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EU-Gipfel: 500-Milliarden Euro Corona-Hilfen genehmigt

Kampf gegen Corona-Folgen : EU-Gipfel billigt 500-Milliarden-Euro-Hilfspaket

Vor zwei Wochen hatten die EU-Finanzminister nächtelang verhandelt – jetzt hat das europäische Paket mit Corona-Kredithilfen die letzte Hürde genommen. Es geht um Hilfen von über 500 Milliarden Euro.

Der EU-Gipfel hat das vereinbarte Paket mit Kredithilfen von bis zu 540 Milliarden Euro für Kurzarbeiter, Unternehmen und verschuldete Staaten gebilligt. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstagabend von Teilnehmern. Auch der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte, der zuletzt noch Vorbehalte gegen Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm ESM hatte, habe nicht widersprochen, hieß es. Die Hilfen sollen zum 1. Juni bereitstehen.

Nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel haben die Staats- und Regierungschefs der EU zwar keine Einigkeit in allen Punkten erzielt. Man stimme jedoch überein, dass man zusammenarbeiten müsse, sagt sie nach den Beratungen per Videoschalte. Es sei deutlich, dass ein Fonds zum Wiederaufbau nötig sei. Dies sei auch im Interesse Deutschlands. Die Bundesrepublik müsse sich auf höhere Beiträge zum EU-Haushalt einstellen.

Auf das Paket hatten sich die EU-Finanzminister vor zwei Wochen geeinigt. Es enthält drei Punkte – jeweils ein „Sicherheitsnetz“ für Jobs, für kleine und mittlere Unternehmen und für angeschlagene Staaten wie Italien oder Spanien, die ohnehin verschuldet sind und nun auch noch von der Corona-Pandemie schwer getroffen werden.

Dazu gehört das Konzept „Sure“ der EU-Kommission, das Kurzarbeitergeld in den EU-Staaten unterstützen soll. Dafür sollen die EU-Staaten 25 Milliarden Euro als Garantien hinterlegen. Mit dieser Rückendeckung nimmt die EU-Kommission bis zu 100 Milliarden Euro zu günstigen Konditionen am Kapitalmarkt auf und reicht sie nach Bedarf für Kurzarbeit an EU-Staaten weiter. So sollen Jobs erhalten werden.

Zweiter Punkt ist ein Garantiefonds bei der Europäischen Investitionsbank EIB, den die EU-Staaten ebenfalls mit 25 Milliarden Euro bestücken sollen. Damit könnte wiederum die EIB Unternehmenskredite absichern. Die EIB will so bis zu 200 Milliarden Euro an Liquidität mobilisieren, hauptsächlich für den Mittelstand.

Das dritte Element sind vorsorgliche Kreditlinien des Europäische Stabilitätsmechanismus ESM. Anders als ESM-Hilfen während der Eurokrise werden für diese „Pandemie-Krisen-Hilfe“ keine Sparprogramme gefordert, es gibt nur eine Vorgabe: Das Geld darf nur für direkte oder indirekte Gesundheitskosten verwendet werden. Bis zu 240 Milliarden Euro an Krediten könnten fließen – an jedes Empfängerland bis zu zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts.

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Merkel hat nach eigener Auskunft in der Schalte mit den EU-Staats- und Regierungschefs deutlich gemacht, dass sie die ebenfalls diskutierten Eurobonds ablehnt. „Es geht nicht, dass die Schulden vergemeinschaftet werden“, betont sie.

Conte hatte nach der Einigung der Finanzminister erklärt, Italien halte ESM-Hilfen für unpassend. Er hatte nahegelegt, dem Paket vielleicht doch noch zu widersprechen. Das geschah aber nach Angaben aus Teilnehmerkreisen nicht.

(dpa)