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WHO rechnet mit Corona-Impfstoff in elf bis 17 Monaten

Gerechte globale Verteilung : WHO rechnet mit Corona-Impfstoff in elf bis 17 Monaten

Ein „sicherer und effektiver“ Impfstoff gegen das Coronavirus wird nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO in elf bis 17 Monaten gefunden sein. Ein Medikament zur Behandlung von Covid-19 werde es aller Voraussicht nach bereits früher geben.

Schon zuvor werde man über ein Medikament zur Behandlung von Covid-19 verfügen, "womit wir auch die hohe Sterblichkeitsrate reduzieren können", sagte die WHO-Direktorin für öffentliche Gesundheit, Maria Neira, im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Ihre Organisation werde für eine gerechte globale Verteilung des Impfstoffs sorgen, versicherte Neira. "Reiche Länder werden für den Impfstoff bezahlen müssen. Für arme Länder, die das nicht können, richten wir aber Mechanismen und Subventionen ein, damit alle Zugang haben."

Für den gemeinsamen Kampf gegen das Virus habe die WHO zusammen mit der EU, weiteren Staaten und Organisationen wie der Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung das Projekt "ACT Accelerator" mit einem Budget von 7,5 Milliarden Euro ins Leben gerufen. Allerdings habe es gerade zu Beginn der Krise teilweise an der notwenigen internationalen Solidarität gemangelt. "Internationale Kooperation und Koordination hätten gerade innerhalb der EU zu mehr Effektivität bei der Anschaffung von Material führen sowie hohe Preise, Betrug und den Einkauf von defektem Material verhindern können."

Dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern relativ wenige Opfer zu beklagen habe, liege an der hohen Zahl an Intensivstationsplätzen und dem rigorosen Befolgen von Experten-Ratschlägen durch Politik und Bevölkerung. Zudem habe die deutsche Regierung "schnell und koordiniert reagiert", lobte Neira. Natürlich habe man in Deutschland aber auch mehr Zeit gehabt als etwa in Italien, um Maßnahmen zu ergreifen."

In Afrika seien die Folgen der Pandemie möglicherweise wegen der sehr jungen Bevölkerung, einer geringeren Bevölkerungsdichte oder klimatischen Bedingungen bislang noch nicht so hoch gewesen, erläuterte die WHO-Expertin. "Dennoch dürften gerade in Afrika die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und der Ausgangssperren verheerend sein. Wir müssen von Ernährungsproblemen und einer deutlichen Zunahme von Armut ausgehen."

In Lateinamerika seien große regionale Unterschiede auszumachen. "So ist Perus schwaches Gesundheitssystem überfordert. In Brasilien fehlt eine politische Strategie auf Landesebene, die die gesundheitlichen wie wirtschaftlichen Folgen eindämmen könnte", so Neira. "Vor allem in Lateinamerika wird mit der Corona-Krise die Kluft zwischen Arm und Reich weiter auseinandergehen."

(anst/kna)