1. Panorama
  2. Coronavirus

Lauterbach plant PCR-Tests nur noch für wichtige Berufe

Sorgen wegen Omikron-Welle : Lauterbach plant PCR-Tests nur noch für wichtige Berufe

Karl Lauterbach will nun die Tests und auch bei der Kontaktverfolgung priorisieren. Anders könne man die Omikron-Welle nicht abarbeiten. Er rechnet mit Hunderttausenden Infektionen pro Tag. Am Montag beraten die Ministerpräsidenten über seine Pläne.

Die Omikron-Welle treibt die Infektionszahlen weiter in die Höhe: In Nordrhein-Westfalen wurden am Freitag binnen 24 Stunden 28.000 Neuinfizierte gemeldet, am Samstagmorgen waren es erneut knapp 27.700. Um eine Überlastung der Labore zu verhindern, soll nun die Nutzung von PCR-Tests drastisch eingeschränkt werden. Nur Mitarbeiter mit wichtigen Berufen sollen sie noch nutzen. „Mein Vorschlag für die Ministerpräsidentenkonferenz sieht vor, dass künftig nur noch Beschäftigte der kritischen Infrastruktur einen positiven Schnelltest mit einem PCR-Test bestätigen lassen können. Alle anderen Menschen, die beispielsweise zu Hause einen positiven Schnelltest hatten, sollen diesen im Testzentrum nur noch mit einem professionellen Antigen-Schnelltest bestätigen lassen“, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) unserer Redaktion.

Umstritten ist noch, wer zu den wichtigen Berufen zählt. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein dringt darauf, dass auch niedergelassene Ärzte und ihre Mitarbeiter aufgenommen werden. Am Montag beraten die Länder mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) über die Corona-Lage. Eine Verschärfung der Maßnahmen ist nicht geplant, wie Franziska Giffey, Regierende Bürgermeisterin von Berlin, sagte. Sie kann sich allenfalls eine neue FFP2-Maskenpflicht für den Handel vorstellen.

In Nordrhein-Westfalen ist die Überlastung der Labore für Familien mit Grundschulkindern ein großes Problem. Die Auswertung der schulischen Pool-Tests, die auf PCR-Basis erfolgen, verzögern sich immer wieder. Deshalb müssen oft gesunde Kinder lange zu Hause bleiben, bis das individuelle Testergebnis vorliegt. In der nächsten Woche müssen sich Schüler und Eltern auf weitere Verzögerungen einstellen, wie aus einem Schreiben des Düsseldorfer Labors Zotz/Klimas an die Corona-Beauftragten der Schulen hervorgeht: „Die Ergebnisse der Einzeltestungen werden voraussichtlich eine Bearbeitung bis zum zweiten Folgetag in Anspruch nehmen.“ Zur Begründung heißt es: „In Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium müssen wir derzeit die Proben der öffentlichen Behörde, insbesondere der kritischen Infrastruktur, priorisiert bearbeiten“, heißt es in dem Schreiben.

SPD-Fraktionsvize Lisa-Kristin Kapteinat warf Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) vor, dem Landtag nicht die Wahrheit gesagt zu haben: „Offenbar gibt es da bereits eine Abstimmung zwischen seinem Ministerium und den Labors. So lässt sich das vorliegende Schreiben jedenfalls deuten.“ Im Gesundheitsausschuss habe Laumann noch anderes behauptet. Kapteinat forderte eine Klarstellung, ob bereits priorisiert werde. Laumann hatte unlängst eine Priorisierung der Tests begrüßt und diese auch für die Kontaktverfolgung angeregt. Die Gesundheitsämter sollten sich stärker auf gefährdete Gruppen – etwa in Pflegeheimen – konzentrieren.

  • Die Labore sind wegen Omikron überlastet.
    Überlastung der Labore durch Omikron : Ärzte fordern Ende der PCR-Testpflicht
  • Auf einem Handy zeigt die Corona-Warn-App
    Wermelskirchen in der Corona-Pandemie : Was tun bei roter Corona-Warn-App?
  • Lolli-Tests für Kita-Kinder: Ob und welche
    Langenfeld : PCR-Lolli-Tests für Kitas gefordert

Der Bundesgesundheitsminister rechnet schon bald mit mehreren Hunderttausend Neuinfektionen pro Tag. „Das wird kein Gesundheitsamt mehr abarbeiten können, auch nicht mithilfe der Bundeswehr. Wir brauchen daher schnellstmöglich einen Fokus der Kontaktnachverfolgung, zum Beispiel bei Lehrkräften, medizinischem Personal, Beschäftigten von Energie- und Wasserversorgern, Einsatzkräften und anderen Bereichen der kritischen Infrastruktur“, so Lauterbach.

Das ganze Interview mit Karl Lauterbach können Sie hier lesen.

Patientenschützer haben mit Blick auf die PCR-Test-Knappheit vor einer Benachteiligung der Corona-Risikogruppe gewarnt: „Hochbetagte, Pflegebedürftige, Schwerstkranke und ihre Angehörigen müssen bei der PCR-Testung an erster Stelle stehen“, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). Kern aller Pandemie-Maßnahmen sei der Schutz der am stärksten gefährdeten Menschen. „Jetzt nur Berufsgruppen bei den Labortests vorrangig zu behandeln, kann diesem gesellschaftlichen Anspruch gar nicht gerecht werden“, sagte Brysch.

Bund und Länder müssten die Priorisierung der Gefährdeten „in der Test-Verordnung unmissverständlich regeln“, mahnte Brysch. „Denn sie sind auch für die viel zu geringen PCR-Test-Kapazitäten verantwortlich.“ Es sei „absurd, dass die Stadt Wien mehr Labortests durchführt als ganz Deutschland“.

Der Patientenschützer regte überdies an, jüngeren und damit weniger gefährdeten Menschen den Infizierten- beziehungsweise Genesenen-Status künftig auch ohne PCR-Test zu gewähren, um der akuten Knappheit zu begegnen. „Bei den aktuell hohen Inzidenzen muss politisch darüber nachgedacht werden, die unter 30-Jährigen aus der PCR-Pflicht am Anfang der Corona-Infektion zu entlassen“, sagte der Stiftungsvorstand. Die Bürgertests seien ausreichend genau, um Quarantäne-Maßnahmen anzuordnen.

Mit Agenturmaterial.