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Guterres besorgt: Warnungen vor „Impfnationalismus“ werden lauter

UN-Generalsekretär Guterres besorgt : Warnungen vor „Impfnationalismus“ werden lauter

Experten warnen vor starken nationalen Interessen bei der Verteilung des Corona-Impfstoffs. UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich besorgt. Der Impfstoff müsse „als globales öffentliches Gut“ überall zur Verfügung stehen, sagte er.

Er sei besorgt über „den verbreiteten Impfnationalismus“, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres dem Portal Zeit Online am Donnerstag. Er habe Verständnis für die entwickelten Länder, die ihre Bevölkerung schützen wollten. „Aber der Impfstoff muss überall zur Verfügung stehen und überall erschwinglich sein - als globales öffentliches Gut.“

Die Rechtswissenschaftler Armin von Bogdandy und Pedro Villarreal erklärten, es gebe gute Gründe, warum sich ein Staat vordringlich um die Versorgung seiner eigenen Bevölkerung kümmere. „Diese Gründe stützen aber keinen rücksichtslosen Impfnationalismus“, schreiben beide in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Dieser wäre zudem nicht zielführend, betonen die Wissenschaftler. Selbst eine „krankheitsfreie Insel“ könnte sich derzeit nicht als unabhängig von globalen Wirtschaftskrisen und politischen Unruhen betrachten, erklären sie. Zudem werde kaum ein Land auf absehbare Zeit eine Eigenversorgung mit einem Impfstoff gewährleisten können. Auch deshalb gelte es, Impfstoffe im Sinne „einer nachhaltigen globalen Solidarität“ zu verteilen.

Der wichtigste Mechanismus dafür sei bislang die internationale Impfstoff-Initiative Covax, so von Bogdandy und Villarreal. Die Vereinten Nationen wollen die weltweite Verteilung von Impfstoffen über die Initiative Covid-19 Vaccines Access (Covax) organisieren. Sie wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen mit der Europäischen Kommission mit dem Ziel gegründet, allen Ländern zu geringen Kosten oder sogar kostenlos Zugang zu Impfstoffen zu gewähren.

Guterres forderte, die noch bestehende Finanzierungslücke bei der Covax-Initiative möglichst rasch zu schließen. Bislang fehlten noch 4,2 Milliarden Dollar. Wenn der Zugang zu einem Impfstoff für Entwicklungsländer verzögert werde, „werden wir global scheitern“, mahnte der Diplomat. Von den reichen westlichen Staaten forderte Guterres, sich bei der Verteilung des Impfstoffes „großzügig“ zu zeigen: „Jene, die ihren Impfstoff nicht zugänglich machen, werden selbstverständlich Einfluss und guten Ruf in der Welt verlieren.“

(ahar/kna)