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RKI-Chef Wieler will Regelversorgung in Krankenhäusern einschränken

Kritische Lage auf Intensivstationen : RKI-Chef fordert Einschränkung der Regelversorgung in Krankenhäusern

Der Chef des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler weist erneut auf die knapper werdende Kapazität in den Krankenhäusern hin. Er plädiert dafür, den Regelbetrieb in Kliniken einzuschränken und stabile Patienten in weniger ausgelastete Regionen zu verlegen.

Der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sieht keine Alternative zu einer Reduktion der Regelversorgung in Krankenhäusern. Neun von zehn Patienten, die aufgrund ihrer Atemwegserkrankung intensivmedizinisch behandelt würden, seien Covid-19-Patienten, berichtete Wieler am Donnerstag in Berlin. Immer häufiger sei eine ECMO-Behandlung nötig, umgangssprachlich als „künstliche Lunge“ bezeichnet, und hier würden die Plätze sowie das verfügbare Personal sehr knapp.

Wieler forderte daher, die Intensivkapazitäten rasch bestmöglich durch einen eingeschränkten Regelbetrieb zu schonen. Darüber hinaus müssten stabile Patienten aus Regionen mit akutem Intensivbettenmangel rechtzeitig in weniger ausgelastete Regionen verlegt werden. Dies seien einschneidende Maßnahmen, aber es müssten Ressourcen für die noch kommenden Covid-19-Fälle frei gehalten werden. "Wir müssen eine bestmögliche Versorgung garantieren", so Wieler.

Die Lage auf vielen Intensivstationen werde täglich kritischer, pflichtete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Wieler bei. Auch die Hinweise der seit Monaten überlasteten Pflegekräfte müssten ernstgenommen werden. Ohne einen Stopp dieser Entwicklung werde das Gesundheitssystem zeitnah an den Rand der Kapazitäten gelangen.

Der Minister appellierte daher eindringlich an die Bundesländer, die sogenannte Notbremse bereits jetzt umzusetzen und nicht auf die Verabschiedung des geänderten Infektionsschutzgesetzes in der kommenden Woche zu warten. "Gegen ein exponentielles Wachstum der Infektionen kann man nicht animpfen oder antesten. Wir müssen erst das Infektionsgeschehen in den Griff bekommen und die Zahlen senken", betonte Spahn.

(bora/kna)