1. Panorama
  2. Coronavirus

Vorfahrt für Kinder beim Impfgipfel

Kommentar zu Impfchance und Impfpflicht : Vorfahrt für Kinder beim Impfgipfel

Dass die Landesregierung die Gasthäuser vor den Schulhäusern öffnet, sagt viel über den Stellenwert von Kindern in NRW. Umso wichtiger ist ein klares Signal vom Impfgipfel: ehrlich, konkret und mit der klare Ansage, dass es auch keine indirekte Impfpflicht geben wird.

Armin Laschet hatte versprochen, dass Schulen bei der Corona-Bekämpfung als erstes wieder geöffnet werden. Die Realität sieht anders aus. Im Frühjahr 2020 öffneten die Möbelhäuser vor den Schulhäusern, nun sind es die Gasthäuser. Während die Außengastronomie wieder voll ist, hängen Millionen Schüler weiter im Homeschooling fest. Auch wenn es nächste Woche mit dem Präsenzunterricht losgeht, verrät die Priorisierung der Öffnungen doch viel über den Stellenwert von Kindern in NRW.

Umso wichtiger ist es, dass Kanzlerin und Ministerpräsidenten beim Impfgipfel ein klares Zeichen für Kinder setzen: Es wäre schwer erträglich, wenn vollständig geimpfte 70-Jährige bereits auf Kreuzfahrt gehen, den Kindern aber mangels Schulausstattung (wie Lüftungsgeräten) und mangels Impfung immer wieder der Wechsel ins Homeschooling droht.

Zu einem klaren Zeichen gehört, als erstes Ehrlichkeit: Wer den Eindruck vermittelt, dass bis August alle Schüler durch sind, weckt wieder mal falsche Erwartungen. Dass geben die Lieferprognosen nicht her, zumal Schüler zunächst auf den Impfstoff von Biontech angewiesen sind. Daher muss Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch sagen, woher er denn die Dosen nimmt, die er jetzt für Schüler reservieren will. Er muss sie schon zusätzlich bereitstellen und darf sie nicht den Ländern an anderer Stelle abzwacken.

Zum klaren Zeichen gehört auch, dass die Länder jetzt Konzepte vorlegen, wann es wie losgeht – und nicht warten, bis die Zulassung des Kinder-Impfstoffs kommt. Ob Schnelltests oder digitaler Impfpass - immer wieder lief Spahn in der Pandemie den Entwicklungen hinterher.

Und zu einem klaren Zeichen gehört die Zusage, dass es beim Impfen der Schüler keine indirekte Impfpflicht geben wird. Die Politik hat Freiwilligkeit versprochen, sie muss Wort halten, um nicht Verschwörungstheoretikern im Land in die Hände zu spielen. Sie muss die Eltern überzeugen, dass sie ihren Kindern am besten mit einer schnellen Impfung die Rückkehr ins normale Leben ermöglichen. Denn letztlich wird die Pandemie erst enden, wenn wir alle infiziert waren oder geimpft sind. Dazwischen wird es auf Dauer nichts geben.