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Ein katastrophaler Rückschlag - Das sind die Reaktionen aus der Kultur

Reaktion aus der Kultur : Ein „katastrophaler Rückschlag“

Viele Kulturschaffende sind entsetzt über den zweiten Lockdown für Theater, Opern- und Konzerthäuser. Allein an der Deutschen Oper am Rhein müssen im November dadurch rund 40 Veranstaltungen abgesagt werden. Eine Umfrage,

So reagiert die Kulturszene auf die Beschlüsse des Krisengipfels, Theater, Opern- und Konzerthäuser im November zu schließen:

Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins:

„Der drohende Kultur-Stillstand trifft die Theater und Orchester hart. Betroffen ist aber auch das Publikum, denn die Orte der Kultur sind auch Orte des Austauschs, die für die Gesellschaft eine unverzichtbare Bedeutung haben. Um diese Aufgabe auch unter Pandemie-Bedingungen wahrnehmen zu können, wurden überall ausgefeilte Hygienekonzepte entwickelt. Sie funktionieren offensichtlich sehr gut, denn bisher hat es keine bekannte Infektion in einem Zuschauerraum gegeben. Die Schließung der Theater und Orchester trägt nicht zur Eindämmung des Infektionsgeschehens bei, sie ist daher unverhältnismäßig.“

Prof. Christoph Meyer, Generalintendant Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg: „Ein erneuter Lockdown für die Kultur bedeutete für die Deutsche Oper am Rhein (wie für alle Theater-, Opern- und Konzerthäuser) einen katastrophalen Rückschlag: Wir sind extrem sorgsam und mit der gebotenen Vorsicht auf Sicht gefahren, wie es von uns gefordert war – und würden nun dennoch ausgebremst. Gemeinsam mit all unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben wir in den vergangenen Wochen erfolgreich unter Beweis gestellt, dass wir sehr effektive Hygiene- und Schutzkonzepte entwickeln und umsetzen können und die Theater sichere Orte sind. Was die wiederholte Schließung der Bühnen mittel- und langfristig mit unserem Publikum machen würde, das in den vergangenen Wochen spürbar Vertrauen in die Sicherheit im Opernhaus Düsseldorf und Theater Duisburg gefasst hatte, ist noch nicht abzusehen. Konkret müssten wir allein im November rund 40 Vorstellungen absagen. Betroffen von der Absage wären mindestens drei Neuproduktionen: unsere Kooperation mit dem Düsseldorfer Marionettentheater „Meister Pedros Puppenspiel“, Boris Blachers Oper „Romeo und Julia“ sowie die nächste Ballettpremiere „Entfernte Verwandte“. Die  Premiere von Wagners „Tristan und Isolde“ im Dezember wäre ebenfalls akut gefährdet.“

René Heindersdorff, Theaterleiter: „Mich würde die wissenschaftliche Grundlage interessieren, aufgrund der Theater, die der Versammlungsstätten-Verordnung – also einem höheren Frischluftumsatz als draußen – unterliegen, als mögliche Infektionsorte bestimmt werden. Ich fürchte, die gibt es nicht. Und die wird es auch nicht geben. Auf was hin also, soll eine Schließung erfolgen?“

Bernhard Lewkowicz, Konzertveranstalter (Concertteam NRW): „Es ist alles katastrophal. Aber man kann es nicht ändern. Das Blöde ist nur, dass es keine Perspektive gibt. Veranstaltungen für den Sommer 2021 plane ich bereits zweigleisig auch für den Sommer 2022. Es ist ein Fass ohne Boden. Zudem gibt es ja keine verifizierten Zahlen, ob Veranstaltungen mit Sicherheitskonzept tatsächlich Ansteckungsherde sind. Was jetzt passiert, ist also eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ich bin eher ein Freund temporärer Lösungen: Lass uns zwei Wochen alles komplett zumachen. Aber dann soll es auch gut sein. Das Hin- und Hergehampel ist unproduktiv. Uns sind im Moment die Hände gebunden. Und eine richtige finanzielle Unterstützung gibt es auch noch nicht."

Jochen Molck, Kulturzentrum Zakk: „Ich halte die Maßnahmen für sinnvoll. Wenn es sein muss, muss es eben sein. Man muss nun versuchen, langfristig zu denken und bestimmte Lösungen zu ermöglichen. Konzepte könnten vielleicht nach stärkerer Prüfung genehmigt werden: Was ist draußen möglich? Was im Stream? Man könnte mit gesundem Menschenverstand Räume austesten. Für die Kultur ist es wichtig, dass sie sichtbar ist. Es ist derzeit kein einfaches Geschäft, und bei mir im Laden ist der Frust groß, weil vieles nicht eingehalten werden kann, was geplant wurde. Untergangsgeschrei hilft aber nicht weiter.“

Christine Berg, Hauptverband Deutscher Filmtheater: „Weltweit ist keine einzige Covid-Infektion in Verbindung mit einem Kinobesuch bekannt. Die geringe Aerosol-Belastung im Kinosaal wurde von der TU Berlin sogar wissenschaftlich belegt. Grund genug, dass sichere Kulturveranstaltungen wie ein Kinobesuch auch weiterhin möglich sein müssen.“

Gregor Jansen, Direktor der Kunsthalle in Düsseldorf:

„Ich bin besorgt. Ich verstehe jede notwendige Maßnahme, aber für Kulturinstitutionen von Kabarett über Theater, Oper bis zu Museen und Ausstellungshäusern macht das nicht wirklich Sinn. Auch die Nennung unter dem Begriff Freizeiteinrichtungen ist überaus bitter. Wir sind der Meinung, dass die Ansteckungsgefahr in Kultureinrichtungen bei Einhaltung der Hygienevorschriften bei nahezu null steht. Wir verzichten ja bereits auf zusätzliche Veranstaltungen in jedweder Form wie Eröffnungen und Talks. Anderseits ist es derzeit einfach ohnehin recht ruhig. Wir spüren, wie verunsichert die Menschen sind und wegbleiben."

(hols/los)