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Gesundheitswesen: Viele Beschäftigte gehen krank zur Arbeit

An elf Tagen im Jahr : Beschäftigte im Gesundheitswesen gehen krank zur Arbeit

Krank zur Arbeit – undenkbar in Zeiten Coronas. Untersuchungen haben ergeben, dass vor allem Beschäftigte des Gesundheitswesens oft auch arbeiten, wenn sie sich nicht gut fühlen. Sie haben Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder wollen Kollegen nicht im Stich lassen.

Beschäftigte in Gesundheits- und Erziehungsberufen gehen besonders häufig krank zur Arbeit. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der Linken-Abgeordneten Jutta Krellmann hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Demnach ist das Arbeiten trotz Krankheit „vor allem bei den Gesundheitsberufen, Sozial- und Erziehungsberufen, aber auch bei den Berufen in der Landwirtschaft und Bauberufen zu beobachten“. Im Gesundheitswesen, das in der Corona-Krise derzeit besonders im Fokus steht, gehen Beschäftigte demnach an knapp elf Tagen im Jahr arbeiten, obwohl sie eigentlich krank sind.

Dies geschieht knapp vier Mal im Jahr. Die Regierung beruft sich auf Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das Arbeiten trotz Krankheit sei vor allem in Berufen häufig, die körperliche Präsenz am Arbeitsplatz erfordern. Als Ursachen des so genannten „Präsentismus“ nennt die Regierung unter anderem die stärkere Bereitschaft zur gegenseitigen Unterstützung unter Kollegen „verbunden mit der Angst der Beschäftigten um ihren Arbeitsplatz“.

Insgesamt sind der Antwort zufolge knapp 69 Prozent der Befragten in einer IAB-Umfrage im Jahr 2016 mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen. Die Produktivitätsverluste seien oftmals höher als wenn erkrankte Mitarbeiter zuhause geblieben wären, weil sie Gefahr liefen, ihre Krankheit zu verschleppen, schreibt das Arbeitsministerium.

„Viele schleppen sich aus Pflichtgefühl krank zur Arbeit, weil die Kollegen sonst die viele Arbeit nicht schaffen. Es trifft gerade  die Beschäftigten, auf die wir in der Corona-Krise am stärksten angewiesen sind“, sagte Linken-Politikerin Krellmann. In vielen Betrieben und Einrichtungen sei die Arbeitslast zu hoch. „Dieser Druck muss endlich runter, er gefährdet Gesundheit und Sicherheit.“