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Test auf Coronavirus - Hausärzte fordern „nationale Strategie“

Test auf Coronavirus : Hausärzte fordern „nationale Strategie“

Der Hausärzteverband kritisiert beim Thema Corona-Tests eine Verunsicherung von Patienten und Ärzten durch die bundesweit unheitlichen Regelungen. Er fordert eine „nationale Strategie“. Die von Bayerns Ministerpräsident Söder angekündigten Tests für alle stoßen bei den Ärzten auf Kritik.

Die Ankündigung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), wonach sich seine Landsleute auf das Coronavirus testen lassen können, auch wenn sie nur unsicher seien, hat eine kontroverse Debatte über den Sinn der Maßnahme ausgelöst. Gesundheitsminister Jens Spahn kritisierte: „Es wiegt in falscher Sicherheit, erhöht das Risiko falsch-positiver Ergebnisse und belastet die vorhandenen Testkapazitäten.“ SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält eine hohe Zahl an Tests für grundsätzlich richtig, rät aber davon ab, dass jeder zum Arzt geht, der sich testen lassen möchte. Er plädiert vielmehr dafür, im Sommer ein Konzept zu schaffen, dass man im Herbst mit deutlich preiswerteren Selbst- und Pooltests eine zweite Welle verhindern kann. „Es zeigt sich, dass es viel mehr auf die Häufigkeit des Tests und der Zeit bis zur Mitteilung der Ergebnisse ankommt, als auf die Empfindlichkeit und somit die Qualität der Tests“, sagte Lauterbach unter Berufung auf eine Studie der Harvard-Universität.

Die Zahl der Tests wurde deutschlandweit bereits ausgeweitet. Während zu Beginn der Corona-Krise nur Menschen mit Symptomen oder direktem Kontakt zu Infizierten getestet wurden, können nach einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums von vor drei Wochen auch Risikogruppen ohne Symptome getestet werden - etwa in Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas.

Aus Sicht der Hausärzte sollte es bei den Tests eine bundesweit einheitliche Regelung geben. „Momentan herrscht in vielen Hausarztpraxen, also bei Hausärzten wie auch bei ihren Patienten, aufgrund des regionalen Flickenteppichs an sich ständig ändernden, zum Teil noch halbfertigen Regelungen große Verunsicherung“, sagte der Chef des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, unserer Redaktion. Er mahnte: „Auch wenn die Eile vieler Entscheidungen nachvollziehbar ist, wäre eine durchdachte nationale Strategie, die gleichzeitig die Vorteile und Risiken der Testungen in der individuellen Situation mitdenkt, sinnvoll.“ Zugleich kritisierte er zu wenige Absprachen mit den Ärzten. Es wäre wünschenswert, sagte Weigeldt wenn Sonderregelungen zuvor mit denjenigen beraten werden würden, die diese am Ende in ihren Praxen auch umsetzen sollten.

 Auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt rät von Corona-Tests für alle ab. „Wir sollten lieber einmal zu viel testen, als zu wenig. Trotzdem ist es wichtig, dass wir systematisch vorgehen“, sagte Reinhardt unserer Redaktion. Reinhardt verwies auf die beschränkten Kapazitäten:  „Wir brauchen die Testkapazitäten, damit für Verdachtsfälle, Risikogruppen und Klinikpatienten ausreichend Tests zur Verfügung stehen und vor allem eine schnelle Testauswertung möglich ist.“ Daneben seien Beschäftigte in der Patientenversorgung auf freiwilliger Basis in regelmäßigen und kurzen Intervallen zu testen. Der Ärztepräsident betonte: „Massentests für alle würden sicherlich interessante wissenschaftliche Erkenntnisse liefern, solange aber die Kapazitäten begrenzt sind, halte ich schnelle und gezielte Testungen von klar definierten Bevölkerungsgruppen für sinnvoller.“

Söder verteidigte sein Vorgehen mit dem Hinweis darauf, dass das Testen neben Abstandhalten die einzige Möglichkeit sei, Infektionsketten zu unterbrechen.