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Coronavirus: Lage am US-Arbeitsmarkt verschlechtert sich dramatisch

Coronavirus-Epidemie : Lage am US-Arbeitsmarkt verschlechtert sich dramatisch

Das öffentliche Leben in den USA ist wegen des Coronavirus zum Erliegen gekommen. Die Wirtschaft befindet sich im Sinkflug. Die Arbeitslosigkeit steigt dramatisch an.

Infolge der Zuspitzung der Corona-Pandemie in den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sprunghaft angestiegen. Ihre Zahl hat sich in der Woche bis 21. März von 282 000 auf nunmehr rund 3,3 Millionen etwa verzehnfacht, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte.

Die Erstanträge gelten als Indikator für die kurzfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts in der größten Volkswirtschaft der Welt. Analysten hatten in dieser Woche mit einer starken Zunahme gerechnet. In der Vorwoche - zu Beginn der Epidemie in den USA - waren die Erstanträge um 70 000 auf 281 000 angestiegen.

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 hat das öffentliche Leben in weiten Teilen der USA zum Erliegen gebracht. Fast die Hälfte der rund 330 Millionen Amerikaner unterliegen nun von Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen. Viele Geschäfte sind geschlossen, Restaurants und Hotels bleiben leer, zahllose Reisen wurden abgesagt. Viele Mitarbeiter geschlossener Unternehmen müssen daher Arbeitslosenhilfe beantragen.

Entlassungen sind in den USA in der Regel wesentlich schneller möglich als etwa in Deutschland. In den USA gab es bislang auch keine Regelung wie das deutsche Kurzarbeitergeld, die den Arbeitsmarkt in Krisensituationen stabilisiert. Mit einem Konjunkturpaket, mit dem der US-Kongress rund 2 Billionen Dollar in die Wirtschaft pumpen will, wird die bislang sehr begrenzte Arbeitslosenhilfe ausgeweitet. Zudem soll es Arbeitgebern möglich sein, Angestellte für bis zu vier Monate zu beurlauben anstatt sie zu entlassen. In dieser Zeit würde der Staat für das Gehalt aufkommen. Das Gesetzespaket muss aber diese Woche erst noch vom Repräsentantenhaus beschlossen werden.

Das gesamte Ausmaß der wirtschaftlichen Verwerfungen der Coronavirus-Pandemie ist immer noch nicht absehbar. Viele Analysten befürchten inzwischen aber einen dramatischen Einbruch im zweiten Quartal und eine Rezession aufs ganze Jahr betrachtet. Der US-Kongress hat in der Nacht zum Donnerstag ein massives Konjunkturpaket auf den Weg gebracht, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie abzufedern. Als Teil des Pakets soll auch die Arbeitslosenhilfe deutlich ausgeweitet werden.

Manche Analysten gingen davon aus, dass die Zahlen der Erstanträge in Wirklichkeit noch dramatischer waren als am Donnerstag bekanntgegeben, weil viele Staaten zuletzt mit der Flut der Erstanträge überfordert waren. Der Gouverneur von New York etwa, Andrew Cuomo, hatte am Wochenende eingeräumt, dass die Webseite wegen des hohen Volumens der Anträge immer wieder zusammengebrochen sei. In den Call Centern arbeiteten rund 700 Menschen sagte er. Ein solches Volumen an Anträgen habe der Staat bislang noch nicht erlebt.

Die Arbeitslosenquote im Februar - also noch vor der rasanten Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 in den USA - lag bei niedrigen 3,5 Prozent. Das war der niedrigste Stand seit Jahrzehnten. Die Zahlen für März sollen erst am kommenden Freitag veröffentlicht werden.

Bis Anfang Februar brummte die US-Konjunktur noch, an der Börse wurden Höchststände vermeldet und Experten rechneten mit einem Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent. Präsident Donald Trump, der sich im November um eine Wiederwahl bewirbt, rühmte sich seiner erfolgreichen Wirtschaftspolitik. Doch die rasante Ausbreitung des Coronavirus seit Anfang März machte die guten Konjunkturaussichten zunichte. Trump verspricht derweil, die Wirtschaft werde nach dem Ende der Epidemie wieder „wie eine Rakete“ durchstarten.

In den USA gab es bis Donnerstagmorgen (Ortszeit) Forschern der Universität Johns Hopkins zufolge rund 70 000 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Mehr als 1000 Menschen sind infolge der vom Virus ausgelösten Erkrankung Covid-19 gestorben.

(ala/dpa)