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Heinsberg-Studie zu Corona: Virologe Streeck weist Kritik zurück

Beteiligung von Werbeagentur : Virologe Streeck weist Kritik an Heinsberg-Studie zurück

An der sogenannten Heinsberg-Studie des Bonner Virologen Hendrik Streeck gibt es viel Kritik. Unter anderem geht es dabei um die beteiligte PR-Agentur Storymachine. Streeck wies die Vorwürfe am Mittwoch im NRW-Landtag zurück.

Der Virologe Hendrik Streeck hat die Vorstellung der Ergebnisse der Heinsberg-Studie im Gesundheitsausschuss des Landtags genutzt, sich gegen Vorwürfe für die Einschaltung der PR-Agentur Storymachine zu wehren. Er sei persönlich „ganz schön getroffen“, dass man es so darstelle, als gebe es eine Vermarktung der Studie, sagte der Bonner Professor: „Es ist keine Vermarktung gewesen.“

Unheimlich viele Menschen seien an der Arbeit interessiert gewesen. „Sie glauben nicht, was auf meinem E-Mail-Account los ist.“ Streeck nannte Angebote für Virenstaubsauger und von Traumdeutern. Er habe nicht gewusst, wie er mit der Situation umgehen solle. „Wenn mir dann jemand anbietet ,Wir schauen dir über die Schulter und packen das auf Facebook’ und ich muss mich um nichts kümmern, dann ist da von meiner Seite nichts Verwerfliches dran.“

Zugleich räumte er ein: „Das ist doof gelaufen.“ Als Halb-Amerikaner sei ihm nicht klar gewesen, welche Kritik eine Vorabveröffentlichung – wie in den USA durchaus üblich – hierzulande hervorrufe. Er habe „in Rekordzeit“ eine Studie aufgesetzt und mit Daten zur Diskussion beitragen wollen, sagte Streeck.

Ein Forscher-Team hatte in Gangelt im Kreis Heinsberg insgesamt 919 Einwohner in 405 Haushalten befragt und Corona-Tests vorgenommen. In dem Ort hatten sich nach einer Karnevalssitzung Mitte Februar viele Bürger mit dem neuartigen Virus infiziert. Die Gemeinde gilt daher als Epizentrum des Virus in NRW. Die Situation ist allerdings nur bedingt vergleichbar mit anderen Regionen Deutschlands.

Streeck hatte in der vergangenen Woche als Ergebnis der Studie eine Modellrechnung präsentiert, wonach sich bis dahin etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland schon mit dem Coronavirus infiziert haben könnten. Den Ergebnissen zufolge zeigten in Gangelt 22 Prozent der Infizierten „gar keine Symptome“. Viele davon wussten bis zum Test nicht, dass sie überhaupt krank waren.

Streeck stellte im Ausschuss weitere Ergebnisse der Studie vor. So sei das Infektionsrisiko in den getesteten Haushalten gesunken, je mehr Personen in dem betreffenden Haushalt lebten. Während das Risiko, sich zu infizieren, in einem Zwei-Personen-Haushalte bei etwa 43 Prozent gelegen habe, sei es bei vier Personen auf etwa 18 Prozent gesunken. Wissenschaftlich könne er das noch nicht erklären, sagte Streeck. Da könne er derzeit auch nur spekulieren.

Interessant sei auch die Beobachtung aus der Heinsberg-Studie gewesen, dass die Teilnehmer der Karnevalssitzung in Gangelt sich nicht nur häufiger mit Sars-Cov-2 infiziert hätten, sondern auch mehr Symptome gezeigt hätten. Zugleich bedauerte Streeck, dass in der Studie Kinder unter sechs Jahren unterrepräsentiert seien. Bei Kindern müsse man das Infektionsgeschehen besser verstehen.

Die Forscher gehen davon aus, dass in Gangelt 0,37 Prozent der Infizierten gestorben sind. Allerdings flossen in die Berechnung der Sterblichkeitsrate nur sieben Todesfälle ein.

(mit dpa)