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Impfkampagne: Jens Spahn will Erzieher und Grundschullehrer schneller impfen lassen

Debatte um Corona-Impfung : Spahn will Erzieher und Grundschullehrer schneller impfen lassen

Jens Spahn rechnet damit, dass Erzieher und Grundschullehrer bald geimpft werden können. Weil es gesellschaftlich wichtig sei, dass in Kitas und Grundschulen der Betrieb wieder aufgenommen werden kann, sollten sie bei der Priorisierung vorgezogen werden.

Das sagte Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) am Samstag bei einer Livestream-Veranstaltung, bei der er sich den Fragen der Bürger stellte. Dabei bekräftige er seine Absicht, die Hausärzte in die Impfungen mit einzubeziehen.

Spahn verwies darauf, dass zunächst die Menschen aus der Priorisierungsgruppe eins geimpft werden - zu der vor allem Bürgerinnen und Bürger über 80 gehören. All jenen werde voraussichtlich bis Ende März oder Anfang April ein Impfangebot gemacht werden können. Den Pflegeheimbewohnern sei in den allermeisten Bundesländern bereits ein Angebot unterbreitet worden. Die Erzieher und Grundschullehrer, die bislang der Priorisierungsgruppe drei angehören, sollen nun in die zweite Gruppe höher gestuft werden.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) bekräftige ihr Nein zu einer Änderung ihrer Impf-Empfehlung. Bei der Priorisierung der Reihenfolge stehe nicht eine möglich Infektion mit dem Coronavirus im Vordergrund, sondern das Risiko, schwer zu erkranken, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens bei dem Livestream. Ob jemand schwer erkrankt, hänge aber zuallererst vom Alter ab, und dann von Vorerkrankungen.

Mertens verwies allerdings ausdrücklich darauf, dass die Politik von der Empfehlung der Stiko abweichen könne. Dies müsse dann allerdings gut begründet sein. Das Argument, dass in den Kitas schwieriger Abstand gehalten werden könne, sei zwar plausibel, aber nicht durch Daten belegt.

Spahn kündigte erneut die Einbeziehung der Hausärzte in die Impfungen an, nannte dafür aber keinen Zeitpunkt. Es müssten pro Woche etwa drei bis vier Millionen Dosen geliefert werden, damit das Sinn mache. Dann könnten die Ärzte mehrfach pro Woche Impfsprechstunden anbieten. Die derzeit bereits arbeitenden Impfzentren würden dann immer noch gebraucht. In dieser Woche seien fast zwei Millionen Dosen ausgeliefert worden. "Das wird jetzt deutlich mehr."

Der Bundesgesundheitsminister geht zudem davon aus, dass in den kommenden Wochen und Monaten zwei weitere Impfstoffe zur Verfügung stehen werden. Bei dem Präparat von Johnson & Johnson sei damit in zwei bis vier Wochen zu rechen, bei dem von Curevac im April oder Mai.

Wenn das Präparat von Johnson & Johnson zugelassen ist, will die Stiko nach Angaben von Mertens auch ihre Empfehlung erneut anpassen. Bei dieser Gelegenheit were dann auch alles andere auf den Prüfstand gestellt. Zuletzt hatte die Kommission ihre Empfehlung überarbeitet, nachdem das Präparat von Astrazeneca zugelassen worden war. Die Experten rieten, es nur an Menschen zwischen 18 und 64 Jahren zu verabreichen, weil bei den Älteren nicht genügen Daten zur Wirksamkeit vorlagen.

Zu der Online-Veranstaltung hatten rund 3500 Menschen im Vorfeld Fragen eingereicht. Ähnliche Veranstaltungen hatte das Gesundheitsministerium zuvor mir Medizinern und Pflegekräften abgehalten.

(felt/AFP)