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Umfrage: Unternehmen rechnen mit Corona-Einschränkungen für weitere 8,5 Monate

Umfrage : Unternehmen rechnen mit Corona-Einschränkungen für weitere 8,5 Monate

Die deutsche Wirtschaft rechnet wegen der Corona-Pandemie mit Einschränkungen bis weit ins nächste Jahr. Viele Unternehmen überleben nur durch Staatshilfen - dennoch ist die Zahl der Insolvenzen im Mai gesunken.

Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Münchner Ifo-Instituts gingen die Unternehmen im Juli durchschnittlich von Beschränkungen für weitere 8,5 Monate aus. Die Dienstleister rechneten demnach mit 8,9 Monaten, der Handel mit 8,6 Monaten, der Bau mit 8,2 Monaten und die Industrie mit 7,8 Monaten.

Vor allem Firmen der Freizeitbranche befürchteten demnach längere Einschränkungen von 13 Monaten. Künstlerische Tätigkeiten und die Gastronomie erwarteten elf Monate. Bei Erziehung und Unterricht wurden durchschnittlich zehn Monate erwartet. In der Beherbergung rechneten die Unternehmen mit Einschränkungen von rund 9,3 Monaten; Firmen der Lagerei mit weiteren 8,3 Monaten. Die Firmen für Post-, Kurier- und Expressdienste erwarteten mit durchschnittlich 6,6 Monaten die kürzeste Einschränkung des öffentlichen Lebens. Der Großhandel ging von 8,4 Monaten aus, der Einzelhandel von 8,8 Monaten.

Die staatliche Corona-Hilfe rettete allerdings bislang viele Unternehmen. 44 Prozent der Betriebe, die eine staatliche Maßnahme beantragten, würden die Krise nach eigenen Angaben ohne diese Hilfe nicht überleben, heißt es in einer Umfrage der Universität Mannheim und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), aus der die „Süddeutsche Zeitung" zitierte.

Zwei Drittel der 8500 Firmen, die an der Umfrage teilnahmen, haben demnach in irgendeiner Form staatliche Hilfen beansprucht. Die drei meistgenutzten Maßnahmen seien Kurzarbeitergeld, Corona-Soforthilfe und die Stundung von Steuerzahlungen.

40 Prozent der Betriebe gaben demnach an, durch die Pandemie mindestens 30 Prozent Umsatz verloren zu haben. 80 Prozent der Unternehmen rechneten damit, dass es zu einer zweiten Infektionswelle kommt. Dabei gingen fast alle davon aus, dass sich diese vor Ende des Jahres ereignet.

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland zuletzt weiter gesunken. Im Mai meldeten die Amtsgerichte 1504 Unternehmensinsolvenzen und damit 9,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamtes am Montag mitteilte. Die wirtschaftliche Not vieler Firmen durch Corona spiegele sich somit bislang nicht in einem Anstieg der gemeldeten Insolvenzen wider, erklärten die Statistiker. Ein Grund dafür sei, dass die Antragspflicht für Firmen-Pleiten seit dem 1. März ausgesetzt ist. Sollte diese Regelung ab Oktober fallen, rechnen Experten mit einem deutlichen Anstieg.

(ahar/AFP/Reutres)