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Delta so ansteckend wie Windpocken

„Der Krieg hat sich verändert“ : Delta soll so ansteckend sein wie Windpocken

Die amerikanische Gesundheitsbehörde warnt davor, dass die Delta-Variante ähnlich infektiös wie Windpocken sein soll. Doch es gibt auch Kritik an der Theorie.

Die Delta-Variante des Coronavirus ist der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge so ansteckend wie Windpocken und kann den Schutz von Impfungen leichter durchbrechen. Die Virusmenge in Infizierten sei dabei deutlich höher als bei der ursprünglichen Variante und eine Ansteckung könne leichter weitergegeben werden, heißt es in einer internen CDC-Präsentation, die von der „Washington Post“ veröffentlicht wurde.

Die Erkenntnisse der Behörde stellen dabei allerdings nicht die Wirksamkeit der Impfstoffe in Frage: Diese schützten auch bei Delta weiterhin mit hoher Wahrscheinlichkeit vor schweren Verläufen oder dem Tod. Der Schutz vor Ansteckung besteht zwar auch, scheint aber schwächer. Zudem kommt die CDC zu dem Schluss, dass Delta wohl gefährlicher ist als das ursprüngliche Virus und Erkrankte eher schwere Verläufe erfahren. Es müsse „anerkannt werden, dass sich der Krieg verändert hat“, hieß es auf einer der Folien.

Zuletzt hatte die CDC ihre Richtlinien angesichts der starken Ausbreitung der Delta-Variante angepasst und auch für Geimpfte in vielen geschlossenen Räumen wieder das Maskentragen empfohlen. Das sei unter anderem aufgrund der Ergebnisse einer am Freitag veröffentlichten Studie zu einem Corona-Ausbruch im Bundesstaat Massachusetts erfolgt, teilte CDC-Chefin Rochelle Walensky mit. Bei dem Ausbruch rund um mehrere Großveranstaltungen wurden laut Studie 469 Infektionen identifiziert, davon fast 75 Prozent bei Menschen mit vollem Impfschutz und ein Großteil mit der Delta-Variante.

Die hochansteckende Ausprägung des Virus hat in den USA nach älteren Angaben mehr als 80 Prozent Anteil an allen Infektionen - diese Zahl dürfte mittlerweile aber deutlich höher liegen. Unterdessen tritt die Vakzin-Kampagne mit 50 Prozent vollständig geimpften US-Bürgern auf der Stelle, was eine Ausbreitung der Delta-Variante weiter antreibt.

Die Immunologin Christine Falk zeigt sich kritisch zu Berichten aus den USA. "So weit würde ich nicht gehen", sagt die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie der Funke Mediengruppe einem Vorabbericht zufolge. Windpocken könnten über mehrere Meter über die Luft übertragen werden. "Ich vermute hinter der drastischen Wortwahl auch eine politische Motivation", erklärt Falk. Sie spricht von einem "Kardinalfehler" der USA, im Gegensatz zu Deutschland die Maskenpflicht, Abstands- und Hygieneregeln zu früh aufgehoben zu haben. "Es braucht ein dramatisches Szenario, um die Bevölkerung wieder einzufangen."

(dpa/desa)