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Coronavirus-Lexikon: Das bedeuten Triage, Inkubation, Mortalität und Co.

Virus-Lexikon : Corona von A bis Z

Viele Fachbegriffe geistern derzeit durch die Welt, die entweder unverständlich sind oder verwechselt werden. Wir erklären hier die Wichtigsten.

Was ist Inkubationszeit? Was ist ein Antikörper? Und wie vermehren sich Viren? Wie lang ist man eigentlich immun? Viele Unsicherheiten lassen sich in diesen Tagen klären. Unsere Autoren geben Antworten, die außerdem auf aktuellem Stand sind.

Abstrich

Damit der Test durchgeführt werden kann, benötigt das Labor Sekret aus dem Hals und der Nase, manchmal auch aus der Lunge. Dazu wird ein Wattestäbchen tief eingeführt und dann ins Labor geschickt. Bluttests auf Antikörper gibt es zwar auch schon, sie sind aber sehr unsicher; außerdem könnten sie nur das Vorhandensein von (möglicherweise älteren) Antikörpern bestätigen und wären deshalb kein sicherer Hinweis auf eine akute Infektion.

Antikörper

Wesentlicher Bestandteil der Antwort des Immunsystems auf Erreger. Antikörper sind Eiweiß-Zucker-Verbindungen (Glykoproteine), die der Organismus als Reaktion auf das Eindringen eines Fremdkörpers (Antigen) bildet. Dies können Viren, Bakterien oder Pilze sein. Jeder Antikörper hat eine spezifische Bindungsstelle, die nur auf ein spezielles Antigen passt, wie ein Schlüssel in sein Schloss.

Bakteriophagen

Dies sind Viren, die sich ausschließlich in Bakterien vermehren. Sie bestehen aus einer Eiweißhülle und Erbsubstanz (meist DNA). Per Rezeptor dockt der Phage an seine Wirtszelle an und initiiert ihr seine Erbsubstanz. Diese zwingt das Bakterium, fortan Phagen-Bausteine zu produzieren. Etwa 30 Minuten nach Eindringen der Phagen-DNA werden neue Phagen zusammengesetzt, die dann aus ihrer Wirtszelle ausschwärmen.

Basisreproduktionszahl R0

Ein wichtiger Faktor zur Vorhersage weiterer Szenerien ist die Basisreproduktionszahl R0, auch Grundvermehrungsrate genannt. Dies ist die Zahl der Personen, die ein Infizierter ansteckt. Liegt die R0 bei unter 1, sinkt die Zahl der Erkrankten, und die Epidemie findet ein allmähliches Ende. Das gelingt aber nur bei konsequenter Nachverfolgung von Infektionen und konsequenter Quarantäne. Verschiedene Studien verorten die Zahl der Zweitinfektionen, die von einem Covid-19-Fall ausgehen, derzeit zwischen 2,4 und 3,3. Dieser Wert kann so interpretiert werden, dass bei einem R0 von etwa 3 ungefähr zwei Drittel aller Übertragungen verhindert werden müssen, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen.

Covid-19

Das ist der Name der Krankheit, die das Coronavirus (Sars-CoV-2) auslöst. Beide Bezeichnungen werden in diesen Tagen gern verwechselt. Covid-19 umfasst alles: milde Symptome, aber auch schwere Krankheitsbilder.

Immunität

Wer eine Infektionskrankheit durchmacht, ist teilweise lebenslang immun. Beim Coronavirus ist das ebenso wie beim Influenza-Virus nicht der Fall. Allenfalls erwirbt man eine Teilimmunität für mehrere Monate. Eine Impfung könnte die Infektion stoppen; an ihr wird derzeit in vielen Ländern gearbeitet.

Ibuprofen

Bekanntes antientzündliches und fiebersenkendes Mittel, das oft auch zur Schmerzlinderung eingesetzt wird. Es zählt zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Mehrfach wurde jetzt die These verbreitet, die Einnahme könne eine Infektion mit dem Coronavirus verschlimmern. Der Berliner Virologie-Professor Christian Drosten (Charité) hat eine eindeutige Position: „Das Sars-Coronavirus 2 ist zwar neu, aber andere Coronaviren und Erkältungsviren kennt man, und auch da gibt es keinen Hinweis darauf, dass eine Ibuprofen-Einnahme diese Viruserkrankungen verschlechtern würde.“ Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt Infizierte zur Sicherheit trotzdem davor, ohne ärztliche Verschreibung Ibuprofen einzunehmen. Es gebe zwar keine neuen Studien, aus denen hervorgehe, dass Ibuprofen mit höher Sterblichkeit verbunden sei, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier. Aber die Experten prüften die Lage zurzeit.

Influenza

Die „echte Grippe“ wird ausschließlich durch Influenza-Viren hervorgerufen und unterscheidet sich damit vom grippalen Infekt, für den bis zu 200 verschiedene Viren-Stämme verantwortlich sein können. Die Influenza verläuft deutlich schwerer als ein grippaler Infekt und kann mehrere Wochen andauern. Schweine- und Vogelgrippe sind Varianten der Influenza. Influenza ist eine meldepflichtige Erkrankung. In diesem Winter sind laut Robert-Koch-Institut in Deutschland bereits rund 200 Menschen daran gestorben.      

Inkubationszeit

Das ist die Zeit, die zwischen der Ansteckung mit einem Virus und dem Auftreten erster Symptome vergeht. Bei Sars-CoV-2 wird sie mittlerweile auf wenige Tage geschätzt, in Einzelfällen kann es bis zu zwei Wochen dauern. Deshalb wird die notwendige Quarantäne derzeit in der Regel mit zwei Wochen bemessen.

Kontamination

Der Begriff bezeichnet die Anwesenheit von infektiösem Virus-Material etwa auf Flächen oder Türklinken; sie sind „kontaminiert“. Derzeit glaubt man, dass das Coronavirus auf diesen Orten etwa 72 Stunden überleben kann. Desinfektion wird deshalb als wichtig erachtet.

Letalität (Mortalität)

Dieser Begriff bezeichnet die Tödlichkeit einer Erkrankung im Verhältnis zu allen bestätigten Fällen. In Deutschland liegt sie derzeit bei etwa 0,3 Prozent aller Infizierten. Der Wert ist aber mit Vorsicht zu genießen, er könnte geringer sein, weil eine unbekannte Zahl von tatsächlich Infizierten nicht getestet ist.

Manifestationsindex

Dies ist der Anteil der Infizierten, die erkennbar erkranken, also Symptome zeigen. Die Zahl ist schwer zu ermitteln, weil die tatsächliche Anzahl der Infizierten und der Erkrankungsfälle unbekannt ist. Eine erste, kleine Studie aus Japan, so berichtet das RKI, gibt einen Wert von 58 Prozent an.

Mutation

Genetische Veränderung eines Virus, ein normaler Vorgang. Mutationen verändern aber nicht automatisch die Eigenschaften des Virus. Die Mutation eines Virus muss demnach nicht zwangsläufig bedeuten, dass es für den Menschen gefährlicher wird. Ob derzeit mehrere Typen des Coronavirus im Umlauf sind, wird gerade geprüft.

Pandemie

Eine weltweit sich ausbreitende Krankheit mit verschiedenen Infektionsketten, die nicht mehr im Einzelnen nachvollzogen werden können. Die Pandemie ist die global gesteigerte Form der Epidemie. Das RKI schätzt, dass die aktuelle Sars-CoV-2-Pandemie zwei Jahre dauern könnte; möglicherweise müssten die Vorsichtsmaßnahmen ebenso lange dauern.

PCR

PCR steht für „Polymerase Chain Reaction“ (Polymerase Ketten-Reaktion). Die PCR ist ein etabliertes Laborverfahren zum Nachweis diverser Krankheiten und Infektionen. Selbst kleinste Mengen an Erbsubstanz lassen sich mittels PCR rasch vervielfältigen. Die PCR ist aktuell die Methode der Wahl zum schnellen und sicheren Nachweis von Sars-Cov-2 in Abstrichen potentiell Erkrankter. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung gab es im ambulanten Bereich in Deutschland in der vergangenen Woche etwa 100.000 Tests auf das Coronavirus, dreimal so viele wie in der Vorwoche (35.000 Tests). Nicht berücksichtigt in dieser Statistik sind die Tests in den Krankenhäusern. Daher liege die Gesamtzahl also höher.

Replikation

Als Replikation bezeichnet man die Verdopplung/Vervielfältigung des Erbgutes einer jeden Zelle. Sie ist elementare Bedingung für die Weitergabe der genetischen Informationen von Generation zu Generation. Mutter- und Tochterzellen erhalten dabei jeweils eine identische Kopie der Erbsubstanz.

Risikogruppen

Folgende Menschen haben ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe einer Infektion mit Sars-CoV-2: ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für schweren Verlauf ab etwa 50 bis 60 Jahren); Raucher; Menschen mit Vorerkrankungen des Herzens, der Lunge, der Leber, mit Diabetes mellitus, einer Krebserkrankung und geschwächtem Immunsystem.

Robert-Koch-Institut (RKI)

Das Robert-Koch-Institut in Berlin-Wedding ist eine Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Es hat die Gesundheit der Gesamtbevölkerung im Blick und ist eine zentrale Forschungseinrichtung der Bundesrepublik. Es ist nach dem Mediziner und Mikrobiologen Robert Koch benannt. Das RKI aktualisiert permanent alle Informationen zur Corona-Pandemie; www.rki.de

Sars-CoV-2

Das ist der Name des Virus, nicht der Krankheit. Die Abkürzung bedeutet: „severe acute respiratory syndrome („Schweres akutes Atemwegssyndrom“) Coronavirus 2“. Zuvor wurde es 2019-nCoV genannt. Die Abkürzung Sars weist auf die Verwandtschaft mit dem Sars-Virus hin.

Superspreader

Infizierte, die durch hohe Viruslast besonders ansteckend sind. Bei Sars-CoV-2 gibt es mittlerweile gesicherte Berichte über solche Superspreader, die viele Menschen infiziert haben. Sie müssen nicht einmal besonders schwere Symptome entwickeln. Auch infizierte Kinder können Superspreader sein, weswegen auch bei ihnen derzeit auf Abstand zu anderen Menschen dringend zu achten ist.

Triage

Der Vorgang der Entscheidung und Vorsortierung etwa in Notaufnahmestationen, welchen Patienten man direkt behandeln muss und welcher Patient warten kann. Eine Triage gibt es auch bei knappen Klinikressourcen, wird derzeit in Italien in seltenen Einzelfällen durchgeführt. Beispiel: Wenn man nur noch ein einziges Beatmungsbett frei hat, in das aber zwei Patienten drängen – ein 43-jähriger Patient, der ansonsten gesund ist, und ein 84-jähriger Patient mit erheblichen Vorerkrankungen –, würde man den jüngeren Patienten nehmen, weil er langfristig die bessere Prognose hat.

Übertragungswege

Der Hauptübertragungsweg ist nach den bisherigen Erkenntnissen die Tröpfcheninfektion. Experten halten aber auch eine Schmierinfektion und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen für sehr wahrscheinlich.

Viren

Viren sind kleinste infektiöse Strukturen, die aus Erbsubstanz und einer Hülle aufgebaut sind. Sie gelten nicht als Lebewesen, da sie keinen eigenen Stoffwechsel haben, und sich nur in einer geeigneten Wirtszelle vermehren können. Das Virus schleust seine eigene Erbsubstanz in die Wirtszelle ein und zwingt diese so, fortan virale Strukturen zu produzieren.

Zoonose

Zoonosen sind Erkrankungen, die von Tieren auf den Menschen übertragbar sind.  Verursacher können Viren, Pilze, Bakterien oder Parasiten sein. Die Übertragungswege sind vielfältig. Man kann sich direkt durch Lebensmittel infizieren oder durch so genannte Vektoren, etwa Zecken oder Mücken. Auch Covid-19 ist eine Zoonose. Als ersten Wirt für Sars-Cov-2 vermuten Experten ein Wildtier in der chinesisches Stadt Wuhan.     

Zwischenexposition

Ein heikles Thema der Infektiologie – wichtig ist aber auch, das Phänomen zu verstehen. Ein Beispiel: Ein Infizierter hat am Tag eins Kontakt zu einem anderen Menschen, danach noch mehrfach (Tag vier, Tag sieben, Tag elf). Dieser andere Mensch erkrankt aber erst nach 15 Tagen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Inkubationszeit ungewöhnlich lange gedauert hat, sondern dass in Wirklichkeit ein späterer Kontakt die Infektion ausgelöst hat.

Hier geht es zur Infostrecke: Symptome und Test - so erkennt man das Coronavirus