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Falschinformationen über Corona: Twitter will verstärkt warnen

Corona-Pandemie : Twitter geht verstärkt gegen Falschinformationen vor

Der Kurznachrichtendienst Twitter kennzeichnet nach eigenen Angaben ab sofort Falschinformationen zur Corona-Pandemie mit Warnhinweisen. Sie sollen weiterführende Zusammenhänge liefern.

Zur Kennzeichnung seien neue Labels und Warnmeldungen eingeführt worden, teilten die Twitter-Manager Yoel Roth and Nick Pickles im Blog des Unternehmens mit. Die neuen Warnhinweise lieferten weiterführende Zusammenhänge und Informationen zu Tweets mit umstrittenem oder irreführendem Inhalt zu Covid-19. Ziel sei es, in der öffentlichen Diskussion Nutzern den Zugang zu glaubwürdigen Informationen auf Twitter zu erleichtern und die Verbreitung potenziell gefährlicher und irreführender Inhalte zu begrenzen.

Die neu verlinkten Warnungen sollen zu einer von Twitter kuratierten Seite oder zu einer externen Quelle führen, die weitere Informationen über in einem Tweet aufgestellte Behauptungen enthalten, wie Roth und Pickles am Montag erklärten. Abhängig vom Schadensrisiko und der Art der irreführenden Information könne den Tweets auch eine Warnung vorgeschaltet werden, die der Nutzer vor dem Lesen der Kurznachricht sieht. Bei der Identifikation der Inhalte greife Twitter auf interne Systeme zurück und arbeite zudem mit verlässlichen Partnern zusammen, hieß es.

Eine Sprecherin erklärte, dass die mit den Warnhinweisen versehenen Tweets beispielsweise mit Inhalten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlinkt werden. Der beste Ansatz sei es, dadurch mehr Kontext zu liefern, sodass die Menschen faktenbasierte Entscheidungen treffen könnten.

Auch Facebook hat sein Vorgehen gegen Falschinformationen in der Corona-Krise verschärft. Allein im April hat das soziale Netzwerk 50 Millionen Beiträge mit falschen oder zweifelhaften Beiträgen über das Coronavirus mit Warnhinweisen versehen. Die Maßnahme zeige Erfolg, betonte das Online-Netzwerk am Dienstag: In 95 Prozent der Fälle klickten die Nutzer den Link nicht an, wenn sie die Warnung sähen. Die Basis für die Hinweise hätten 7500 Artikel von Faktencheckern geliefert, hieß es weiter. Zudem seien 2,5 Millionen Beiträge entfernt worden, in denen es um den Verkauf von Masken, Desinfektionsmitteln oder Covid-19-Tests gegangen sei.

Der Kurs von Facebook ist, Inhalte mit falschen Informationen über das Coronavirus zu löschen, wenn dadurch Menschen zu Schaden kommen können. Ein vom Online-Netzwerk häufig zitiertes Beispiel dafür ist die Empfehlung, Bleichmittel zu trinken. Falsche oder umstrittene Informationen, die als nicht gefährlich eingestuft werden, versieht Facebook mit einem Warnhinweis.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) begrüßte auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) „grundsätzlich, dass die Anbieter sozialer Netzwerke Maßnahmen gegen die Verbreitung von eindeutigen Falschinformationen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie ergreifen“. Das gelte insbesondere für die Priorisierung zuverlässiger Quellen. Doch auch Hinweise auf die Unzuverlässigkeit einer Quelle könnten ein probates Mittel sein, vor allem, wenn dadurch Gefahren für die Gesundheit abgewehrt werden könnten.

Die Ministerin fügte hinzu, strafbare Inhalte wie etwa Volksverhetzung, üble Nachrede oder Verleumdung, müssten von den Anbietern schon heute gelöscht werden, wenn sie von anderen Nutzern gemeldet wurden. „Hinweise auf die Unzuverlässigkeit einer Quelle können ein Vorgehen sein, wenn transparent gemacht wird, warum hier von einer Unzuverlässigkeit ausgegangen wird“, sagte sie.

Im vergangenen Jahr hatte Twitter vor der Europawahl zudem eine neue Meldefunktion eingeführt, mit der sich Nutzer über wahlbezogene falsche und irreführende Inhalte beschweren können. Damit wollte das Unternehmen nach eigenen Angaben Desinformation erschweren. Allerdings sperrte Twitter dabei versehentlich auch seriöse Konten, wodurch der Dienst in die Kritik geriet.

(c-st/epd/dpa)