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Kino in Corona-Zeiten: Vorbereitungen auf eine Wiedereröffnung laufen

Schutz- und Hygieneplan : Wie sich deutsche Kinos auf eine Wiederöffnung vorbereiten

Seit bald acht Wochen stehen die Kinos in Deutschland leer, mit gravierenden finanziellen Folgen. Um die Wiederöffnung zu beschleunigen, haben die Lichtspielhäuser umfangreiche Schutz- und Hygiene-Konzepte erarbeitet.

Je länger der Corona-Lockdown dauert, desto nervöser werden die Kinobetreiber. Denn ihre Kosten laufen weiter, während bei geschlossenen Kinosälen praktisch keine Einnahmen erzielt werden. Der Branchenverband HDF Kino schätzt, dass die deutschen Filmtheater aufgrund der Komplettsperrung jede Woche Ertragsverluste von 17 Millionen Euro erleiden. Zwar haben Bund, Länder und Fördereinrichtungen Hilfsprogramme aufgelegt, doch diese erreichen nicht alle Arten von Kinos. Umso dringlicher werden die Rufe der Kinobetreiber nach einem Signal für eine baldige Wiedereröffnung.

Im Gegensatz zu Portugal oder Österreich, wurde den Kinobetreibern in Deutschland bisher kein Datum dafür in Aussicht gestellt. Während Museen, Freizeitparks und Zoos gerade wieder grünes Licht bekommen haben, könnte es aber noch länger dauern, bis die Leinwände wieder bespielt werden dürfen. Ende April haben Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen einen gemeinsamen Plan vorgelegt, wie Kultur, Tourismus und Gastronomie wieder ins Laufen gebracht werden können. Dieser sieht erst im dritten Schritt, nach der Öffnung von Restaurants, Cafes und Biergärten, eine Freigabe auch für Kinos und Theater vor.

In der Zwischenzeit haben die Branchenverbände HDF Kino und AG Kino einen Schutz- und Hygieneplan für die Wiederöffnung ihrer Mitgliedsbetriebe entwickelt. Darin geht es einmal um den Schutz der Mitarbeitenden. Neben den üblichen Hinweisen auf Abstandsregeln, Handhygiene, Husten- und Niesetikette sowie Schutzmasken und Handschuhe sind der Einsatz von Schutzscheiben an Kassen und Tresen, kontaktlose Ticketkontrollen und kürzere Reinigungsintervalle in den Kinos vorgesehen.

Zum Schutz der Besucher empfehlen die Verbände, die Abstandsregelungen strikt einzuhalten. Das heißt, feste Sitzplätze zuweisen, Sitze freilassen und Saalauslastung beschränken, zeitversetzter Filmbeginn und Auslass durch die Notausgänge. Zudem sollen Kunden Tickets vorrangig online kaufen und Snacks und Getränke kontaktlos zahlen. Weiter wird empfohlen, Säle und Foyers regelmäßig zu lüften. Eine Übertragung von Coronaviren über Lüftungs- und Klimaanlagen gilt nach dem Plan als nahezu ausgeschlossen.

Laut dem Geschäftsführer von Cineplex Deutschland, Kim Ludolf Koch, ist die Einhaltung dieser möglichen Auflagen unproblematisch. „Die Besucher sitzen im Kinosaal mit entsprechendem Abstand und womöglich noch mit Maske. Während der Vorführung wird nicht gesprochen, und alle schauen in eine Richtung.“ Damit sei das Risiko einer Ansteckung in den Lichtspielhäusern deutlich geringer als etwa in der Gastronomie, die vorher öffnen dürfe. „Innerhalb der Öffentlichkeit gibt es kaum einen sichereren Ort als das Kino“, so Koch.

Sollte das Hygienekonzept nicht angenommen werden, hätte dies nach Ansicht des Betreiberverbandes verheerende Folgen für viele Kinos. In einer Mitgliederbefragung unter den bundesweit 1.734 Lichtspielhäusern vom 15. April gaben erste Betriebe an, dass sie ohne weitere Hilfen in den kommenden vier Wochen Insolvenz anmelden müssten. 58 Prozent der befragten Kinos erklärten, dass sie nur noch zwei bis drei Monate durchhalten könnten. „Wenn diese Kinos jetzt von der Landschaft verschwinden, werden sie unwiederbringlich verloren sein“, warnte der Vorsitzende der AG Kino, Christian Bräuer.

Von Seiten der Verbraucher würde die Öffnung der Kinos indessen vorrangig gewünscht. Laut einer Umfrage des Unternehmens S&L Research unter 865 Kinogängern gaben 93 Prozent der Befragten an „sehr wahrscheinlich“ oder zumindest „wahrscheinlich“ bald wieder ins Kino gehen zu wollen. Knapp dahinter folgte mit 91 Prozent der Restaurantbesuch; die Werte für Fitnesscenter (71 Prozent), Sportveranstaltungen (54 Prozent) und Diskotheken (51 Prozent) lagen teils deutlich darunter.

Auf wenig Gegenliebe stieß allerdings die Aussicht, für neue Sicherheitsstandards mehr bezahlen zu müssen: 40 Prozent der Befragten lehnten einen deswegen erhöhten Eintrittspreis ab, nur 29 Prozent würden dies akzeptieren.

(ala/kna)