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Nach Kritik: Stefan Seibert verteidigt Corona-Appell der Kanzlerin im Podcast

Kritik an Podcast-Folge : Seibert verteidigt Corona-Appell der Kanzlerin

Regierungssprecher Steffen Seibert hat die Worte von Kanzlerin Merkel in ihrem wöchentlichen Podcast zur Eindämmung der Pandemie verteidigt. Der deutsche Ärztepräsident hatte den Appell wegen möglicher Verunsicherung der Bevölkerung kritisiert.

Es sei für die Kanzlerin eine zusätzliche Möglichkeit gewesen, ihre Gedanken zu dem, was in dieser konkreten Phase der Pandemie notwendig sei, darzulegen, sagte Seibert am Montag in Berlin.

„Wenn Deutschland durch die ersten Monate der Pandemie vergleichsweise gut durchgekommen ist, dann hatte das zwei Gründe: Politisches Handeln von Bund, Ländern und Kommunen ist der eine, und die Leistung der Bürger ist der andere Grund.“ Die Tatsache, dass eine übergroße Mehrheit Regeln befolge, Einschränkungen auf sich nehme, Zurückhaltung bei Kontakten auferlege, „das hat uns vor vielem bewahrt“.

In einem demokratischen Land trügen die Bürger Verantwortung. Ihre Einsicht und Vernunft entscheide mit darüber, wie das Land die Pandemie in den Griff bekomme. In einer Demokratie sei es normal und richtig, dass sich die Bundeskanzlerin auch mal in dieser Form direkt an die Bürger wende. Das ersetze nicht politisches Handeln. Das finde statt - die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder hätten dies bei ihrer Konferenz Mitte vergangener Woche bewiesen.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt hatte zuvor mit Blick auf den Podcast Merkels gewarnt, die Bevölkerung zu verunsichern. Er wolle keine Entwarnung oder übertriebene Gelassenheit verbreiten. „Aber ich finde, man kann den Menschen nicht in einer Tour Angst machen“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer im Deutschlandfunk. Teile der Bevölkerung könnten anfangen, die Warnungen nicht mehr ernst zu nehmen.

Merkel hatte die Bürger in ihrer am Samstag ausgestrahlten, wöchentlichen Videobotschaft eindringlich um Mithilfe bei der Bekämpfung der Pandemie aufgerufen. Sie bat unter anderem, auf Reisen und Feiern zu verzichten, die „nicht wirklich zwingend notwendig“ seien. Es zähle jetzt jeder Tag.

„Ich glaube, dass diese Vorstellung, dass man dieses Virus ganz vertreiben kann, eine irrige ist“, sagte Reinhardt. Man müsse lernen, mit einer Zunahme der Infektionszahlen umzugehen und zu leben.

(ahar/dpa)