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Höchster Wert seit Mai: RKI meldet 1510 Corona-Neuinfektionen

40 Prozent aller Fälle im Ausland infiziert : RKI meldet 1510 Corona-Neuinfektionen an einem Tag

Seit Ende Juli steigen die Fallzahlen in Deutschland wieder an, nun hat es erneut einen Spitzenwert gegeben, wie das Robert-Koch-Institut mitteilte. Der R-Wert ist hingegen leicht gesunken.

Das Robert Koch-Institut hat die höchste Zahl an Neuinfektionen in Deutschland seit mehr als drei Monaten registriert. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland 1510 neue Corona-Infektionen. Dies geht aus Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom frühen Mittwochmorgen hervor. Höher lag die Zahl zuletzt am 01. Mai mit 1639 registrierten Neuinfektionen. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen lag Anfang April bei mehr als 6000, danach waren die Werte deutlich gesunken. Seit Ende Juli steigt die Zahl wieder an.

Fast 40 Prozent der zuletzt in Deutschland positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen haben sich im Ausland angesteckt. Das geht aus RKI-Daten von Dienstagabend hervor. Von den bekannten Corona-Neuinfektionen in Meldewoche 33, bei denen es eine Angabe zum wahrscheinlichen Infektionsland gab, lag der Anteil der Ansteckungen im Ausland bei 39 Prozent. Zum Vergleich: In der Meldewoche 32 hatten sich 34 Prozent wahrscheinlich im Ausland infiziert, in der Meldewoche 31 waren es 21 Prozent. Am häufigsten wurden - auf vier Wochen betrachtet - der Kosovo, die Türkei, Kroatien, Bulgarien und Bosnien und Herzegowina als wahrscheinliche Infektionsländer genannt.

Allerdings gab das RKI nicht an, wie groß der Anteil der Tests von Reiserückkehrern an allen Tests war. Diese Angabe ist notwendig, um zu beurteilen, wie groß der Anteil der eingeschleppten Infektionen tatsächlich ist. Es könnte beispielsweise sein, dass Rückkehrer im Schnitt häufiger getestet werden als der Rest der Bevölkerung.

In Bayern muss nach der Corona-Testpanne bei Urlaubsrückkehrern die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) im Landtag erneut Rede und Antwort stehen. Auf Initiative der Opposition kommt dazu am Mittwochnachmittag der Gesundheitsausschuss zu einer Sondersitzung zusammen.

Am Dienstag war zudem bekannt geworden, dass Huml und ihr Ministerium bereits am Montag vergangener Woche per E-Mail über die Verzögerungen bei den Ergebnis-Übermittlungen informiert worden war. Söder und der Öffentlichkeit hatte Huml dies aber erst zwei Tage später mitgeteilt. Zur Begründung sagte sie, dass die ganze Dimension erst am Mittwoch erkennbar gewesen sei, als klar war, dass die Personen nicht wie zunächst gehofft noch schnell informiert werden konnten. Die Opposition sieht das anders - sie wirft der Regierung Unfähigkeit und eine unnötige Verzögerung vor. Auch Rücktrittsforderungen in Humls Richtung sind bereits geäußert worden.

Hintergrund sind massive Probleme bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen. Insgesamt erfuhren 44 000 Personen ihre Testergebnisse nicht oder nur stark verzögert, darunter bislang auch 949 positiv Getestete. 46 davon konnten den Angaben zufolge etwa wegen fehlender oder falscher Personendaten oder Telefonnummern bis heute nicht identifiziert werden - die Chancen, dass dies noch klappen könnte, gelten als gering. Wer sich auf das Virus testen lässt, muss seine Identität nicht nachweisen, Personalien werden nicht überprüft.

Der Ärzteverband Marburger Bund kritisierte mit Blick auf Reiserückkehrer, dass Klinikpersonal vergleichsweise schwer an Corona-Tests käme. Wenn Reiserückkehrer und Lehrer Anspruch auf kostenlose Tests hätten, „dann muss das auch für das Klinikpersonal gelten“, sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Derzeit zahlten die Krankenkassen nur dann automatisch die Kosten für die Tests bei Ärzten und Pflegekräften, wenn diese unter Symptomen litten. „Es darf nicht sein, dass für Tests an Klinikmitarbeitern in vielen Fällen zunächst eine Genehmigung des örtlichen Gesundheitsamtes eingeholt werden muss“, wird Johna zitiert.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dämpfte währenddessen Hoffnungen auf eine baldige Versorgung mit einem Impfstoff für die breite Bevölkerung. Zwar dürfte ein sicherer, gut getesteter Impfstoff bereits Anfang 2021 zur Verfügung stehen, sagte Lauterbach dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Mittwoch). „Aber die wichtige Frage für die Bevölkerung ist, wann tatsächlich auch geimpft werden kann.“ Seiner Einschätzung nach dürfte die ganze Bevölkerung „erst im Laufe von 2022 durchgeimpft sein“.

(cpas/dpa)