1. Panorama
  2. Coronavirus

Kinderkrankentage: Anspruch, Antrag & Steuern - Infos für Familien

Anspruch, Antrag, Steuern... : Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Kinderkrankentagen

Um Eltern den Lockdown zu erleichtern, gibt der Bundestag grünes Licht für die Verdoppelung der Kinderkrankentage. NRW übernimmt die Regelung für seine Beamten. Selbstständige gehen leer aus, für sie gibt es eine magerere Alternative.

Der lange Lockdown stellt Eltern und Kinder vor besondere Herausforderungen. Seit Mitte Dezember sind Schulen wie Kitas bundesweit geschlossen und bieten allenfalls Notbetreuungen an. Angesichts der Infektionslage dürfte sich der Lockdown im Februar wohl fortsetzen, auch wenn NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer anderes in Aussicht gestellt hat. Um Eltern zu entlasten, hat der Bundestag nun mit breiter Mehrheit die Verdoppelung der Kinderkrankentage beschlossen.

Diese Geschichte gibt es auch zum Hören - exklusiv für Sie. Abonnieren Sie jetzt unsere RP Audio-Artikel in Ihrer Podcast-App!

Was sind Kinderkrankentage?

Die gesetzlichen Krankenversicherungen zahlen Eltern, die wegen der Krankheit eines Kindes unter zwölf Jahren nicht arbeiten können, einen Ausgleich von 90 Prozent des Nettoverdienstes. In diesem Jahr soll es das Geld auch geben, wenn Eltern wegen Schul- und Kitaschließung nicht wie gewohnt arbeiten können. Die Bundesregierung wolle es Eltern ermöglichen, „sich unkompliziert und ohne finanzielle Verluste um ihre Kinder zu Hause zu kümmern", erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Wie viele Tage gibt es?

Die Zahl der Kinderkrankentage wird in diesem Jahr pro Elternteil von zehn auf 20 Tage pro Kind verdoppelt. Alleinerziehende erhalten entsprechend 40 Kinderkrankentage pro Kind. Das Gesundheitsministerium rechnet vor: „Elternpaare oder Alleinerziehende mit zwei Kindern haben Anspruch auf maximal 80 Kinderkrankentage. Bei weiteren Kindern erhöht sich der Anspruch noch einmal um zehn Tage auf dann maximal 90 Tage – egal, wie viele Kinder in der Familie leben.“ Bei Kindern mit Behinderung wird das Geld auch gezahlt, wenn sie älter als zwölf Jahre sind. Die Regelung tritt rückwirkend zum 5. Januar in Kraft.

Was ist, wenn die Schule oder Kita Notbetreuung anbietet?

Dann besteht ebenfalls Anspruch auf Hilfe. Denn das Kinderkrankengeld soll es ausdrücklich auch geben, wenn der Zugang zu Kita oder Schule eingeschränkt ist oder Eltern gebeten wurden, ihre Kinder wegen der Pandemie-Bekämpfung nicht in die Einrichtung zu bringen.

Gibt es das Geld auch, wenn der Arbeitgeber Homeoffice erlaubt?

Ja. Denn die Praxis zeigt, dass sich Homeoffice und die Betreuung gerade kleiner Kinder nicht über Wochen vereinbaren lassen. Ausdrücklich heißt es deshalb in der Gesetzesbegründung: „Der Anspruch besteht unabhängig davon, ob die geschuldete Arbeitsleistung nicht auch grundsätzlich im Homeoffice erbracht werden kann.“

Wie kann ich das Geld beantragen?

Eltern können das Geld bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse beantragen. Sie müssen dazu eine Bescheinigung der Schule oder Kita vorlegen, dass diese geschlossen oder den Betrieb eingeschränkt hat.

Wann habe ich keinen Anspruch?

Das Geld gibt es nur, wenn es keine andere Person im Haushalt gibt, die das Kind betreuen kann. Und: Wer eine staatliche Entschädigung (Lohnersatzleistung nach dem Infektionsschutzgesetz) beantragt hat, weil Schule oder Kita geschlossen sind, kann ebenfalls kein Kinderkrankengeld beantragen. Beide Leistungen gleichzeitig gibt es nicht.

Was ist mit Privatversicherten?

Sie gehen beim Kinderkrankengeld leer aus. Sie können aber ihren Anspruch nach Paragraf 56 Infektionsschutzgesetz geltend machen. Danach gibt es aber nur 67 Prozent des Nettolohns, maximal 2016 Euro pro Monat. Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter fordert daher, dass die Neuregelung beim Kinderkrankengeld auch für Eltern gelten müsse, die nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung seien - wie etwa kleine Selbstständige. NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) fordert, die Regelung müsse auch für die Kindertagespflege gelten. Kritisch sehe er auch, dass Beamte, Selbstständige und Freiberufler „leider nicht berücksichtigt“ seien. Die Landesregierung suche nach Lösungen, damit alle erwerbstätigen Eltern entlastet würden.

Was ist mit Beamten in NRW?

Das Land will für seine Polizisten, Lehrer und andere Beamte nun ebenfalls großzügig Kinderkrankentage ermöglichen. „Nordrhein-Westfalen plant, eine solche Regelung zu übernehmen und damit ebenfalls einzuführen“, erklärte der Sprecher des Innenministeriums.

Wer bezahlt das?

Erst einmal die Krankenkassen, doch sie sollen dafür einen höheren Zuschuss vom Bund erhalten. Als erstes sollen die Kassen bis April einen Zuschuss von 300 Millionen Euro bekommen.

Wie wird das Kinderkrankengeld versteuert?

Das Kinderkrankengeld ist grundsätzlich steuerfrei, da es eine Lohnersatzleistung der Krankenkasse ist. Es unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt, das heißt: Es kann den Steuersatz bei der Besteuerung anderer Einkommen erhöhen. Der Arbeitnehmer muss das Kinderkrankengeld daher in seiner Einkommensteuererklärung angeben.