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Maskenpflicht: Italien bittet Influencer-Paar um Hilfe in Corona-Krise

„Benutzt die Maske!“ : Rom bittet Influencer-Paar um Hilfe in Corona-Krise

Die Corona-Lage in Italien wird wieder kritisch, insbesondere in der Lombardei. Die Regierung hat sich nun an das bekannteste Influencer-Paar des Landes gewandt, um die Ansteckungen unter jungen Leuten in den Griff zu bekommen.

Der Rapper Fedez (31) erzählt dazu in einem am Montag veröffentlichten Video auf Instagram, Regierungschef Giuseppe Conte habe ihn und seine Frau Chiara Ferragni (33) um Hilfe gebeten. Es sei ein „sehr unerwarteter“ Anruf gewesen. Im selben Film startet Fedez einen Aufruf, sich an die nationale Maskenpflicht zu halten. Andere Politiker lobten das Paar am Dienstag.

„Leute, wir sind in einer sehr, sehr, sehr heiklen Situation“, sagt der Musiker im Film. Das Mittelmeerland könne sich keinen neuen Lockdown wie im Frühjahr erlauben. Es liege „in der individuellen Verantwortung eines jeden von uns“, die Lage zu ändern. „Mit einer einfachen Geste könnten wir irgendwie eines der schlimmsten Szenarien vermeiden.“ Und - mit einem Mundschutz in der Hand - appelliert er: „Benutzt die Maske!“

Die Mode-Influencerin und Unternehmerin Ferragni ist in dem Video nicht zu sehen. Das Paar lebt viel in Mailand, der Hauptstadt der Lombardei. Diese Region wurde von der ersten Corona-Welle in Italien hart getroffen. Auch jetzt ist dort die Lage wieder besonders kritisch. Politiker und Experten gehen davon aus, dass junge Leute mit ihrem teils sorglosen Nachtleben die neue Ansteckungswelle mit befeuern.

Die norditalienische Lombardei plant wegen drastisch steigender Corona-Zahlen nächtliche Ausgangsverbote, die am Donnerstag beginnen sollen. Nach Medienberichten sollten die Bürger dort zwischen 23 Uhr und 5 Uhr ihr Haus nur noch aus wichtigem Grund - wie Arbeit oder Krankheit - verlassen dürfen. Die Lombardei, die auch bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr stark betroffen war, habe eine solche Verschärfung der Maßnahmen bei der Regierung in Rom beantragt, schrieb die Zeitung „Corriere della Sera“.

Italiens Gesundheitsminister Roberto Speranza teilte am Montagabend mit, er sei grundsätzlich einverstanden mit „restriktiveren Maßnahmen“ in der Region. Er habe mit dem Regionalpräsidenten Attilio Fontana und dem Bürgermeister der Metropole Mailand, Giuseppe Sala, darüber gesprochen. Der Minister nannte keine konkreten Punkte. „Wir werden in den nächsten Stunden gemeinsam daran arbeiten“, schrieb er. Rom hatte am Wochenende einige Anti-Corona-Maßnahmen verschärft. Regierungschef Giuseppe Conte betonte jedoch, ein nationaler Lockdown wie im Frühjahr solle vermieden werden. Einige Regionalpolitiker kritisierten das Vorgehen Roms als zu zögerlich.

Den Berichten zufolge soll in der ökonomisch starken Lombardei mit rund zehn Millionen Einwohnern auch ein Teil des Einzelhandels, der keine Lebensmittel verkauft, an Wochenenden geschlossen werden. Der für Gesundheit zuständige Regionalkommissar Giulio Gallera warnte nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa am Dienstag im Radio vor einer erneuten Überlastung der Krankenhäuser. Wenn der Trend nicht gestoppt werde, könnten Ende Oktober rund 4000 Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern der Region liegen. Derzeit sind es rund 1100 Menschen.

(lha/dpa)