1. Panorama
  2. Coronavirus

Niederländischer Kulturbetrieb protestiert gegen ungleichen Lockdown

Haareschneiden im Konzertsaal : Niederländischer Kulturbetrieb protestiert gegen Lockdown

Haarschnitte im Konzertsaal und Nagelbehandlungen im Museum: In den Niederlanden haben sich Kulturschaffende eine besondere Form des Protests einfallen lassen.

Auf kreative Weise hat der Kulturbetrieb in den Niederlanden gegen die staatlichen Corona-Bestimmungen protestiert. Das Land befindet sich seit Mitte Dezember in einem strikten Lockdown, am Freitag hatten die Behörden Erleichterungen für Unternehmen wie Friseure, Fitnessstudios und eine Reihe von Geschäften bekanntgegeben, während Museen, Theater, Kinos sowie Bars und Restaurants weiter geschlossen bleiben mussten.

Um dagegen zu protestieren, verwandelten sich einige Kultureinrichtungen am Mittwoch etwa zu Friseursalons oder Nagelstudios. Im Amsterdamer Concertgebouw konnten sich Menschen zu Orchestermusik die Haare schneiden lassen, auch im Van-Gogh-Museum der niederländischen Hauptstadt gab es Haarschnitte und es wurde an Nägeln gefeilt, um das Öffnungsverbot zu umgehen. Ähnlich handhabten es andere Betriebe.

„Wir verstehen das nicht und es gibt keinen Grund dafür, weil wir in den vergangenen zwei Jahren gezeigt haben, dass es sehr, sehr sicher ist, ein Konzert zu besuchen oder ins Museum zu gehen“, sagte Concertgebouw-Direktor Simon Reinink. „Wir wissen, wie man mit großen Menschenmengen umgeht. Und wir haben es auf sehr, sehr sichere Weise gemacht“, fügte er hinzu.

Die Direktorin des Van-Gogh-Museums, Emilie Gordenker, sagte der Nachrichtenagentur AP: „Es ist definitiv ein erstes Mal für uns im Van-Gogh-Museum.“ Sie verstehe, dass die Regierung Fitnessstudios geöffnet habe, es brauche jedoch auch ein „mentales Fitnessstudio“ - und ein Museum sei ein Ort, an den Menschen kämen, um Tiefe oder Sinn zu finden. „Und das Thema psychische Gesundheit ist für unser Museum offensichtlich besonders relevant, wegen Vincent Van Goghs eigener psychischer Situation.“

Die niederländische Regierung hat angekündigt, bald über weitere Erleicherungen nachzudenken. Während die Infektionsrate befeuert von der Omikron-Variante des Coronavirus auf in der Pandemie ungekannte Höhen klettert, geht die Zahl der Krankenhauseinweisungen weiter zurück.

Die Kultur-Staatssekretärin Günay Uslu erklärte in einem Tweet, sie verstehe den Hilferuf und dass Künstler all die schönen Dinge zeigen wollten, die sie anzubieten hätten. „Aber die Öffnung der Gesellschaft muss Schritt für Schritt erfolgen. Kultur steht weit oben auf der Agenda.“

(chal/dpa)