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Philosoph Sloterdijk über Querdenker - „Räusche des Irrsinns“

Wie aus dem Spätmittelalter : Philosoph Sloterdijk über Querdenker - „Räusche des Irrsinns“

Philosoph Peter Sloterdijk lässt wenig Verständnis für die Sichtweisen von Querdenkern erkennen. Im Gegenteil fordert er, man müsse über ein Aussteigerprogramm nachdenken.

Kritikern von Corona-Maßnahmen sollte aus Sicht des Philosophen Peter Sloterdijk bei der Abkehr von ihren Positionen geholfen werden. „Ich glaube, man muss heute über Aussteigerprogramme für Anhänger der Querdenker und anderer Regressionssysteme nachdenken“, sagte der 74-Jährige in der August-Ausgabe des in Hamburg erscheinenden Magazins „Brand eins“.

Sloterdijk, auch als Kritiker staatlicher Einschränkungen bekannt, bezeichnete „die sogenannten Querdenker“ als „Figuren wie aus dem Spätmittelalter, die den Weg in die Moderne und damit zu naturwissenschaftlicher Evidenz und zum Staatsbürgertum innerlich nicht mitgegangen sind. Das hat im Verwechseln der eigenen Wünsche mit der Welt etwas Kleinkindliches.“

Aus Sicht von Sloterdijk gibt es „sektenähnliche Meinungsgenossenschaften“ in solchen Gruppen. „Man macht miteinander euphorische Erfahrungen in der Annahme des gemeinsamen privilegierten Zugangs zur Wahrheit“, sagte der in Berlin lebende Denker. „Es gibt für den Selbstgenuss nichts Schöneres als solche Räusche des Irrsinns.“

(chal/dpa)