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Reisewarnung für Spanien: Angst auf Mallorca vor wirtschaftlichem Absturz

Nach Reisewarnung : Mallorcas Angst vor dem Absturz - noch 30.000 Deutsche auf den Balearen

Wegen steigender Corona-Zahlen hat die Bundesregierung eine Reisewarnung für fast ganz Spanien herausgegeben. Auf den Balearen ist die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen groß. Rund 30.000 deutsche Pauschaltouristen urlauben noch auf der Inselgruppe.

Nach der Reisewarnung Deutschlands für fast ganz Spanien einschließlich Mallorca wächst die Angst vor einem wirtschaftlichen Absturz auf den Balearen. Als einen „tödlichen Schlag“ bezeichnete die Zeitung „Diario de Mallorca“ am Samstag die Entscheidung der Bundesregierung vom Vorabend, auch die liebste Urlauberinsel der Deutschen zum Corona-Risikogebiet zu erklären und vor Reisen dorthin zu warnen. Damit hätten sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet, die dem Tourismus für diese Saison den Todesstoß versetzt hätten, schrieb die Zeitung.

Nirgendwo in Spanien außer auf den Kanaren, die wegen niedrigerer Corona-Zahlen von der Reisewarnung ausgenommen wurden, sind die Menschen so sehr vom Tourismus abhängig wie auf den Balearen. In beiden Regionen trägt die Branche rund 35 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Die Regionalregierung gab sich zuversichtlich, dass die Corona-Zahlen bald wieder fallen würden. Dafür gab es aber zunächst keine Anzeichen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte die Reisewarnung der Bundesregierung. „Das ist kein Reiseverbot, aber die klare Ansage: Wer aus dem Spanienurlaub kommt, muss in Quarantäne, solange er kein negatives Testergebnis hat“, sagte Spahn der „Bild am Sonntag“. „Und wer trotz der Warnung nach Spanien fährt, sollte sich und andere auch im Urlaub schützen. Partyurlaub ist in dieser Pandemie unverantwortlich.“

Er wisse, was diese Entscheidung der Regierung für viele Urlauber, für Reisebüros oder auch für Spanien bedeutet, sagte Spahn weiter. „Aber leider steigen die Infektionszahlen dort stark, zu stark.“

Derzeit sind nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) rund 30.000 deutsche Pauschaltouristen auf den Balearen. Mit geschätzt mehr als 90 Prozent dürften die meisten von ihnen auf Mallorca Urlaub machen, sagte DRV-Sprecher Torsten Schäfer am Samstag. Allerdings gebe es noch keinen Überblick darüber, wie viele Urlauber in den nächsten Tagen vorzeitig abreisen wollten.

Nach Angaben des DRV werden alle Reiseveranstalter in den kommenden Tagen geplante Reisen auf die Balearen absagen. Das gehört zum Standardverfahren nach einer Reisewarnung, die zwar kein Reiseverbot bedeutet, aber Pauschaltouristen eine kostenlose Kündigung des Reisevertrages ermöglicht.

Bereits am Freitagabend hatte zum Beispiel Tui angekündigt, ab Samstag alle Pauschalreisen nach Spanien zu streichen. „Das werden sie jetzt bei allen Reiseveranstaltern sehen“, sagte Schäfer. Die Absagen würden „erstmal von Woche zu Woche“ erfolgen, um abzuwarten, ob die Reisewarnung nicht bald wieder aufgehoben wird. „Man kann ja nicht Mallorca bis zum Jahresende absagen.“

Der Düsseldorfer Reiseveranstalter Alltours ließ seine Kunden am Samstagmittag wissen, alle Spanien-Reisen bis 15. September würden abgesagt. Ausgenommen seien die Kanaren. Bei Reisen nach Mallorca hätten Alltours-Kunden allerdings die Wahl, ob sie die Reise antreten oder stornieren möchten. Auch Neubuchungen für Mallorca blieben möglich. „Wir überlassen es den Kunden, ob sie ihren Urlaub auf Mallorca verbringen möchten“, ließ sich Alltours-Inhaber Willi Verhuven zitieren.

(rls/dpa)