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So impfen ab Montag die Firmen in NRW

Montag geht es los : Wie Betriebsärzte Mitarbeiter in NRW impfen wollen

Jeder Betriebsarzt erhält im Schnitt 117 Dosen. Das ist oft zu wenig: Die Chemieparks, die etwa Bayer und Covestro versorgen, bestellten 20.000 Dosen und erhalten am Montag 3000 Dosen. In manchen Unternehmen wird priorisiert, andere setzen auf das Zufallsprinzip.

Am Montag geht es los. Dann dürfen die Betriebsärzte ran. Doch Impfstoff ist auch hier knapp. Insgesamt erhalten die mehr als 6000 Betriebsärzte, die sich bundesweit beteiligen, 702.000 Dosen von Biontech, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Das sind im Schnitt 117 Dosen pro Betriebsarzt. „Geimpft werden kann flächendeckend, in den großen Betrieben ebenso wie in kleinen und mittleren“, so das Ministerium. Der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte beklagte die bescheidenen Menge. Jeder Betriebsarzt konnte 804 Dosen für die erste Woche bestellen, manche hätten gerne viel mehr geordert.

Das Unternehmen Currenta, das für Bayer, Covestro, Lanxess und andere die Impfungen in den Chemieparks in Leverkusen, Dormagen und Krefeld organisiert, hatte 20.000 Dosen bestellt. Tatsächlich bekommt es einen Bruchteil davon: „Wir erhalten nächste Woche 3000 Dosen und freuen uns, dass es nun losgeht“, erklärte Currenta-Sprecher Jörg Brückner. Entsprechend haben die Unternehmen sortiert: „Die Chempark-Unternehmen haben die Priorisierungen vorgenommen. Grundsätzlich liegt der Fokus auf Schichtmitarbeitern.“

Strecke machen will auch der Energiekonzern RWE, schließlich hat er 15.000 Mitarbeiter in Deutschland, denen er ein Angebot macht. 17 Betriebsärzte impfen und konnten für RWE bestellen. Daher fällt auch hier der Start mangels Impfstoff bescheidener aus als erhofft. Deutschlandweit hat RWE sieben Impfzentren, unter anderem in Essen, Weisweiler, Niederaussem und Garzweiler.

Auch der Chemiekonzern Henkel geht davon aus, weniger zu bekommen als bestellt. Das werkseigene Impfzentrum in Düsseldorf hat Kapazität für 1500 Impfungen pro Woche. So lange das Vakzin knapp ist, will man Mitarbeitern den Vorzug geben, die vor Ort arbeiten.

Auch die Metro will priorisieren: „Grundsätzlich möchten wir allen Mitarbeitern am Campus ein Impfangebot machen, vorerst werden Mitarbeiter aus dem Großmarkt sowie solche mit direktem Kundenkontakt priorisiert“, erklärte der Düsseldorfer Handelskonzern.

Ähnlich gehen auch die Ford-Werke in Köln vor. Der Autobauer will zuerst die Beschäftigten versorgen, „deren Tätigkeit zwingend auf dem Werkgelände ausgeübt werden muss“. Die anderen Bereiche sollen folgen.

  • FOTO: Jens Schicke/imago
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Ganz anders arbeiten die Telekommunikationsunternehmen: „Wir werden keine Priorisierung innerhalb der Belegschaft vornehmen, sondern die Termine nach Zufallsprinzip an die Mitarbeiter senden“, heißt es bei Vodafone. Eine Ausnahme: „Mitarbeiter, die bei Vodafone eine besonders relevante Position einnehmen und trotz der Zugehörigkeit zur Priorisierungsgruppe 3 noch kein Impfangebot erhalten haben, würden als erstes ein Angebot erhalten“, erklärte die Sprecherin des Düsseldorfer Unternehmens. Dazu zählen etwa Shop-Mitarbeiter. Montagnachmittag soll der Impfstoff kommen, ab Dienstag wird geimpft.

Auch bei der Deutschen Telekom, die die Impfungen über den Dienstleister BAD abwickelt, wird nicht gewichtet: Da die Priorisierung am 7. Juni aufgehoben werde, werde man nicht priorisieren. „Wir haben aber vereinbart, dass es für die Mitarbeitenden, die etwa in den Telekom-Shops oder dem Technischen Service  arbeiten, ein vorgezogenes Buchungsfenster geben wird“, erklärte ein Telekom-Sprecher. Aufgrund ihrer Tätigkeit seien diese Mitarbeiter weniger flexibel bei der Terminbuchung.

Der Energiekonzern Uniper hat mit seinem Dienstleister in der Zentrale in Düsseldorf eine Impfstraße eingerichtet. Noch arbeitet fast die gesamte Belegschaft im Homeoffice, aber: „Mit einer Impfung rückt der neue Alltag ein Stück näher“.

Der Jobvermittler Stepstone hat bereits 200 Mitarbeiter im Rahmen eines Projektes geimpft, und zwar mit dem Impfstoff von Johnsons&Johnson, der mit einer Dosis auskommt. „Unser Ziel ist es, so viele Kollegen wie möglich zügig zu impfen. Aber auch wir haben zum aktuellen Zeitpunkt nicht genügend Impfstoff“, erklärte das Düsseldorfer Unternehmen. Auch bei Stepstone schaut man auf die Art der Arbeit: Mitarbeiter, die häufiger ins Büro kommen müssen wie aus der IT, sollen bevorzugt geimpft werden.

Wortkarg gibt man sich bei der Deutschen Post und will keine Zahlen zu Bestellungen nennen. Zum Thema Priorisierung erklärte das Bonner Unternehmen: „Bei der Impfreihenfolge ist keine personenbezogene Priorisierung vorgesehen. Durch die Standortwahl und Terminvergabe stellen wir sicher, dass Beschäftigte im operativen Bereich gleichwertigen Zugriff auf betriebliche Impftermine erhalten.“

(anh/frin/rky)