1. Panorama
  2. Coronavirus

Delta-Plus: Das ist bekannt über die neue Corona-Variante

Delta-Unterart wohl ansteckender : Sorgen um neue Virusvariante

In Großbritannien breitet sich ein Subtyp der Delta-Mutation allmählich aus. Die dort stark steigenden Infektionszahlen seien aber nicht nur darauf zurückzuführen, beruhigen Wissenschaftler. Auch hierzulande wird die Variante beobachtet.

Angesichts steigender Infektionszahlen in einigen europäischen Ländern wird immer wieder ein potenzieller Zusammenhang mit einer möglicherweise ansteckenderen Virusvariante ins Spiel gebracht. Aktuell steht eine neue Unterart des Delta-Virus in der Diskussion, AY.4.2., die auch als Delta Plus bezeichnet wird, was etwas irreführend ist, weil unter diesem Namen mittlerweile verschiedene Untervarianten dieses Typs aufgelistet werden. Zuerst nachgewiesen wurde AY.4.2. laut „BBC“ im Juli in Großbritannien. Das Wellcome Sanger Institute bei Cambridge verzeichnete für die Subform nach der ersten Oktoberwoche in England einen Anteil von neun Prozent bei den Infektionen, einen Monat zuvor lag der Anteil noch bei vier Prozent. Auch die UK Health Security Agency beobachtet die weitere Entwicklung von AY.4.2. sehr genau. 

Noch aber scheint es keinen gesteigerten Grund zur Unruhe zu geben. Die Weltgesundheitsorganisation hat den Delta-Subtyp bisher nicht als „Variante von besonderem Interesse“ oder, in der nächsten Eskalationsstufe, als besorgniserregende Variante eingestuft. Als solche gelten bislang nur Alpha, Beta, Gamma und Delta. Auch Wissenschaftler beruhigen hinsichtlich der neuen Delta-Unterform. Francois Balloux, Direktor des Genetics Institute am University College London, geht davon aus, dass AY.4.2. etwa zehn bis 15 Prozent ansteckender sein könnte als die derzeit grassierenden Deltatypen. Er führe daher die zuletzt stark gestiegenen Fallzahlen in Großbritannien nicht allein auf die neue Variante zurück, sagte er der „BBC“. Zum Vergleich: Die derzeit dominierende Deltaform und die Alpha-Variante waren jeweils um 50 bis 60 Prozent ansteckender als die bis dahin gängigen Virustypen. 

RKI warnt vor beschleunigtem Anstieg der Corona-Fallzahlen

Balloux hält auch die Mutationen des Subtyps nicht für so problematisch, als dass sie die Immunantwort des Organismus unterlaufen könnten. AY.4.2. besitzt zwei Mutationen am Spike-Protein, und zwar A222V und Y145H, diese sind aber teils von anderen Deltastämmen bekannt und sollen laut Wissenschaftlern nur minimale Auswirkungen hinsichtlich einer gesteigerten Infektiösität haben. Nach der Einschätzung von Balloux müssten die aktuellen Impfstoffe auch gegen die neue Variante helfen. Ein Effekt auf die Pandemie, wie ihn beispielsweise Delta hatte, sei eher unwahrscheinlich. AY.4.2. müsse aber weiter genau untersucht werden. Bislang wurde die Variante in mehreren Ländern nachgewiesen, unter anderem in Dänemark. Auch Israel hatte einen Fall, ein elfjähriger Junge wurde nach der Einreise aus Europa unter Quarantäne gestellt. Aus Russland wurden ebenfalls einzelne Fälle gemeldet. In Deutschland beobachtet das Robert-Koch-Institut die Entwicklung, über bestätigte Fälle ist bislang nichts veröffentlicht. 

  • Premierministerin Jacinda Ardern teilte das 90-Prozent-Impfziel
    Neue Corona-Strategie : Neuseeland setzt 90-Prozent-Impfziel
  • Für wichtige Fragen hat das Kreis-Gesundheitsamt
    Corona im Rhein-Kreis Neuss : 497 Menschen derzeit nachweislich infiziert
  • Für wichtige Fragen hat das Kreis-Gesundheitsamt
    Corona im Rhein-Kreis Neuss : Aktuell 435 Menschen nachweislich infiziert

Großbritannien verzeichnet derzeit wieder eine stark steigende Infektionskurve, rund 40.000 Menschen steckten sich dort zuletzt innerhalb eines Tages mit dem Virus an. Der britische Gesundheitsminister Sajid Javid warnte davor, dass die Zahl auf bis zu 100.000 Neuinfektionen pro Tag hochschnellen könnte. Als mögliche Ursachen führen mehrere Wissenschaftler aber weniger die neue Delta-Variante an. Stattdessen wird ein Mix aus niedriger Impfquote bei Jugendlichen, nachlassendem Impfschutz bei Älteren und ein Wegfall aller Schutzmaßnahmen dafür verantwortlich gemacht. Am 19. Juli hatte die britische Regierung trotz hoher Infektionszahlen den „Freedom Day“ ausgerufen, damit wurden fast alle Corona-Regeln entschärft. Das könnte sich nun rächen.