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EMA gibt grünes Licht für Impfstoff von Johnson & Johnson

Als vierter Hersteller in Europa : EU-Kommission gibt grünes Licht für Impfstoff von Johnson & Johnson

In der Europäischen Union ist bald mit einem vierten Corona-Impfstoff zu rechnen. Die Europäische Arzneimittelagentur hat eine Zulassung für das Produkt von Johnson & Johnson empfohlen. Auch die EU-Kommission gab grünes Licht.

Der Weg für einen vierten Corona-Impfstoff in der EU ist frei: Nach einer Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA gab am Donnerstag auch die EU-Kommission grünes Licht für das Vakzin des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson, wie Kommissionschefin Ursula von der Leyen mitteilte. Derweil setzten mehrere europäische Staaten die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff wegen befürchteter gefährlicher Nebenwirkungen aus.

Die EU-Staaten hätten nun "eine weitere Möglichkeit, die Pandemie zu bekämpfen und die Leben und die Gesundheit ihrer Bürger zu schützen", erklärte EMA-Chefin Emer Cooke nach der Zustimmung ihrer Behörde zum Impfstoff von Johnson & Johnson. Erstmals werde es in der EU einen Corona-Impfstoff geben, bei dem nur eine Dosis nötig sei.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist der vierte Corona-Impfstoff nach den Vakzinen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca, der eine EU-weite Zulassung erhält. Drei weitere befinden sich derzeit im Prüfungsverfahren: der Impfstoff des deutschen Herstellers Curevac, des US-Unternehmens Novavax sowie der russische Impfstoff Sputnik V.

Das Vakzin von Johnson & Johnson hat eine Wirksamkeit von rund 85 Prozent gegen schwere Covid-19-Erkrankungen. Experten erhoffen sich von seiner Zulassung eine starke Beschleunigung der Impfprogramme in Europa. Ein wichtiger Vorteil des Vektorviren-Impfstoffs ist, dass nur eine Dosis erforderlich ist. Außerdem ist er bei normalen Kühlschranktemperaturen lagerbar.

"Mit der bestellten Menge Dosen könnten wir bis zu 200 Millionen Menschen in der EU impfen", erklärte von der Leyen. Die EU hält außerdem eine Option auf 200 Millionen weitere Dosen des Impfstoffs.

In der EU sind allerdings Zweifel laut geworden, ob das US-Unternehmen die zugesagte Lieferung von 55 Millionen Dosen bis Ende Juni einhalten kann. Aus EU-Kreisen verlautete, mit ersten Lieferungen werde frühestens Mitte April gerechnet.

Derweil wurden am Donnerstag neue Zweifel an der Sicherheit des Vakzins von Astrazeneca laut, nachdem zuerst Dänemark und anschließend auch die Nicht-EU-Staaten Norwegen und Island die vorläufige Aussetzung der Impfungen mit dem Vakzin verkündet hatten. Hintergrund waren nach Angaben der dänischen Gesundheitsbehörde Berichte über "schwere Fälle der Bildung von Blutgerinnseln", die nun geprüft werden. In Dänemark starb ein Mensch nach der Impfung.

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Bereits am Montag hatte Österreich die Impfungen mit einer bestimmten Charge des Astrazeneca-Impfstoffs gestoppt, nachdem eine 49-jährige Krankenpflegerin wenige Tage nach ihrer Impfung gestorben war. Bei der Frau waren ebenfalls schwere Gerinnungsstörungen aufgetreten. Vier andere EU-Länder - Estland, Litauen, Lettland und Luxemburg - stoppten daraufhin ebenfalls vorsorglich die Impfungen mit dieser Charge, die insgesamt rund eine Million Impfdosen umfasste und an 17 europäische Länder verschickt worden war.

Am Donnerstag teilte auch die italienische Arzneimittelbehörde mit, die Impfungen mit einer Charge des Astrazeneca-Impfstoffs wegen befürchteter Nebenwirkungen gestoppt zu haben - dabei handelte es sich allerdings um eine andere als die von Österreich genannte.

Die EMA stellte sich am Donnerstag weiter hinter den Impfstoff von Astrazeneca und empfahl seinen weiteren Einsatz, während die bekannt gewordenen Blutgerinnsel-Fälle überprüft würden. "Die Vorteile des Impfstoffs überwiegen die Risiken", betonte die Behörde in einer Erklärung. Es gebe "derzeit keine Hinweise" darauf, dass der Astrazeneca-Impfstoff Ursache für die bekannt gewordenen Thromboembolien gewesen sei. Diese würden auch nicht als Nebenwirkung des Vakzins aufgeführt. Auch die britische Regierung hob am Donnerstag hervor, dass das Vakzin "sowohl sicher als auch wirksam" sei.

Das Bundesgesundheitsministerium in Berlin sah am Donnerstag zunächst keinen Anlass für einen Stopp der Astrazeneca-Impfungen in Deutschland. "Nach jetzigem Stand gibt es noch keine Hinweise darauf, dass der Todesfall in Dänemark mit einer Corona-Impfung ursächlich in Verbindung steht", erklärte ein Ministeriumssprecher. Das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut erklärte, es stehe mit der dänischen Arzneimittelbehörde und der EMA in Kontakt und untersuche "die Sachlage" in Deutschland.

Vor einem Stopp der Astrazeneca-Impfungen warnte der SPD-Gesundheitsexperte Karl-Lauterbach. "Aus meiner Sicht hat Dänemark überreagiert", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

(mja/dpa)