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NRW: Vorschriften für Fleischbetriebe - Beschäftigte werden ab 1. Juli zwei Mal pro Woche getestet

NRW verschärft Vorschriften für Fleischbetriebe : Beschäftigte werden ab 1. Juli zwei Mal pro Woche getestet

Während im Kreis Gütersloh bisher bei rund 4100 Tests in der Allgemeinbevölkerung neun Infektionen nachgewiesen worden, müssen die Beschäftigten in NRW in Betrieben der Fleischindustrie künftig mindestens zwei Mal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden.

Wie die Staatskanzlei in Düsseldorf am Samstag mitteilte, schreibt eine neue Allgemeinverfügung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales vor, dass diese Vorgaben ab dem 1. Juli für Schlachthöfe, Zerlegebetriebe und vorrangig fleischverarbeitende Betriebe mit mehr als 100 Beschäftigten gelten - unabhängig davon ob es sich um eigene Beschäftigte oder Werkvertragsnehmer handelt.

Zudem werden die Betriebe verpflichtet, die Namen und Adressen aller Menschen, die sich auf dem Betriebsgelände befinden, zu erheben und für vier Wochen aufzubewahren, um sie gegebenenfalls den Behörden vorlegen zu können.

"Die Vorfälle in Coesfeld und Gütersloh zeigen: Offenbar kann sich das Virus unter den Bedingungen eines Schlachthofs beziehungsweise eines fleischverarbeitenden Betriebes besonders gut verbreiten", erklärte Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). "Darum wollen wir den Infektionsschutz noch einmal deutlich stärken."

Das frühzeitige Erkennen von Infektionen sei ein zentraler Schlüssel dazu. "Für die Kontaktpersonennachverfolgung ist es zudem zwingend notwendig, die aktuellen Kontaktdaten der Menschen zu haben, die sich auf dem Betriebsgelände aufgehalten haben", fügte Laumann hinzu. "Es kann nicht sein, dass bei einem Ausbruchsgeschehen die Behörden vor Ort tagelang diesen Daten hinterherlaufen müssen."

Nach dem Ausbruch im Tönnies-Werk Rheda-Wiedenbrück sind im Kreis Gütersloh bisher bei rund 4100 Tests in der Allgemeinbevölkerung neun Infektionen nachgewiesen worden. Diese Zahlen nannte Laumann nach dem Besuch eines Testzentrums in Gütersloh am Samstag. Im Interview mit dem Nachrichtensender ntv sagte Laumann zu den neun positiven Tests: „Das ist eine sehr niedrige Infektionsrate.“ Gleichzeitig betonte er aber auch: „Ich will das jetzt überhaupt nicht bewerten.“ Laumann geht in den kommenden Tagen von weiteren Tausenden Testergebnissen aus, aufgrund derer dann eine Entscheidung zu den Einschränkungen in der Region getroffen werden solle.

In den Kreisen Gütersloh und Warendorf war nach dem Ausbruch des Coronavirus in dem Tönnies-Werk mit mehr als 1500 infizierten Mitarbeitern bis zum 30. Juni ein eingeschränkter Lockdown verkündet worden. Die wichtige Kennziffer der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage war in den beiden Kreisen, in denen viele Tönnies-Mitarbeiter wohnen, über den Wert von 50 gestiegen. Im Kreis Warendorf liegt er inzwischen aber schon wieder sehr deutlich unter dieser Marke.

Von den Tests in der Allgemeinbevölkerung erhofft sich das Gesundheitsministerium ein Bild, inwieweit sich das Virus ausgebreitet hat. Da der regionale Lockdown bis zum 30. Juni befristet ist, muss spätestens am Dienstag eine Entscheidung über Auslaufen oder Verlängerung fallen.

(felt/dpa/AFP)