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Fast 80 Prozent der Deutschen fordern Digitalunterricht

Bildung in der Corona-Krise : Fast 80 Prozent der Deutschen fordern Digitalunterricht

Eine Mehrheit der Deutschen fordert nach den ersten Erfahrungen in der Corona-Krise eine Pflicht für Digitalunterricht an Schulen. Zugleich sagen deutlich mehr Männer als Frauen, dass die bisherigen Digitalangebote in der Krise gut funktioniert hätten. Das ergab eine repräsentative Umfrage für die Friedrich-Naumann-Stiftung.

Als Folge der Corona-Krise pocht eine deutliche Mehrheit der Deutschen darauf, dass es an Schulen künftig mehr digitalen Unterricht geben soll. Dass der Staat gesetzlich verpflichtet werden muss, auch digitalen Unterricht anzubieten, fordern demnach 77 Prozent der Bundesbürger. Im Osten des Bundesgebiets sehen das 82 Prozent so, um Westen 75. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Dimap für die Friedrich-Naumann-Stiftung, die unserer Redaktion vorliegt. Vom 10. bis 12. August befragten die Forscher 1003 wahlberechtigte Deutsche in Telefoninterviews.

Karl-Heinz Paqué, Vorstandsvorsitzender der FDP-nahen Stiftung, sagte dazu: „Der digitale Unterricht an den Schulen muss in Zukunft verpflichtend sein. Und zwar immer, nicht nur in Pandemiezeiten und in ganz Deutschland.“ Ein zweites „School’s out for Corona“ könne man sich nicht leisten. Dass diese Gefahr jedoch vereinzelt droht, zeigen die aktuell deutlich gestiegenen Infektionszahlen in den Bundesländern. Zugleich kommen die befragten Frauen und Männer jeweils zu einem unterschiedlichen Urteil, ob die digitalen Unterrichtsangebote während der Corona-Schließungen gut funktionierten und beibehalten werden sollten. 40 Prozent der Männer stimmten dem zu, aber nur 28 Prozent der Frauen.

Eine weitere Sorge: dass die Bildungsungerechtigkeit im Zuge der Krise zunehmen wird. Diese Befürchtung teilen der Umfrage zufolge 64 Prozent der Deutschen. „Wie im Brennglas hat die Corona-Krise gezeigt, wie ungenügend das deutsche Bildungssystem insgesamt aufgestellt ist“, sagte Stiftungsvorstand Paqué. „Es muss uns alarmieren, wenn fast zwei Drittel der Befragten damit rechnen, dass Corona zu mehr Bildungsungerechtigkeit führen wird.“ Es werde Zeit, dass Deutschland nicht mehr eines der Schlusslichter in der digitalen Bildung sei, sagte Paqué.