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Kinder-Impfung: Ärztevertreter beklagen „Demontage“ der Stiko

Beschluss zu Impfungen von Jugendlichen : Ärztevertreter beklagen „Demontage“ der Ständigen Impfkommission

Die Gesundheitsminister haben beschlossen, Jugendlichen ab zwölf Jahren verstärkt Corona-Impfungen anzubieten. Diese Entscheidung sorgt weiter für heftige Reaktionen.

In einer gemeinsamen Stellungnahme kritisierten der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte und der Virchowbund, in dem niedergelassene Ärzte und Ärztinnen organisiert sind, am Dienstag eine „Demontage“ der Ständigen Impfkommission (Stiko) durch die Politik.

„Bei aller berechtigten Kritik an der Transparenz der Entscheidungen, der Kommunikation und Geschwindigkeit der Stiko lehnen wir den gestrigen faktischen Eingriff in die wissenschaftliche Unabhängigkeit ab und weisen ihn zurück“, erklärten die beiden Verbände. Die Stiko sei eine „bewährte Institution“ und werde durch dieses Vorgehen geschwächt.

„In dieser Phase der Pandemie müssen wir in Deutschland alles tun, um die Impfbereitschaft gerade der Erwachsenen zu erhöhen“, erklärten die Ärzteverbände weiter. Es sei kontraproduktiv, die unabhängigen und wissenschaftlich begründeten Empfehlungen der Stiko in Frage zu stellen.

Die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern hatten am Montagabend entschieden, Jugendlichen ab zwölf Jahren ein breites Angebot für Corona-Impfungen in Arztpraxen, Impfzentren und Schulen zu geben. Die Stiko empfiehlt die Impfung für Zwölf- bis 17-Jährige allerdings bisher nur bei Vorliegen besonderer Risiken. Eine überarbeitete Empfehlung wird im Laufe des Monats erwartet.

Die beiden Ärzteverbände mahnten das Gremium zur Eile. Sie begrüßten, dass die Stiko nunmehr „in den nächsten Tagen“ eine neue Empfehlung abgeben werde. „Beide Verbände halten dies allerdings auch für überfällig“, hieß es in der gemeinsamen Stellungnahme.

(hebu/AFP)