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Diskussionen über Klassenfahrten an Schulen in NRW

Bildung in Corona-Zeiten : Unsicherheit bei Klassenfahrten in NRW

Die Schulen müssen künftig selbst entscheiden, wie sie mit dem Thema umgehen – das Land übernimmt nicht länger die Stornokosten. Die Gewerkschaft kritisiert, die neue Regelung stifte vor Ort vielfach Unfrieden.

Das Land übernimmt nicht länger die Stornokosten für Klassenfahrten. Nach den Herbstferien muss jede einzelne Schule entscheiden, wie sie mit dem Thema künftig umgehen will, wie aus einer Mail des NRW-Schulministeriums an die Schulen hervorgeht. „Schulen können für den Zeitraum nach den Herbstferien wieder in eigener Verantwortung über ihr Fahrtenprogramm bestimmen“, hieß es. Es träten die normalen gesetzlichen Regelungen wieder in Kraft.

Aufgrund der Corona-Regelungen mussten bis zu den Herbstferien insbesondere Klassen- und Stufenfahrten ins Ausland abgesagt werden. Für diesen Zeitraum hatte das Land die Stornokosten übernommen, weil die Absagen unvorhersehbar gewesen waren.

Die neue Regelung stifte in den Schulen vielfach Unfrieden, sagte Maike Finnern, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), unserer Redaktion. Die Schulkonferenzen, denen Lehrer, Eltern und Schüler angehören, müssten nun viele Fragen klären. Etwa, ob alle Fahrten abgesagt werden sollen oder nur Auslandsreisen. Auch die Frage der Stornierungen und Finanzierung sowie des Infektionsschutzes vor Ort führten zu Diskussionen. „Der Trend geht aber in die Richtung: Wir verschieben so weit wie möglich“, so Finnern.

Weiteres großes Thema an den Schulen ist nach wie vor die Maskenpflicht, die NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) Ende August im Unterricht abgeschafft hatte. In einer repräsentativen GEW-Umfrage unter mehr als 6000 Lehrern in Nordrhein-Westfalen gab fast ein Drittel an, dass es an ihrer Schule einen Beschluss zum freiwilligen Tragen der Mund-Nase-Bedeckung gebe. Drei von vier befragten GEW-Mitgliedern befürworteten eine Wiedereinführung der Maskenpflicht, solange es keine anderen Infektionsschutzkonzepte gebe. „Obwohl Masken im Unterricht pädagogisch unsinnig sind, spricht sich eine große Mehrheit für die Wiedereinführung aus, mangels besserer Alternativen zum Infektionsschutz“, sagte Finnern.

Fast 70 Prozent der Lehrkräfte erklärten, sie fühlten sich durch die gegenwärtigen Maßnahmen nur mangelhaft (39 Prozent) oder gar ungenügend (29 Prozent) geschützt. Über 80 Prozent forderten ein landesweit einheitliches Vorgehen bei Schutzmaßnahmen, wenn diese im Falle steigender Infektionszahlen erforderlich seien. Alternativ schlagen die Lehrer laut Umfrage mehrheitlich vor, tage- oder wochenweise alternierenden Unterricht zu erteilen. Für 53 Prozent war auch eine Staffelung des Schulbeginns oder der Pausen gut vorstellbar. 52 Prozent sprachen sich für Mischformen aus Präsenz- und Distanzlernen aus.