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Tönnies-Corona: Mitarbeiterin wegen Kantinen-Video fristlos gekündigt

Verhandlung vor Gericht : Frau wegen Video aus Tönnies-Kantine fristlos gekündigt

Die Mitarbeiterin eines Caterers klagt vor dem Arbeitsgericht Bielefeld, weil ihr fristlos gekündigt wurde. Der Vorwurf: Sie soll ein Video aus der Kantine des Fleischverarbeiters Tönnies hochgeladen haben, in dem zu sehen ist, wie Hygieneregeln nicht eingehalten werden.

Dieses Video verursachte einen Aufschrei. Es war aufgetaucht, kurz nachdem im Schlachthof von Tönnies in Rheda-Wiedenbrück mehr als 1000 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. In dem Video zu sehen: Hunderte Menschen, die eng beieinander an Tischen in einem Kantinenraum sitzen und essen. Der Vorwurf wurde laut, Tönnies habe gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen und so für die Verbreitung des Virus gesorgt. Jetzt hat das Video ein gerichtliches Nachspiel – allerdings für die Frau, die es ins Internet gestellt haben soll. Das berichtet das „Westfalenblatt“ unter Berufung auf das Arbeitsgericht Bielefeld.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Ein Einblick in die Kantine von <a href="https://twitter.com/hashtag/toennies?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#toennies</a> Ohne Worte!! <a href="https://t.co/g0Z6U8RwcT">pic.twitter.com/g0Z6U8RwcT</a></p>&mdash; CHiPo (@Chipolino89) <a href="https://twitter.com/Chipolino89/status/1273282158040358912?ref_src=twsrc%5Etfw">June 17, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Demnach bestreite die Mitarbeiterin eines Caterers nicht, das Video hochgeladen zu haben. Sie gebe allerdings nicht zu, es auch gedreht zu haben. Außerdem distanziere sie sich von den anprangernden Kommentaren, die im Video zu hören sind. Dort sagt eine Frauenstimme unter anderem: „Tausende Menschen an einem Tisch“ und „Das ist Tönnies. Wie sollen wir uns hier schützen?“

Laut dem Bericht, in dem Arbeitsgerichtsdirektor Joachim Kleveman zitiert wird, entließ der Caterer die Frau schon im April fristlos, das Unternehmen Tönnies erteilte ihr Hausverbot. In erster Instanz einigten sich die Parteien demnach auf eine fristgerechte Kündigung inklusive einer Abfindung. Doch diese Vereinbarung soll die Frau nun widerrufen haben. Sie wolle nun erneut vor Gericht ziehen – mit einem neuen Anwalt.

Verwirrung hatte es zuvor auch um den Aufnahmezeitpunkt des Videos gegeben. Zunächst hieß es, das Video sei schon im März, und damit vor der Einfühung der Corona-Maßnahmen, entstanden. Später stelllte sich heraus, dass die Aufnahmen wohl doch aus dem April stammen, und die Corona-Schutzverordnung demnach schon galt.

Nachdem Corona-Ausbruch hatte es einen regionalen Lockdown in den Kreisen Gütersloh und Warendorf sowie viel öffentliche Kritik an Tönnies und der Fleischindustrie im Allgemeinen gegeben. Als erste Ergebnisse sollen die umstrittenen Werkverträge Ende des Jahres abgeschafft und die Betriebe künftig stärker überwacht werden.

(kron)