Drei Jahre nach Beginn WHO stuft Corona-Pandemie weiter als globalen Notfall ein

Genf · Vor drei Jahren hatte WHO-Generaldirektor Tedros den internationalen Gesundheitsnotstand wegen des neuartigen Coronavirus ausgerufen. Wie die Organisation die Pandemie jetzt einstuft und wovor das Rote Kreuz jetzt warnt.

 Eine Krankenschwester betreut auf der Intensivstation des Krankenhauses Düren einen Covidpatienten (Archivfoto).

Eine Krankenschwester betreut auf der Intensivstation des Krankenhauses Düren einen Covidpatienten (Archivfoto).

Foto: dpa/Thomas Banneyer

Rund drei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie hält die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die höchste Warnstufe weiter aufrecht. Auf Rat seiner Experten habe WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus die Pandemie weiter als „Notlage von internationaler Tragweite“ eingestuft, teilte die WHO am Montag mit. Auf den Tag genau vor drei Jahren hatte sie zum ersten Mal wegen des neuartigen Coronavirus den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Seitdem tagten die unabhängigen Experten des Notfallkomitees 14 Mal, zuletzt am vergangenen Freitag. Sie kamen der Erklärung zufolge zu dem Schluss, dass sich die Pandemie „wahrscheinlich in einer Übergangsphase befindet“. Tedros begrüßte demnach ausdrücklich ihren Rat, in dieser Phase „mit Umsicht zu agieren und mögliche negative Folgen abzumildern“.

Bereits in der vergangenen Woche hatte WHO-Chef Tedros angedeutet, dass er angesichts von über 170.000 Covid-Todesfällen allein in den vergangenen beiden Monaten eine Aufhebung des Gesundheitsnotstands für verfrüht hält. „Obwohl ich der Empfehlung des Notfallkomitees nicht vorgreifen will, bin ich nach wie vor sehr besorgt über die Situation in vielen Ländern und die steigende Zahl der Todesfälle“, sagte er.

Zwar sei die Lage eindeutig besser als vor drei Jahren. Doch seien nach wie vor zu wenige Menschen ausreichend geimpft, gebe es nach wie vor zu wenige Medikamente für Erkrankte, sagte Tedros. Viele Gesundheitssysteme hätten immer noch Mühe, die zusätzliche Belastung durch Covid-Patienten zu bewältigen, während die Überwachung neuer Virus-Varianten stark zurückgegangen sei.

Solange nicht mehr getan werde, um den Menschen, die sie benötigen, die richtigen „Werkzeuge“ zur Verfügung zu stellen, „wird das Virus weiter töten“, warnte der WHO-Generaldirektor.

Am 30. Januar 2020 hatte die WHO wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus aus China den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Damals waren außerhalb der Volksrepublik weniger als hundert Infektionsfälle und noch kein Todesfall gemeldet worden.

Obwohl der Alarm eigentlich zu einer globalen Reaktion hätte führen müssen, wurde vielen Länder die tödliche Gefahr erst richtig bewusst, als Tedros im März erstmals von einer Pandemie sprach. Seitdem wurden der WHO weltweit mehr als 6,8 Millionen Todesfälle gemeldet - und die wahre Opferzahl dürfte nach ihren Angaben vermutlich deutlich höher liegen.

Welt ist auf nächste Pandemie nicht vorbereitet

Die Welt ist aus Sicht des Roten Kreuzes auch drei Jahre nach Ausbruch des Coronavirus noch nicht ausreichend für mögliche künftige Pandemien gerüstet. „Eine nächste Pandemie könnte schon bald bevorstehen“, warnte der Generalsekretär der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC), Jagan Chapagain, am Montag in Genf. „Wenn die Erfahrungen mit Covid-19 nicht unsere Vorbereitungen beschleunigen, was dann?“, fragte er.

Laut aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind mindestens 6,8 Millionen Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Das Rote Kreuz wies in seinem globalen Katastrophen-Bericht darauf hin, dass die Pandemie den größten Todesschub seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst habe.

Die Zahl der jährlichen Krankheitsausbrüche hat sich laut dem Bericht zwischen den frühen 1980er Jahren und den späten 2000ern verdreifacht. Das habe mit steigender Bevölkerungsdichte, zunehmendem Flugverkehr und dem Heranrücken von menschlichen Siedlungen an natürliche Lebensräume zu tun, hieß es.

Um für künftige Pandemien gewappnet zu sein, müsse das Vertrauen der Bevölkerung in Impfungen und Gesundheitsmaßnahmen ausgebaut werden, forderte Chapagain. Die faire globale Verteilung von Impfstoffen und Medizin sowie lokale Gesundheitsmaßnahmen auf Gemeindeebene seien ebenso wichtig.

Abgesehen von Corona zählte das Rote Kreuz 433 Katastrophenfälle im Jahr 2020 mit etwa 15 400 Toten und 529 Katastrophen im Jahr 2021 mit 14 600 Toten. In beiden Jahren standen jeweils mehr als 300 Ereignisse im Zusammenhang mit Klima und Wetter, wie es hieß.

(mzu/AFP/dpa)
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