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Weihnachten trotz Corona - so machen es Spanien, Österreich, Niederlande

Von Knuffelcontacten bis zur „Christmas Bubble“ : Weihnachten und Corona – diese Regeln gelten in anderen Ländern in Europa

Dieses Jahr wird Weihnachten anders als sonst – da sind sich alle einig. Aber nicht nur die Deutschen ringen um ihr Corona-Konzept für die Festtage. Wir zeigen, wie andere Länder in der Pandemie mit Weihnachten umgehen: von Knuffelcontacten bis zur „Christmas Bubble“.

Österreich

Einwohner: 9 Millionen
Neuinfektionen pro Tag (Stand 3. Dezember): 3660

Auch nach dem Ende des knapp dreiwöchigen Lockdowns herrschen in der Alpenrepublik verhältnismäßig strikte Corona-Regeln. So können zwar viele Schulen, Geschäfte und Museen ab Montag wieder öffnen. Ihr Zuhause dürfen die Österreicher aber zwischen 20 Uhr und 6 Uhr nur aus wichtigem Grund verlassen. Tagsüber sind Treffen mit Menschen aus maximal einem weiteren Haushalt erlaubt – und mehr als sechs Erwachsene dürfen nicht zusammenkommen.

Für die Weihnachtstage und Silvester wird es allerdings Ausnahmeregeln geben. Dann dürfen sich jeweils insgesamt zehn Menschen treffen, egal aus wie vielen Haushalten sie stammen. Auch die nächtliche Ausgangssperre gilt dann nicht, so dass man auch nach 20 Uhr feiern kann.

Gleichzeitig sichert sich Österreich über Weihnachten und Neujahr strikt gegen eine Einschleppung des Coronavirus durch Touristen ab. Wer aus einem Risikogebiet kommt – und als solches gilt auch Deutschland – muss nach der Einreise für zehn Tage in Quarantäne. Ein Kurzurlaub in Österreich wäre allerdings ohnehin kein Spaß, denn Hotels (für touristische Übernachtungen) und Restaurants sind auch über die Weihnachtstage geschlossen.

Vereinigtes Königreich

Einwohner: 67 Millionen
Neuinfektionen pro Tag: 16.000

Ähnlich wie in Deutschland soll es auch in Großbritannien Lockerungen der Corona-Regeln für die Feiertage geben. Jeweils bis zu drei Haushalten wird es dann erlaubt sein, eine „Christmas Bubble“ (deutsch: „Weihnachtsblase“) zu bilden und sich miteinander zu treffen. Das gilt nicht nur für England, sondern auch für Schottland, Wales und Nordirland, die normalerweise ihre eigenen Corona-Beschränkungen erlassen. Vom 23. bis zum 27. Dezember sollen auch die Reiseregeln zwischen den Regionen gelockert werden.

Auf Liebkosungen indes sollen die Briten zu Weihnachten lieber verzichten, sagte kürzlich der medizinische Berater der britischen Regierung, Chris Whitty. „Es ist nicht verboten“ - aber das heiße nicht, dass man es tun sollte. Vor allem die Senioren müssten vor Ansteckungen mit dem Coronavirus geschützt werden.

Das gilt natürlich auch für das britische Königspaar. So werden Königin Elizabeth II. (94) und ihr Mann Prinz Philip (99) die Weihnachtstage nicht wie gewohnt im ostenglischen Sandringham verbringen, sondern in Windsor - zum ersten Mal seit 32 Jahren. Normalerweise reist die Queen über Weihnachten und Neujahr für mehrere Wochen per Zug auf ihren Landsitz. Zu den Traditionen gehört auch ein Treffen mit ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln an Heiligabend mit Bescherung. Ob das dieses Jahr funktioniert, ist ungewiss.

Niederlande

Einwohner: 17 Millionen
Neuinfektionen pro Tag: 4900

Wichtiger als das eigentliche Weihnachtsfest ist den Niederländern Sinterklaas – am Abend des 5. Dezember werden im ganzen Land Geschenke ausgetauscht, nicht nur Kinder fiebern diesem Tag entgegen. Doch die Infektionszahlen haben sich in den Niederlanden auf einem hohen Niveau eingependelt, das mit dem in Deutschland vergleichbar ist - täglich gibt es in dem 17-Millionen-Einwohner-Land etwa 5000 neue Fälle. Kostenpflichtiger Inhalt Entsprechend fällt Sinterklaas in diesem Jahr kleiner aus. Öffentliche Sinterklaas-Veranstaltungen sind nicht gestattet, zu Hause dürfen höchstens drei Gäste eingeladen werden.

Die Hoffnung vieler Niederländer richtet sich jetzt auf das eigentliche Weihnachtsfest, das normalerweise im Schatten von Sinterklaas steht. Ob die Regeln bis dahin gelockert werden, ist aber noch unklar. Am 8. Dezember wird eine Ansprache von Premier Mark Rutte dazu erwartet.

Belgien

Einwohner: 11,5 Millionen
Neuinfektionen pro Tag: 3000 (1.12.)

Das kleine Belgien mit seinen 11,5 Millionen Einwohnern hatte zeitweise pro Kopf die höchsten Corona-Fallzahlen in Europa und verhängte deshalb Anfang November scharfe Auflagen. Inzwischen sinken Infektions-, Klinikbelegungs- und Todeszahlen wieder; nach gut vierwöchiger Zwangspause durften die Geschäfte Anfang Dezember wieder öffnen. Dabei müssen sie allerdings strikte Hygienevorgaben erfüllen. Die meisten Einschränkungen bleiben in Belgien bestehen. Restaurants, Kneipen und Cafés bleiben geschlossen, ebenso Friseure und andere Geschäfte mit Körperkontakt.

Auch über Weihnachten sollen strenge Kontaktbeschränkungen gelten: Haushalte dürfen nur eine weitere Person einladen. Nur Alleinstehende dürfen an den Feiertagen zwei Freunde oder Verwandte gleichzeitig empfangen - die sogenannten Knuffelcontacte.

Wer sich nicht an diese Regeln hält, zahlt mindestens 250 Euro Strafe. Ob es Kontrollen der Polizei in Privatwohnungen gibt, ist allerdings noch unklar..  

Wegen der im Nachbarland Deutschland geplanten Lockerungen über Weihnachten regte sich in Belgien zuletzt Kritik. „Wenn es etwas gibt, was das Virus mag, dann sind das Feste, vor allem mit wechselnden Teilnehmern, das müssen wir unbedingt vermeiden“, sagte Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke. „Deshalb finde ich, dass unsere Nachbarländer nicht das tun, was angebracht wäre.“

Frankreich

Einwohner: 67 Millionen
Neuinfektionen pro Tag: 14.000

Ähnlich wie in Deutschland wird es auch bei den Franzosen über Weihnachten Lockerungen der Corona-Regeln geben, die Premierminister Jean Castex am Donnerstag bekanntgab. So gilt in Frankreich eigentlich eine Ausgangssperre von 21 Uhr bis 6 Uhr morgens – diese wird aber am Heiligen Abend sowie in der Silvesternacht ausgesetzt, damit Familien und Freunde miteinander feiern können. Zusammenkommen dürfen dann maximal sechs Personen, wobei Kinder nicht mitgezählt werden.

„Die Verbreitung des Virus geht von Woche zu Woche zurück“, sagte Castex, ergänzte aber: Man dürfe nicht riskieren, dass die Zahlen über die Feiertage wieder steigen.

Italien

Einwohner: 60 Millionen

Neuinfektionen pro Tag: 23.200 (4.12.)

Italien schränkt im Kampf gegen das Virus die Bewegungsfreiheit über Weihnachten bis ins neue Jahr stark ein. Mit den verschärften Reisesperren bis 6. Januar will Rom einen Wiederanstieg der Infektionszahlen verhindern. 60 Millionen Italiener sollen davon abgehalten werden, in großer Zahl in den Weihnachtsurlaub aufzubrechen oder entfernte Verwandte zu besuchen.

Konkret beschloss das Kabinett, vom 21. Dezember an das Reisen zwischen den einzelnen italienischen Regionen zu verbieten. Die Menschen dürfen dann auch nicht in ihre Ferienwohnungen an der Küste oder in den Bergen. Die Sperre gilt bis 6. Januar. Ausnahmen sind für die Arbeit, aus gesundheitlichen Gründen und in anderen Notlagen möglich. Die Rückkehr an den Hauptwohnort bleibt erlaubt.

Über Weihnachten und Neujahr zieht Rom die Zügel dann noch fester an: Am 25. und 26. Dezember sowie am 1. Januar sollen die Menschen in ihren Städten und Gemeinden bleiben. Auch hier gibt es Ausnahmen für die Arbeit oder Notlagen. Die italienische Regierung hat überdies beschlossen, dass Gottesdienste und Christvespern am 24. Dezember um 20.30 Uhr beendet werden müssten, damit die Ausgangssperre ab 22.00 Uhr eingehalten werden kann.

Schweiz

Einwohner: 8,6 Millionen
Neuinfektionen pro Tag: 4500

Bislang sind in der Schweiz kantonsübergreifend Treffen von mehr als zehn Personen „im Freundes- und Familienkreis“ verboten, Veranstaltungen und Ansammlungen im öffentlichen Raum ohnehin. Für die Festtage versucht es das Bundesamt für Gesundheit mit Empfehlungen, um das Infektionsrisiko zu senken: So solle man Gäste mit Abstand begrüßen, auf Umarmungen verzichten und lieber keine Weihnachtslieder singen („Hören Sie besser Weihnachtslieder auf Ihrer Musikanlage“). Alle ein bis zwei Stunden solle man die Räume lüften.

Mit welchen offiziellen Maßnahmen die Schweizer in die Weihnachtstage gehen, ist noch unklar. Diskutiert wird noch eine Verschärfung der Regeln für private Treffen und Restaurant-Besuche im Dezember, die dann ab Heiligabend wieder gelockert werden. Eine Entscheidung wird für diesen Freitag erwartet.

Dänemark

Einwohner: 6 Millionen
Neuinfektionen pro Tag: 1600

Noch ist nicht entschieden, mit welchen Regeln Deutschlands nördliches Nachbarland in die Weihnachtstage geht. Die bisherige Kontaktsperre, wonach sich nicht mehr als zehn Personen in der Öffentlichkeit versammeln dürfen, gilt noch bis zum 13. Dezember. Für Privaträume gibt es kein Verbot größerer Treffen, die Regierung empfiehlt aber, sich auch hier an die Zehn-Personen-Regel zu halten. Gottesdienste sind momentan – je nach Platzverhältnissen - bis zu einer Teilnehmerzahl von 500 erlaubt. Schärfere Regeln gelten bereits im Großraum Kopenhagen, wo es besonders viele Corona-Neuinfektionen gibt.

Für Deutsche ist die Frage nach Weihnachtstagen in Dänemark allerdings ohnehin nur von theoretischem Interesse: Deutschland ist – mit Ausnahme von Schleswig-Holstein – als Corona-Hochrisikoland eingestuft. Deutsche, die ohne triftigen Grund (etwa ein berufliches Treffen) nach Dänemark kommen, werden an der Grenze abgewiesen. „Ein paar Tage schön Winterurlaub machen“ gilt leider nicht als triftiger Grund.

Schweden

Einwohner: 10 Millionen
Neuinfektionen pro Tag: 5000

Der schwedische Sonderweg im Umgang mit dem Coronavirus – er ist vorbei. Seit die Infektionszahlen stark ansteigen, zieht auch das ansonsten recht freizügige Schweden die Daumenschrauben an. Ab Montag werden die Schul-Oberstufen des Landes geschlossen, voraussichtlich bis Anfang Januar.  Seit Ende November dürfen sich zudem nur noch maximal acht Menschen in der Öffentlichkeit versammeln. Gelten soll diese neue Anordnung bis unmittelbar vor Weihnachten. Ob es über die Feiertage Lockerungen geben wird, ist noch unklar.

Die traditionellen Weihnachtsfeierlichkeiten im Stockholmer Freilichtmuseum Skansen fallen jedenfalls sicher aus – die berühmte Einrichtung im Stadtteil Djurgarden hat wegen Corona über den Winter geschlossen, zum ersten Mal in ihrer 129-jährigen Geschichte.

Spanien

Einwohner: 47 Millionen
Neuinfektionen pro Tag: 5000

In Spanien werden die Corona-Einschränkungen für die Feiertage noch einmal verschärft. Zwischen dem 23. Dezember und dem 6. Januar werden die 47 Millionen Bürger des Landes ihre jeweilige Wohnregion nur in Ausnahmefällen verlassen dürfen. Erlaubt ist es allerdings, während der Abriegelungen die regionalen Grenzen für Treffen im engsten Familien- oder Freundeskreis zu überqueren. Daneben gelten Ausnahmen etwa für die Fahrt zur Arbeit oder zum Arzt.

Gleichzeitig gibt es aber für Weihnachten auch Lockerungen bestehender Regeln. So wird die maximal erlaubte Teilnehmerzahl von Treffen am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar von sechs auf zehn erhöht, inklusive Kinder. Heiligabend und Silvester wird der Beginn der praktisch im ganzen Land geltenden nächtlichen Ausgangssperre auf 1.30 Uhr verschoben.

Im Rahmen des seit Ende Oktober und bis zum 9. Mai geltenden Corona-Notstands darf - anders als im Frühjahr - jede Region über die Maßnahmen entscheiden, die sie zur Eindämmung der Pandemie ergreift. Mehrere Regionen hatten aber für die Feiertage mehr oder weniger einheitliche Regelungen für das ganze Land gefordert. Man dürfe nicht die Fehler des Sommers wiederholen, als man der Wirtschaft den Vorzug vor der Bekämpfung des Virus gegeben und die Maßnahmen zu schnell gelockert habe, hieß es.

Mit Material aus den Nachrichtenagenturen

(rls)