1. Panorama
  2. Coronavirus

Lebensmittel in Corona-Pandemie: Umsatzhoch für Supermärkte, Hungerlöhne für Arbeiter

Ungleichheit in der Lebensmittelindustrie : Studie sieht Umsatzhoch für Supermärkte und Hungerlöhne für Arbeiter

Besonders in Corona-Zeiten herrscht eine große Ungleichheit im globalen Lebensmittelhandel. Während Supermärkte in Deutschland hohe Umsätze gemacht haben, waren viele Arbeite in ärmeren Ländern von Jobverlust und Corona bedroht.

Die Corona-Pandemie hat laut Oxfam die globale Ungleichheit im Lebensmittelhandel verschärft. Deutsche Supermärkte und Discounter wie Lidl, Aldi, Edeka und Rewe hätten im vergangenen Jahr einen „Umsatzboom“ erlebt, erklärte die Entwicklungsorganisation bei der Vorstellung einer Studie am Dienstag in Berlin. Gleichzeitig hätten viele Produzenten in ärmeren Ländern ihren Job verloren oder seien nur unzureichend vor Corona geschützt. Oxfam fordert Änderungen im System.

„Während die Supermarktketten Kasse machten, kämpfen die Arbeiter und Arbeiterinnen, die unser Essen herstellen, um ihre Existenz“, sagte Tim Zahn, Experte für Wirtschaft und Menschenrechte. Für den Bericht untersuchte Oxfam die Arbeitsbedingungen auf Teeplantagen im indischen Assam, auf brasilianischen Kaffeeplantagen sowie auf Traubenfeldern in Südafrika und in der Fischereiindustrie in Thailand.

Der Recherche zufolge reicht der Lohn in den untersuchten Produktionsstätten oft nicht zum Überleben. Teepflückerinnen und Teepflücker in Assam erhielten beispielsweise umgerechnet weniger als zwei Euro pro Tag. Ein existenzsichernder Lohn liege derzeit bei bei täglich rund 10 Euro. Auch auf brasilianischen Kaffeeplantagen und südafrikanischen Traubenfeldern reiche das Gehalt nicht aus, um die Grundbedürfnisse zu befriedigen. Frauen würden auf vielen Plantagen noch schlechter bezahlt als Männer.

Besonders schwer wiegen die Vorwürfe gegen einige Kaffeeplantagenbesitzer in Brasilien. Arbeiterinnen und Arbeiter hätten von extremer körperlicher Arbeit, Unterkünften ohne fließendes Wasser sowie fehlendem Schutz gegen Pestizide und das Coronavirus berichtet. Dem Bericht zufolge hat Oxfam Belege auch für Verbindungen zu deutschen Supermärkten.

Die Ungleichheit im globalen Lebensmittelhandel bestehe schon lange, habe sich aber durch die Pandemie verschärft, erklärte Oxfam. Während viele Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Jobs verloren hätten, seien die Umsätze von deutschen Supermärkten und Discountern um bis zu 17 Prozent gestiegen. „Allein die Pandemiegewinne der Eigentümer von Aldi Süd hätten ausgereicht, um rund vier Millionen Beschäftigten im brasilianischen Kaffeesektor existenzsichernde Löhne zu zahlen“, sagte Zahn.

Alle Arbeiterinnen und Arbeiter in Lieferketten müssten kostenlose Corona-Schutzkleidung bekommen, forderte Oxfam. Außerdem müssen die Supermarktketten ihr Geschäftsmodell verändern, sodass die Beschäftigten in den globalen Lieferketten von ihrer Arbeit leben können und ihre Rechte geachtet werden.

(c-st/epd)