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Polizei meldet deutschlandweit Verstöße gegen Corona-Kontaktsperre

Partys und Treffen aufgelöst : Polizei meldet deutschlandweit Verstöße gegen Corona-Kontaktsperre

In weiten Teilen Deutschlands hat das schöne Wetter am Wochenende viele Menschen trotz der Corona-Sperren ins Freie gelockt - nicht alle hielten sich dabei an die Kontaktsperre.

Bundesweit meldeten die Polizeistellen Verstöße gegen die Pandemie-Vorschriften und mitunter gewaltsame Gegenwehr gegen die Beamten. Zugleich verstärkte die Polizei in vielen Landesteilen die Kontrollen.

In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden hatten sich am frühen Samstagabend etwa 25 meist betrunkene Menschen auf einem öffentlichen Platz versammelt. Als die Polizei die Gruppe zerstreuen wollte, zeigte sich ein Großteil der Zusammengekommen wenig begeistert: Beamte wurden mit Zigaretten beworfen, bespuckt und bedroht. Ein 30-Jähriger schlug einen Polizisten ins Gesicht.

In Düsseldorf sperrte die Polizei am Samstag die Treppe an der Rheinpromenade am Burgplatz.Rund 200 Menschen hatten sich am Samstag an der Rheintreppe in der Altstadt angesammelt und jeweils in Zweiergruppen das Wetter genossen, wie ein Stadtsprecher am Sonntag sagte. Allerdings sei so der gebotene Mindestabstand nicht mehr eingehalten worden.

In der niedersächsischen Gemeinde Fintel löste die Polizei eine Corona-Party junger Leute auf. Zeugen hatten den Beamten einen Hinweis auf die verbotene Feier in einem zu einer Partyscheune umgebauten Holzschuppen gegeben. Dort trafen die Beamten auf sieben Feiernde im Alter zwischen 17 und 21 Jahren. Sie saßen bei Musik und alkoholischen Getränken in dem geheizten Schuppen zusammen und feierten.

Die Oldenburger Polizei stieß bei Kontrollen unter anderem auf den Geschäftsführer eines Autohandels, der sein Geschäft geöffnet und eine Probefahrt für einen potenziellen Käufer arrangiert hatte. In Ihlow machte die Polizei einen Privatflohmarkt von Kindern dicht. Zudem stoppten sie Pflasterarbeiten auf einem Privatgrundstück in Südbrookmerland. Dort waren mehrere Menschen tätig, die nicht nicht miteinander verwandt waren.

Im Kreis Diepholz hatte die Polizei Probleme mit vielen noch geöffneten Pkw-Waschanlagen und SB-Waschboxen. Hier musste die Polizei im Landkreis insgesamt elf Anlagen schließen. Auch mehrere Eisdielen wurden geschlossen.

Auch in Baden-Württemberg ging die Polizei mehrfach gegen größere Menschenansammlungen vor. In Eberhardzell beendete die Polizei eine Zusammenkunft von insgesamt 18 Menschen in einem Haus, in dem zwei Familien aus anderen Landkreisen zu Gast waren.

In Wäschenbeuren löste die Polizei in der Nacht zu Sonntag eine Grillparty auf einem Waldspielplatz auf. An diesem standen zwar nur zwei Verdächtige, jedoch waren deutlich mehr Getränke und Grillgut zu sehen. Bei der Suche nach weiteren Feiernden entdeckte die Polizei einen 22-Jährigen im Gebüsch.

Im südbadischen Karsau eine Gruppe betrunkener junger Leute am Samstagabend uneinsichtig. Die Gruppe folgte zwar einem Platzverweis durch herbeigerufene Polizisten, wurde aber kurz darauf wieder gemeinsam angetroffen. Zwei betrunkene Frauen im Alter von 19 und 20 Jahren mussten deshalb die Nacht in den Zellen der Polizei verbringen.

Die Grünen-Innenexpertin Irene Mihalic warnte die Polizei angesichts der bundesweiten Kontrollen vor einem Überziehen der Maßnahmen. "Die Umsetzung der Maßnahmen treibt mancherorts merkwürdige Blüten, beispielsweise wenn Parkbesucher nach Hause gefahren werden, damit die Ordnungskräfte dort mit Türschildabgleich feststellen können, ob die Eingesammelten tatsächlich im selben Haushalt leben oder gegen das Kontaktverbot verstoßen haben", schrieb sie in einem Positionspapier, aus dem das Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montagsausgaben) zitierte.

Die Regeln zur Eindämmung des Virus hätten eine hohe Akzeptanz, fuhr Mihalic fort. Was aber häufig fehle, sei ein klarer Handlungsrahmen für Polizei und Ordnungsämter: "Dabei darf nicht der leiseste Zweifel daran aufkommen, dass es ausschließlich darum geht, überlebensnotwendigen Infektionsschutz zu gewährleisten, und nicht darum, nach und nach ein neues beziehungsweise eigentlich doch längst überkommenes Verständnis von Obrigkeit zu etablieren."

muk/pw

(AFP)