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Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, sich im eigenen Haushalt anzustecken?

Sorge vor Weihnachten : US-Studie untersucht das Infektionsrisiko Familie

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, sich im eigenen Haushalt anzustecken? Diese Frage treibt vor den Festtagen viele Menschen um. US-Forscher haben dazu 54 Studien aus aller Welt ausgewertet.

Immer wieder steht die Frage im Raum, warum sich seit geraumer Zeit trotz Kontaktbeschränkungen und geschlossener Gastronomie so viele Menschen mit Sars-CoV-2 infizieren. Eine mögliche Antwort darauf geben nun US-Wissenschaftler. Sie haben in einer sogenannten Meta-Analyse untersucht, wie hoch das Risiko ist, sich im Haushalt bei einem Infizierten anzustecken. Dazu werteten die Forscher der University of Florida Daten aus 54 Studien aus aller Welt mit insgesamt 77.000 Teilnehmern aus. Ihr Ergebnis: Die Gefahr einer Übertragung liegt statistisch gesehen im Mittel bei 16,6 Prozent und damit höher als bei den Lungenkrankheiten Sars oder Mers. „Haushalte sind günstige Umgebungen für eine Übertragung“, bilanzieren die Wissenschaftler.

 Das ist zwar keine neue Erkenntnis, fußte aber bislang eher auf vagen Einschätzungen, die sich zudem stark veränderten. War man in den ersten Monaten der Pandemie noch davon ausgegangen, dass im Falle eines infizierten Familienmitglieds eine Ansteckung im Haushalt fast unvermeidlich sei, weckten anderslautende Berichte bald Zweifel. So ist es keinesfalls ausgemacht, dass die räumliche Nähe daheim zwangsläufig dazu führen muss, dass sich Angehörige infizieren. Die bisherigen Angaben schwankten zwischen 20 und 50 Prozent für das Infektionsrisiko. Das Team um Zachary Madewell und Natalie Dean hat mit seiner auf dem Portal Jama Network Open veröffentlichten Arbeit die Wahrscheinlichkeit nun anhand einer soliden Datenbasis berechnet und gleich verschiedene Ursachen ausgemacht.

 Wesentlich für die Ansteckung in den vier Wänden sind laut der Autoren die „3C“-Faktoren – closed spaces, crowd sowie close contact with conversation. Heißt frei übersetzt: Riskant sind geschlossene Räume, in denen sich viele Menschen aufhalten und engen Kontakt haben, sich etwa unterhalten. Erschwerend hinzu komme, dass in der privaten Umgebung meist auf schützende Masken verzichtet werde. Das geschilderte Szenario passt genau auf die familiäre Situation an den bevorstehenden Feiertagen, an denen man stundenlang zusammensitzt, plaudert und vielleicht auch gemeinsam singt. Auf einen Mund-Nasen-Schutz wird dabei wohl eher verzichtet – mit möglicherweise gravierenden Folgen.

 Die Wissenschaftler haben sich auch angesehen, welche Familienmitglieder dem höchsten Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Betroffen sind vor allem Ehepartner beziehungsweise Erwachsene, die Ansteckungsrate liegt bei ihnen höher als bei Kindern. Haushalte mit nur einer weiteren Person weisen denn auch eine höhere Infektionsrate auf als Haushalte mit drei oder mehr Personen. Dies führen die Autoren darauf zurück, dass Partner eben enger miteinander interagieren, meist ein Bett teilen und auch mal lautstark diskutieren – dabei werden viele Aerosole freigesetzt. Entscheidender für das Infektionsrisiko sei, wie viele Menschen sich gemeinsam in einem Raum aufhalten, als aus wie vielen Personen der Haushalt besteht.

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 Die Auswertung der Studie hat zudem ergeben, dass Kinder wie schon bereits in vielen anderen Untersuchungen vermutet, bei der Übertragung im Haushalt keine entscheidende Rolle spielen. In den meisten ausgewerteten Studien lag die Ansteckungsrate bei Kindern und Jugendlichen deutlich unter der von Erwachsenen, die einen engeren Kontakt untereinander pflegen. Covid-Erkrankungen bei Kindern verlaufen aber oft unbemerkt, was eine Bewertung erschwere. Die Analyse der US-Forscher führt aber auch anderen Beispiele an: So wurde in einer Studie in Südkorea mit 10.592 Haushaltskontakten eine relativ hohe Übertragung von Indexfällen im Alter von 10 bis 19 Jahren festgestellt. Obwohl Kinder ein geringeres Risiko für symptomatische Erkrankungen zu haben scheinen, sei immer noch unklar, ob sie ähnlich wie Erwachsene Viren abgeben.

 Eine weitere Erkenntnis der Datenanalyse: Je ausgeprägter die Symptomatik der Erkrankten, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass sie andere Familienmitglieder infizierten. Die Forscher bezeichnen es als bemerkenswert, dass bei asymptomatischen Verläufen kaum Übertragungen registriert wurden. Dieser Zusammenhang zwischen Ausprägung der Symptomatik und dem Weitergeben der Infektion wird schon länger diskutiert. Zudem zeigte sich, dass der Zeitpunkt der höchsten Infektiösität meist mit dem Symptombeginn zusammenfällt, Ansteckungen aber schon zwei Tage zuvor auftreten.

 Haushalte werden ein wesentlicher Übertragungsort bleiben, selbst wenn die Infektionszahlen insgesamt runtergehen, bilanzieren die US-Wissenschaftler am Ende. Sie empfehlen, auch in den eigenen vier Wänden vermehrt auf Präventionsstrategien zu setzen – Masken zu tragen, vernünftig zu lüften und sich im Symptomfall freiwillig von der Familie zu isolieren. Wie sich das Weihnachtsfest auf die Infektionszahlen auswirkt, wird wesentlich davon abhängen, ob die Menschen sich an diese Empfehlungen halten.