Bald auch Novavax und Moderna erwartet Hohe Nachfrage nach Corona-Impfungen

Düsseldorf · Praxen können seit Montag mit dem angepassten Vakzin von Biontech impfen. Moderna kann über die Kassen nur abgerechnet werden, wenn dies medizinisch begründet ist. Lauterbach ruft zur Impfung auch gegen Influenza auf.

 Karl Lauterbach erhält im Bundeswehrkrankenhaus eine Corona-Auffrischungsimpfung.

Karl Lauterbach erhält im Bundeswehrkrankenhaus eine Corona-Auffrischungsimpfung.

Foto: dpa/Lisi Niesner

Karl Lauterbach war einer der ersten. Der Bundesgesundheitsminister ließ sich am Montag mit dem angepassten Vakzin gegen Corona impfen. „In diesem Herbst werden wir wieder sehr viele Fälle einer Corona-Infektion haben, Personen ab 60 und Risikogruppen sollten sich impfen lassen, am besten auch gleich gegen Influenza“, riet der Bundesgesundheitsminister. Seit Montag wird der Impfstoff ausgeliefert. „Die Nachfrage ist durchaus hoch, es gibt aber genug Vakzin“, sagt Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein.

Wie gefährlich ist Corona noch?

Corona sei keine Erkältung, mahnt Lauterbach. Die Zahl der Klinik-Einweisungen steigt. In der vergangenen Woche starben laut Radar des Ministeriums 223 Menschen mit Corona. Seit Beginn der Pandemie starben bundesweit 175.865 Menschen an oder mit Corona.

Welchen Impfstoff gibt es?

Bislang erhalten Praxen nur den angepassten Impfstoff von Biontech. Und den gibt es nur in Mehrfach-Dosen. Das macht die Termin-Koordination schwierig, wie die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KV) beklagt. „Es gibt bislang kein genaues Datum für die Verfügbarkeit der Einzeldosisbehältnisse in Deutschland“, hatte Biontech unlängst erklärt.

Können Patienten Moderna bekommen?

„Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten Wochen auch den Impfstoff von Moderna geben wird. Da Moderna auch Einzelspritzen anbietet, ist der für Praxen leichter zu handhaben“, erläutert Preis. „Den angepassten Moderna-Impfstoff bezahlt aber nicht der Bund. Die Patienten müssen ihn selbst bezahlen oder die Ärzte müssen ihn zu Lasten der Krankenkassen verordnen.“ Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zahlt - aber nur, wenn dies medizinisch begründet ist: „Es kann auch Moderna verimpft und über die GKV abgerechnet werden, wenn dies medizinisch begründet ist“, erklärte der GKV-Spitzenverband. Das Ministerium bekräftigt, die Krankenkassen würden den Moderna-Impfstoff und die Impfleistung bei ärztlicher Verordnung zahlen. Ansonsten gilt: „Selbstzahler könnten sich grundsätzlich den Moderna-Impfstoff mittels Privatrezept über eine Apotheke besorgen“, so die KV.

Was ist mit Novavax?

Der Hersteller Novavax bietet einen Impfstoff an, der nicht auf der mRNA-Technologie basiert, sondern auf Proteinen. Auch er will einen angepassten Impfstoff herausbringen. „Das Zulassungsverfahren für Novavax läuft noch“, so Preis. „Die Kosten für diesen Impfstoff werden wie bei Biontech vom Bund übernommen.“ Vorbehaltlich der Zulassung werden 10,6 Millionen Dosen von Novavax voraussichtlich im vierten Quartal zur Verfügung stehen und bei Bedarf vom Bund dem Großhandel zur Verfügung gestellt, erklärte das Ministerium.

Wer sollte sich boostern lassen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine jährliche Auffrischimpfung für Personen ab 60 Jahren, für Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf sowie für medizinisches Personal - in der Regel im Abstand von mindestens zwölf Monaten nach letzter Impfung oder Infektion.

Was gilt für Kinder?

Die Stiko empfiehlt eine Impfung oder Auffrischung nur für Kinder, die vorerkrankt sind und ein höheres Risiko für schwere Verläufe haben. Der angepasste Biontech-Impfstoff für Säuglinge und Kleinkinder wird laut Preis ab dem 25. September ausgeliefert. „Für ältere Kinder wird der angepasste Impfstoff ab dem 2. Oktober ausgeliefert.“

Wie gut ist der Influenza-Impfstoff?

Sie werden bereits ausgeliefert. „In Australien hat der aktuelle Influenza-Impfstoff sehr gut gewirkt“, sagt Preis. Die Hersteller müssen bereits Monate vor der Welle abschätzen, auf welche Variante sie den saisonalen Impfstoff anpassen. „Dass es in Australien dennoch so viele schwere Influenzafälle gegeben hat, liegt daran, dass dort die Impfquote gering war.“ Der Apotheker appelliert: „Jetzt ist nicht die Zeit für Impfmüdigkeit. Es ist der erste Winter seit drei Jahren ohne Masken und anderen Schutz - und Corona ist noch da.“

Welche Influenza-Impfstoffe gibt es?

Es gibt den einfachen Impfstoff und den vierfach verstärkten Impfstoff Efluelda von Sanofi. „Menschen über 60 sollten den verstärkten Grippeimpfstoff erhalten, da ihr Immunsystem träger ist“, sagte Preis. Jüngeren wird der Einfach-Impfstoff empfohlen. Für Kinder gibt zwischen zwei und 17 Jahren gibt es auch ein Nasenspray (Fluenz Tetra). Dieses Vakzin darf auf Grund der Kosten nur in medizinisch begründeten Einzelfällen wie Blutgerinnungsstörungen eingesetzt werden.

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