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Quarantäne-WG: So war Folge 2 - manchmal ist Schweigen Gold

Neue Folge „Quarantäne-WG“ : Manchmal ist Schweigen Gold

RTL hat eine neue Sendung aus dem Boden gestampft: Die „Quarantäne-WG“. Via Skype quatschen hier täglich Günther Jauch, Thomas Gottschalk und Oliver Pocher über Corona. Sinnloser geht es kaum.

Außergewöhnliche Zeiten brauchen definitiv keine außergewöhnlichen TV-Formate. Denn wer jetzt versucht, etwas besonders Originelles auf die Plasma-Scheibe zu projizieren, produziert so etwas wie die „Quarantäne-WG“ auf RTL. Der Zuschauer sieht da nun jeden Abend um 20.15 Uhr Oliver Pocher, Günther Jauch und Thomas Gottschalk vor den Webcams zu Hause. Das klingt nicht nur langweilig, das ist es auch. Es handelt sich dabei um ein tägliches Gesundheits-Update der besagten Personen. Wichtige Frage: Warum klären die das nicht privat?

Abwechselnd berichtet jeder davon, was er heute gemacht hat. Für Gottschalk war der Dienstag „ereignislos“, Pocher wurde wie jeden Tag vom Gesundheitsamt angerufen und Jauch sitzt in seinem „persönlichen Büro“ in Köln. Tagebücher sollen bei so etwas auch helfen. Das einzig Spannende: Der Zuschauer bekommt einen Eindruck, wie diese Personen des öffentlichen Lebens wohnen. Bei Pocher sieht man zum Glück mal andere Bilder, als diesen Kreis aus allen erdenklichen Farben, den man in seinen Instagram-Videos sieht. Ein Ottifant im Louis-Vuitton-Look. Traumhaft. Gottschalk hat auf jeden Fall Bücher und eine schlechte Webcam, Jauch gibt sich reserviert, da er sein Büro wählt und nicht etwa das Wohnzimmer.

Ein weiterer Lichtblick in dieser Sendung, die bereits nach zehn Minuten zum Wegschalten animiert: Toni Kroos. Live aus Spanien zugeschaltet. Witzige Hinweise von ihm auf Pochers „Instagram-Wand“ (er meint dieses tolle bunte Bild) sind wirklich lustig. Weniger lustig hingegen ist Toni Kroos’ Ansicht, dass reichere Persönlichkeiten doch selbst entscheiden sollten, ob sie spenden wollen. Na immerhin hat er gemeinsam mit der Nationalelf 2,5 Millionen Euro gespendet.

Absolut fehl am Platz ist in dieser Sendung Thomas Gottschalk. Der eigentlich grandiose Entertainer stellt sehr wirre Fragen. Eine davon an Toni Kroos: Er fragt den Fußballer, was er davon halte, dass Olympia verschoben werde? Kroos antwortet treffend, dass er davon nicht wirklich betroffen sei. Zuvor wusste Gottschalk auch eigentlich nicht wirklich, wer Kroos überhaupt ist. Irgendwann wirft Gottschalk noch mehr oder weniger zusammenhangslos ein, dass er eine Palette Ziegen-Joghurt gekauft hat. Es erinnert stark an den Klavier-Moment von Raúl Richter im Dschungel-Camp. Dort warf der Schauspieler ebenfalls ohne Grund ein, er könne Klavier spielen.

Jauch bleibt professionell wie immer und stellt die wichtigen Fragen. Er will zum Beispiel wissen, ob Spanien gerade in einem ähnlichen Ausnahmezustand ist wie Deutschland. Kroos berichtet, dass die spanische Regierung früher und rigoroser reagiert habe – zum Beispiel habe es deutlich schneller Ausgangsperren gegeben. Gottschalk wirft hier mal kurz das Influencer-Thema ein. Kein Kommentar.

Wobei das zum dritten Hauptakteur führt: Oliver Pocher. Der hat gerade eindeutig ein Hoch. Die ganze Nummer mit Michael Wendler war auch eigentlich ganz lustig, die Kritik an den Influencern teilweise sogar berechtigt. Und nun die Quarantäne-WG. Täglich ist er auf Social Media und jetzt auch im Fernsehen zu sehen. Und das, obwohl er tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert ist. In seinen aktuellen Social-Media-Angriffen nimmt er häufig das Wort „Vorbild“ in den Mund. Oma würde jetzt wohl sagen: Wer krank ist, gehört mit dem Hintern ins Bett. Pocher macht weiter. Natürlich kann das auch einen positiven Effekt haben. Denn die Zuschauer sehen: Der Mensch kann das Virus überstehen. Auf der anderen Seite kann dieses Verhalten das Virus aber auch gänzlich verharmlosen. Denn Pocher macht in der Quarantäne-WG sogar ein kleines Sportprogramm, angeleitet von Toni Kroos. Ihm gehe es gut, sagt Pocher. „Bin nur eine Nummer im System“.

Zur zweiten Hälfte der Sendung wird Michelle Hunziker aus Bergamo in Italien zugeschaltet. Bergamo hat das Coronavirus besonders hart getroffen. Natürlich begrüßt man da in Gottschalk-Manier: „Ihr habt beide den gleichen Friseur oder?“ Gemeint sind Hunziker und ihr Hund. Hunziker berichtet darüber, liebe Menschen verloren zu haben. Allein am Montag seien in Bergamo etwa 700 Menschen gestorben. „Leute sterben alleine zu Hause“, sagt die Moderatorin. Es ist wirklich traurig und emotional, was Hunziker da schildert. Und dann macht Pocher Gottschalk Konkurrenz: „Was haben denn die Italiener gehortet?“, fragt er Hunziker. Tja, überraschenderweise interessieren sich auch die Italiener sehr für Klopapier. Da hatte wohl einer zu wenig Redeanteil. Schweigen ist manchmal aber eben doch Gold.