nähern sich Paris

Online-Gruppen haben zu Protesten mit Auto-Konvois in Paris aufgerufen, ihr Vorbild ist eine solche Aktion in Kanada. Die Behörden wollen das verhindern und haben eine Einfahrt nach Paris verboten. Es drohen hohe Strafen.

In Frankreich haben sich Autofahrer in Konvois am Freitag Paris genähert, um gegen die Beschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu protestieren. Mit Tausenden Polizisten im Einsatz und Kontrollen an den Mautstationen wollten die Behörden verhindern, dass die als "Freiheitskonvois" getaufte Protestfahrt aus mehreren Städten bis in die Hauptstadt hineingelangt. Vorbild sind die zahlreichen Lkw-Fahrer, die seit über zwei Wochen das Zentrum der kanadischen Hauptstadt Ottawa blockieren und gegen Impfbestimmungen protestieren. Zugleich sind die Konvois zwei Monate vor der Präsidentenwahl in Frankreich ein Sammelbecken für Kritiker der Regierung und des Präsidenten Emmanuel Macron: Gegner der Corona-Auflagen, aber auch Reste der Gelbwesten-Bewegung von 2018/1019 und Rechtsextreme.

Die Präfektur von Paris hat den Konvois eine Zufahrt vom 11. bis 14. Februar verboten, um die öffentliche Ordnung nicht zu gefährden. Wer dagegen verstößt, riskiert nach Behördenangaben zwei Jahre Haft, eine Geldstrafe über 4500 Euro und den Entzug des Führerscheins. Dennoch waren die ersten Fahrer bereits am Mittwoch in Südfrankreich gestartet, um sich am Wochenende in Paris zu treffen. "Seit drei Jahren drehen wir uns im Kreis", sagte der Rentner Jean-Marie Azais, der aus dem Südwesten nach Paris reiste. "Wir haben die Kanadier gesehen und uns gesagt: 'Das ist toll, was die da machen.' In nur acht Tagen, boom, wurde da etwas gezündet."

Der Protest der Autofahrer folgt Wellen von Demonstrationen gegen Corona-Regeln, denen zufolge die Menschen einen Impfnachweis vorlegen müssen, wenn sie Bars, Restaurants und Kinos besuchen wollen. Während sich in Kanada Lkw-Fahrer konkret gegen Impfbestimmungen beim Übertritt der Grenze mit den USA empören, sind es in Frankreich Menschen aus allen möglichen Gruppen und Branchen, die ihrem Unmut über die Corona-Bestimmungen Luft machen. So startete am Donnerstag in Toulouse ein Konvoi aus Lieferwagen, Wohnmobilen und Pkw. Die Konvois wurden im Laufe des Freitags vor den Toren von Paris erwartet. Wie viele es sind, war unklar. Die Innenstadt von Le Mans, wo sich die Demonstrierenden am Freitag hatten treffen wollen, war menschenleer.

Die Polizei rüstete sich derweil. Sie will unter anderem Motorradstreifen einsetzen und schweres Gerät bereithalten, um gegebenenfalls von Demonstranten errichtete Straßensperren rasch zu räumen.

Vor einigen Jahren hatten die Proteste der Gelbwesten Macrons seit 2017 dauernde Präsidentschaft über Monate schwer erschüttert. Nun könnten die Wählerinnen und Wähler ihm einen Denkzettel verpassen, wenn sie am 10. April und aller Wahrscheinlichkeit nach im zweiten Wahlgang am 24. April über das Staatsoberhaupt abstimmen. Jüngsten Umfragen zufolge würde Macron - der seine Kandidatur allerdings noch nicht offiziell erklärt hat - zusammen mit Marine Le Pen, der Chefin der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National, in die Stichwahl kommen. Die dürfte Amtsinhaber Macron von der liberalen Partei La République en Marche dann mit gut 50 Prozent gewinnen.

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Bei vielen Franzosen sitzt die Wut über hohe Lebenshaltungskosten und eine Elite, die ihrer Ansicht nach die Nöte der kleinen Leute nicht wahrnimmt, seit Jahren tief. Erschwert wird ihnen das Leben durch gestiegene Energiepreise und eine in die Höhe geschossene Inflation. Nun richtet sich der Zorn auch noch gegen die Corona-Bestimmungen. Dass die Regierung just am Freitag die Pflicht zum Tragen von Masken in Innenräumen lockerte, dürfte die Gemüter kaum beruhigen.

(mabu/Reuters/dpa)