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Intensivstation in Deutschland: Wie Patienten verteilt werden

Operation Kleeblatt : Wie Intensivpatienten innerhalb Deutschlands verteilt werden

Schon seit Wochen spitzt sich die Lage auf den Intensivstationen zu. Besonders dramatisch ist die Lage in Bayern und Ostdeutschland. Patienten müssen in andere Bundesländer verlegt werden.

Erstmals in der vierten Corona-Welle sollen in den kommenden Tagen Dutzende Intensivpatienten bundesweit verlegt werden. Das derzeit besonders betroffene Bayern und mehrere Ost-Bundesländer aktivierten dafür das sogenannte Kleeblatt-Konzept. Doch was ist das eigentlich - und was bedeutet das für Patienten?

Wie funktioniert das Kleeblatt-System?

Das System wurde vor dem Hintergrund der ersten Corona-Welle 2020 eingeführt. Die Idee: Um Überforderungen bei einzelnen Krankenhäusern zu vermeiden, sollen innerhalb eines Kleeblatts, dem meist noch Nachbarbundesländer angehören, unkompliziert Patienten-Verlegungen möglich sein. Nach Angaben der Intensivmedizinervereinigung Divi passiert das schon seit Anfang Oktober in großer Zahl. Ist das innerhalb eines Kleeblatts nicht mehr möglich, sollen bundesweite Verlegungen möglich sein. Dafür muss das System politisch „aktiviert“ werden. Dann wird zwischen Bund, Ländern und Experten des Robert-Koch-Instituts koordiniert, welches Bundesland noch Kapazitäten hat, in welches Krankenhaus die Patienten bestenfalls sollen und welche Transportmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Von wo nach wo wird nun verlegt?

Aktiviert wurde das System laut Divi nun durch das besonders von Corona betroffene Bayern, sowie durch Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Berlin. Bayern bildet das Kleeblatt Süd, die anderen Länder bilden gemeinsam mit Sachsen-Anhalt das Kleeblatt Ost. Von dort sollen nun in den kommenden Tagen rund 80 Patienten bundesweit verlegt werden - vornehmlich in Regionen, die weniger stark von der Corona-Pandemie betroffen sind. Die Planungen dazu starteten am Mittwoch, hieß es von der Divi.

Aus Bayern werden in den kommenden Tagen voraussichtlich 50 Corona-Intensivpatienten verlegt. Etwa zehn davon könnten allein aus München kommen. Wann und wohin sie verlegt werden war nach Angaben des bayerischen Kleeblatt-Koordinators am Mittwoch noch unklar. Aus Thüringen sollen in den kommenden Tagen zehn Patienten nach Schleswig-Holstein kommen. Weitere Anfragen in Richtung Hamburg, Bremen und Niedersachsen seien gestellt worden, hieß es aus dem dortigen Gesundheitsministerium. Betroffen seien vor allem der Südwesten und die Mitte des Freistaats. Aus Sachsen sollen 20 Patienten, vorzugsweise aus dem Krankenhaus-Cluster Chemnitz, verlegt werden. Berlin plante zunächst keine Verlegungen.

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Wieso wurde die Aktivierung nötig?

In den betroffenen Kleeblättern sind die Intensivstationen in den vergangenen Wochen vollgelaufen. In Bayern, Berlin, Sachsen oder Sachsen-Anhalt war am Mittwoch weniger als jedes zehnte Intensivbett noch frei. In Bayern, Sachsen und Thüringen waren obendrein je rund ein Drittel der Betten mit Covid-19-Patienten belegt. „Es ist jetzt wirklich Alarmstufe Rot“, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums von Sachsen-Anhalt, an das die Koordination des Kleeblatts Ost angedockt ist. Zwar seien in einigen Kreisen noch Intensivbetten frei hieß es aus Thüringen - diese müssten aber auch frei gehalten werden, um weiter Unfallpatienten versorgen zu können.

Wer ist von Verlegungen betroffen?

Von den ersten rund 80 geplanten Verlegungen entfällt der Großteil auf Covid-19-Patienten, wie der Vorsitzenden des Arbeitskreises der Innenministerkonferenz für Feuerwehrangelegenheiten, Rettungswesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung, Hermann Schröder, mitteilte. Nur in Ausnahmefällen könnten Patienten mit anderen Erkrankungen verlegt werden. Generell sieht das Kleeblatt-Konzept laut einem Kriterienkatalog der Divi nur die Verlegung von Covid-Patienten vor. Die Patienten sollen auch in einem stabilen Zustand sein und nicht bereits länger an einer künstlichen Lunge liegen. Etwa schwer Erkrankte, die in Bauchlage beatmet würden, seien nicht transportfähig, sagte die Leiterin der Krankenhauskoordinierung in München, Viktoria Bogner-Flatz.

Wie läuft der Transport ab?

Angesichts der weiten Strecke müssen sich beispielsweise Thüringer Patienten wohl auf einen Transport per Helikopter einstellen, hieß es aus dem dortigen Gesundheitsministerium. Das sei aber vom Zustand der Patienten abhängig. Auch in Bayern werden zum Ende der Woche oder zum Wochenende erste Transporte per Hubschrauber, mit Bundeswehr-Maschinen oder zu Lande erwartet.

Nicht immer werde über den Luftweg verlegt, teilte eine Sprecherin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit. Bei schlechtem Wetter könne auch ein Transport auf dem Land sinnvoll sein. Dafür gibt es speziell ausgestattete Intensivtransportwagen, die in der Regel nicht weiter aufgerüstet werden müssen. Werden irgendwo zusätzliche Transportkapazitäten benötigt, können die Länder das über das Gemeinsame Melde- und Lagezentrums von Bund und Ländern (GMLZ) abfragen.

Wie ist die Lage in den besonders betroffenen Regionen?

Mediziner und für die Verlegung Verantwortliche zeichnen ein alarmierendes Bild. „Manchmal haben wir in München nicht ein einziges Intensivbett frei. Wir telefonieren stundenlang, um Patienten unterzubringen, die eventuell noch im Schockraum liegen“, sagte Bogner-Flatz. Schon jetzt würden Patienten früher als sonst von Intensiv- auf Normalstation verlegt und von dort früher nach Hause entlassen - mit allen damit verbundenen Risiken. „Wir haben aufgrund der Notlage Behandlungsstandards aufgeweicht und verlassen müssen - weil wir für manches die Ressourcen die wir bräuchten, nicht bereitstellen können“, sagte Bogner-Flatz. „So eine Verlegung macht man nicht gerne als Intensivmediziner. Aber es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir das tun müssen - weil es noch schlimmer kommt.“

(mba/dpa)