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Coronavirus NRW: Spielplätze geschlossen - Restaurants schließen um 15 Uhr

„Es geht um Leben und Tod“ : Spielplätze in NRW geschlossen - für Restaurants ist nachmittags Schluss

Mit deutlichen Worten hat sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet an die Bevölkerung gewandt. Restaurants im Land sollen jetzt bereits nachmittags schließen.

In einem eindringlichen Aufruf hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Dramatik der Corona-Lage in NRw unterstrichen. Die Menschen müssten unbedingt soziale Kontakte auf das Notwendigste reduzieren und den Maßnahmen der Landesregierung folgen, appellierte Laschet: „Es geht um Leben und Tod - so einfach ist das.“ Nach Angaben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) stieg die Zahl der Corona-Opfer um vier auf zwölf. Die Zahl der Infektionen habe sich in den vergangenen vier Tagen landesweit auf 3060 verdoppelt. Das Land verschärfte seine Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus. Für die Wirtschaft soll es einen Rettungsschirm des Landes geben.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen nun jetzt doch die Spielplätze in Nordrhein-Westfalen grundsätzlich geschlossen werden, für Restaurants soll bereits um 15 Uhr Schluss sein. Das hat das Landeskabinett am Dienstag in Düsseldorf beschlossen, wie Laschet mitteilte. Alle bisherigen Maßnahmen seien bis zum 20. April befristet. Außerdem stellt NRW 150 Millionen Euro Soforthilfen im Kampf gegen das Virus bereit. Das Geld solle unter anderem helfen, mehr Beatmungsplätze in Krankenhäusern und mehr Schutzkleidung zu beschaffen.

„Wir brauchen jetzt mehr Tempo“, stellte Laschet fest. Je schneller das öffentliche Leben heruntergefahren werde, desto größer sei die Chance, am 20. April zu einer neuen Lagebewertung zu kommen. Wenn das nicht gelinge, „drohen uns auch Maßnahmen wie in Spanien und Frankreich.“

Die Landesregierung wolle es auch ohne Ausgehverbote schaffen. „Das liegt in der Hand jedes Einzelnen, wie weit unser Land in der Lage ist, selbst herunterzufahren und jeden öffentlichen Kontakt zu vermeiden. Deshalb der Appell: Bleiben sie zu Hause Es sind schwere Zeiten. Und mögen wir uns da alle gegenseitig beistehen!“, sagte Lachet eindringlich.

Ausgangssperren könne ein Land nicht alleine beschließen, sondern nur im Benehmen mit dem Bund und den anderen Bundesländern, erläuterte der Ministerpräsident: „Wir stehen bereit, sobald die Bundesregierung die Lage anders bewertet, aber das ist heute nicht der Fall.“

Zu den bislang acht Todesopfern kamen jetzt auf einen Schlag vier dazu. Die Opfer sind nach Laumanns Angaben alle „schwer vorerkrankte Menschen“ in hohem Lebensalter gewesen. Stadt und Städteregion Aachen hatten am Morgen die zunächst ersten beiden Todesfälle gemeldet: Dabei handelt es sich um zwei Männer, um die 80 Jahre alt, die beide vorerkrankt waren. Es sind die ersten Todesfälle in Stadt und Städteregion Aachen.

Die Zahl der landesweit bestätigten Infektionen stieg von mehr als 2700 am Vortag auf 3060 am Dienstag (Stand: 10 Uhr). Nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums ist der Kreis Heinsberg mit rund 710 Nachweisen (Vortag 690) und sechs Todesfällen weiterhin besonders betroffen.

Unter den landesweit Infizierten ist auch Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz. „Ein am Sonntag bei mir durchgeführter Corona-Test ist positiv. Ich werde bis Ende nächster Woche zuhause unter Quarantäne stehen“, sagte Merz am Dienstag in Berlin. Der 64-Jährige ergänzte: „Zum Glück habe ich nur leichte bis mittlere Symptome. Alle Termine sind abgesagt. Ich folge strikt den Anweisungen des Gesundheitsamtes.“

Merz gilt als einer von drei aussichtsreichen Kandidaten für die Nachfolge der scheidenden CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer und damit auch als möglicher nächster Kanzlerkandidat der Union.

Tags zuvor hatte Laumann noch gesagt, NRW wolle Spielplätze nicht schließen. Dies könne man Kindern - etwa in kleinen Mietwohnungen - nicht antun. Auch NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) hatte noch am Montag betont, NRW wolle die Spielplätze offenhalten, weil vor allem Großstadtkinder sonst nicht mehr an die frische Luft kämen.

Auch an dem Punkt gehe es darum, die Sozialkontakte auf ein Minimum zurückzuführen, begründete Familienminister Joachim Stamp (FDP) die Kehrtwende. „Bitte jetzt nicht auf irgendwelche Wiesen ausweichen und mit mehreren Familienverbünden dort Picknick machen. Sondern, was man jetzt machen muss mit den Familien, ist, zuhause bleiben: nicht zu Oma und Opa gehen, nicht in den Betrieben private Betriebs-Kitas gründen, nicht in der Nachbarschaft mit einem Erziehungsberechtigten mehrere Kinder betreuen (...)“, appellierte Stamp an die Eltern.

Unterdessen schätzt das Robert Koch-Institut (RKI) die Gefährdung durch das Coronavirus für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland nun als „hoch“ ein. Das sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag in Berlin. Bislang hatte das RKI insgesamt von einer „mäßigen“ Gefährdung in Deutschland gesprochen.

Für die Wirtschaft des bevölkerungsreichsten Bundeslandes kündigte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet einen „Rettungsschirm“ an. Am Donnerstag werde es dazu ein Gipfeltreffen geben, sagte Laschet am Dienstag in Düsseldorf. „Das Ziel muss sein, dass kein Unternehmen insolvent geht.“ Über die Höhe des geplanten Soforthilfepakets machte er noch keine Angaben. An den Gesprächen würden Banken, Unternehmen, Kommunen, Gewerkschaften, das Handwerk, aber auch Kulturschaffende beteiligt.

Beim zentralen Förderinstitut des Landes Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank, gingen bisher 750 Anfragen von Unternehmen ein, die durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind. Die NRW.BANK biete betroffenen Unternehmen finanzielle Unterstützung in Form von Förderkrediten sowie Beratung über ihr Service-Center an, erklärte der Vorstand am Dienstag bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf. Das Hauptproblem vor allem für kleine Unternehmen seien Liquiditätsengpässe. Diese können durch Betriebsmittelkredite überbrückt werden, wie beispielsweise über das Programm „NRW.Bank.Universalkredit“.

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(mba/hsr/dpa)