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Unmut in Frankreich über Grenzschließung

Corona im Alltag : Deutsche und Franzosen sauer über Grenzschließungen

Viele Übergänge ins Saarland sind gesperrt. Politiker auf beiden Seiten der Grenze treten für Lockerungen ein. Die Menschen vor Ort setzen indes eher auf pragmatische Lösungen.

Vom französischen Carling ins deutsche Lauterbach ist es ein Katzensprung. Viele Deutsche holen sich zum Frühstück gerne Baguette und Croissants aus der nahen Boulangerie. Doch wegen der Corona-Pandemie ist die Grenze geschlossen, weshalb die Bäckerei einen Lieferservice eingerichtet hat. Die Croissants werden am provisorischen Grenzzaun übergeben.

Christophe Arend zählt gerne solche Beispiele der Kreativität auf und ärgert sich gleichzeitig über die Grenzschließung. Der französische Abgeordnete aus Forbach bei Saarbrücken hat dafür gekämpft, dass zumindest fünf der über 30 Übergänge in der Region für die vielen Tausend Pendler wieder geöffnet wurden. Er glaubt, dass sich manche Verantwortlichen vor allem im entfernten Berlin nicht vorstellen könnten, wie eng die Länder in der Saar-Mosel-Region bereits zusammengewachsen sind. Und nennt die Krise einen „Crashtest für Europa“. 

Dass wegen der Schließung der Grenzübergänge ausgerechnet die 160 in Frankreich lebenden Mitarbeiter einer Klinik in Saarbrücken Umwege von bis zu 50 Kilometern fahren müssen, hält Arend für absurd. „Sie sind ja bereits durch den Kampf gegen das Coronavirus erschöpft“, sagt der Politiker, der die Partei La République en Marche von Präsident Emmanuel Macron vertritt. Auf nationaler Ebene habe man sehr gut zusammengearbeitet, was im Fall des saarländischen Innenministeriums nicht der Fall gewesen sei. Dort hätten die Verantwortlichen auf die vollständige Grenzschließung gedrungen.

„Ohne die gute Zusammenarbeit in der deutsch-französischen Parlamentarier-Versammlung wäre das alles nicht so gut abgelaufen“, sagt Arend. Er selbst ist Ko-Vorsitzender des Gremiums, das aus je 50 Abgeordneten beider Länder zusammengesetzt ist und durch den Aachener Freundschaftsvertrag vor einem Jahr entstanden ist. „Ich weiß immer, wen ich anrufen kann“, sagt der Franzose. In diesem Fall ist es in der Regel sein deutscher Kollege Andreas Jung (CDU), der mit den Vertretern von SPD, Grüne und FDP für die Lockerung der Grenzschließungen eintritt. Ziel müsse es sein, Kontakte auf menschlicher und familiärer Ebene wieder zu ermöglichen, heißt es unisono.