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Risikobegegnung in der Corona-Warn-App – das sollten Sie tun

Hilfe bei der Pandemie-Bekämpfung : Risikobegegnung in der Corona-Warn-App – das sollten Sie tun

Die Corona-Warn-App wurde schon als „zahnloser Tiger“ verunglimpft. Doch die App leistet seit rund eineinhalb Jahren ihren Beitrag in der Pandemiebekämpfung. Gerade jetzt steigt ihre Bedeutung wieder stark an.

Mit der Corona-Warn-App ist es ein wenig wie mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: Quasi jeder hat dazu eine Meinung – und die Beurteilung schwankt häufig zwischen „Weltklasse“ und „absolute Katastrophe“. Als die App im Juni 2020 nach nur wenigen Wochen Entwicklungszeit vorgestellt wurde, war man in der Politik noch voller Stolz. „Das ist weltweit nicht die erste Corona-Warn-App, die vorgestellt wird“, sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) bei der Vorstellung: „Ich bin aber ziemlich überzeugt, dass es die beste ist.“ Und als ein halbes Jahr später klar war, dass allein die App nicht jedes Problem lösen würde, schimpfte man schnell über den vermeintlichen Flop. Ein „zahnloser Tiger“ sei die App, zürnte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU): „Die App hat kaum eine warnende Wirkung.“

Viele wunderten sich, dass die App ihnen immer nur anzeigte, dass sie keine Risikobegegnung gehabt hätten. Dabei war das angesichts niedriger Infektionszahlen gar nicht so seltsam. Umgekehrt schlägt bei vielen aktuell die App häufiger an und warnt – was angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen ebenso wenig verwunderlich ist. Wir erklären, welche Rolle Deutschlands einstiger digitaler Hoffnungsträger in diesem Winter bei der Bekämpfung der Pandemie spielen kann bzw. soll.

Wird die Corona-Warn-App von den Menschen noch genutzt?

Ja, heißt es im Bundesgesundheitsministerium. Laut dem Robert Koch-Institut wurde die App seit der Veröffentlichung im Jahr 2020 mehr als 40 Millionen Mal heruntergeladen. Die Zahl klingt sehr hoch, allerdings gab es allein in Deutschland laut Bundesnetzagentur im Jahr 2020 auch rund 150 Millionen Mobilfunkverträge. Die Zahl gibt auch nicht an, auf wie vielen Geräten sie tatsächlich noch installiert ist. Theoretisch könnte man die App ja auch herunterladen und dann doch wieder löschen. Dabei gilt für die App das gleiche wie für die Impfstoffe: Je höher die Durchdringung in der Bevölkerung, desto größer der Nutzen für alle. In der neuen Fassung des Infektionsschutzgesetzes, das mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP im November im Bundestag verabschiedet wurde, wird die App daher sogar explizit als Hilfsmittel bei der Bekämpfung der Pandemie erwähnt.

Wie funktioniert die Corona-Warn-App?

Die Corona-Warn-App, die im Auftrag der Bundesregierung von der Deutschen Telekom und SAP entwickelt wurde, arbeitet mithilfe der Bluetooth-Technologie. Die Daten werden dabei nicht zentral gespeichert, sondern dezentral auf den Geräten der Nutzer. Es werden dabei keine Daten zur Identität des Nutzers gesammelt. Daher weiß man bei Verdachtsfällen auch nicht, wann sich diese ereignet haben bzw. welche Person andere über die App gewarnt hat. Das wurde vielfach kritisiert, umgekehrt erfüllt die App so höchste Standards beim Datenschutz – ohne Einschränkung bei der Funktionalität. Denn sobald jemand ein positives Testergebnis teilt, warnt die App alle potenziell gefährdeten Kontakte.

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Was bedeutet es, wenn die App in rot eine Risikobegegnung anzeigt?

Die App warnt vor einem erhöhten Ansteckungsrisiko. Dies bedeutet jedoch im Umkehrschluss nicht, dass man sich automatisch infiziert hat. Die App errechnet die Warnungen beispielsweise auf Basis von Abständen und der Dauer der Kontakte. Sie berücksichtigt aber natürlich nicht, ob Masken getragen wurden oder ob die Begegnung in einem schlecht belüfteten Innenraum oder an der frischen Luft stattfand. Wer gewarnt wird, muss sich nicht direkt in Quarantäne begeben, wird jedoch gebeten, seine Kontakte zu reduzieren und verstärkt auf mögliche Symptome zu achten. Auch die Rücksprache mit dem Hausarzt, dem Gesundheitsamt oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 wird empfohlen. Das Gesundheitsamt bzw. der behandelnde Arzt treffen dann eine Entscheidung über eine Krankschreibung oder eine Quarantäne. Als Nutzer der App hat man bei einer roten Warnung einen Anspruch auf einen Schnelltest oder PCR-Test. Nach der Risikobegegnung bleibt der Status in der App 14 Tage auf rot, bevor er dann wieder auf grün umspringt.

Hilft die Corona-Warn-App bei der Bekämpfung der Pandemie?

Ja. Laut Bundesgesundheitsministerium gab es eine Umfrage unter Nutzern, die einen Warnhinweis erhielten. Die Befragung zeigte, dass etwa ein Drittel vom roten Warnhinweis überrascht wurde, also vorher nicht von Familienmitgliedern, Freunden oder Kollegen gewarnt wurde. Die große Mehrheit, heißt es, habe sich daraufhin testen lassen. Im Schnitt werden durch eine positiv getestete Person fünf weitere Personen gewarnt. 20 Prozent derjenigen, die eine Begegnung mit erhöhtem Risiko hatten und einen PCR-Test machen ließen, wurden positiv getestet. Die App trägt also dazu bei, Infektionsketten früher zu unterbrechen und bisher nicht bekannte Infektionen aufzudecken.

Allerdings: Die App funktioniert nur dann effektiv, wenn die Nutzer auch mitmachen. Dazu muss die App nicht nur installiert werden, die Menschen müssen auch ihr positives Testergebnis teilen, um andere zu warnen. Dies geschah, obwohl die Mitteilung anonym erfolgt, in der Vergangenheit noch zu selten.

Ist die Corona-Warn-App wirklich die beste App zur Kontaktpersonen-Nachverfolgung der Welt?

Dazu sagt ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums: „Aus Sicht der Bundesregierung wie auch nach zahlreichen Studien und Vergleichstests schneidet die Corona-Warn-App im internationalen Vergleich besonders gut ab.“ Kritiker bemängeln hingegen, dass die hohen Datenschutzstandards und die Freiwilligkeit bei der Eingabe von Testergebnissen die Wirkung schmälern. Klar ist: Die deutsche Lösung hat tatsächlich viele positive Aspekte, ist aber auch vergleichsweise teuer. Für Entwicklung und Betrieb der App hatte man im Bundeshaushalt allein für 2021 rund 68 Millionen Euro eingeplant. In diesem Jahr werden die Kosten für Betrieb und Fortentwicklung sogar mit bis zu 85 Millionen Euro veranschlagt.